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StartseiteMusikjournalGute Geigen, schlechte Geigen21.05.2018

Internationaler Geigenbauwettbewerb MittenwaldGute Geigen, schlechte Geigen

Instrumentenbauer aus aller Welt haben Geigen, Bratschen, Celli und Bögen zum 8. Internationalen Geigenbauwettbewerb in Mittenwald eingereicht. Die Cellistin Kerstin Feltz gehört zur Jury. Für sie ist entscheidend, dass ein Geigenbauer nicht nur eine handwerkliche Leistung vollbringen, sondern ein Kunstwerk bauen will.

Kerstin Feltz im Gespräch mit Christoph Vratz

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So unscheinbar diese Geige auch aussehen mag, ist sie mit einem Kaufpreis von 1 Millionen Euro eine der teuersten Geigen der Welt. Gebaut wurde sie von dem berühmten Geigenbauer Antonio Stradivari vor 300 Jahren. (picture alliance / dpa / Miguel Villagran ))
Ein Instrument des berühmten italienischen Geigenbauers Antonio Stradivari. (picture alliance / dpa / Miguel Villagran ))
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Kerstin Feltz, die Professorin für Violoncello an der Kunstuniversität Graz ist, achtet bei der Bewertung in erster Linie auf den Klang. Aber sie gibt zu, dass der Klang ein sehr subjektives Erlebnis sei. "Das selbe Instrument klingt in verschiedenen Händen auch verschieden". Wichtige Paramater seien für sie ein gutes Schwingungsverhalten in allen Lagen und, dass das Instrument dem Interpreten verschiedene Farbmöglichkeiten anbiete.

Von der Durchschnittsgeige zum Kunstwerk

Unter den Streichinstrumentenbauern der Gegenwart gebe es laut Kerstin Feltz qualitätiv eine große Bandbreite. Darunter seien sehr viele gute Baumeister, von denen man mit einiger Hoffnung davon ausgehen könne, dass ihre hinterlassenen Werke in 200 Jahren ähnlich phänomenal klängen wie heute die alten italienischen Geigen.

Das Instrument fragt immer: "Wer bist Du?"

Bei diversen Blindtests der Vergangenheit konnten wertvolle alte Instrumente, etwa von Antonio Stradivari, oft nicht von modernen unterschieden werden. Für Kerstin Feltz liegt dies daran, dass sich die Testpersonen nicht genügend Zeit genommen hätten. "Diese Instrumente haben eine Personalität, die braucht Monate langes sich Einfühlen und Einarbeiten. Wenn man sich, selbst als guter Musiker, eine Stradivari in die Hand nimmt und denkt, jetzt spielen wir da eben mal, dann wird man dem Potenzial dieses Instruments in keiner Weise gerecht."

Wer behaupte, man könne dies nicht unterscheiden, habe entweder keine Ohren oder sich nicht wirklich mit dem Instrument beschäftigt, so Kerstin Feltz. Sie hatte mehrfach die Möglichichkeit, ein Stradivari-Cello zu spielen. Für Kerstin Feltz seien dies unglaubliche Erlebnisse gewesen, bei denen zunächst immer das Instrument fragte: "Wer bist Du?"   

 

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