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Internationales Fußballcamp in Leipzig

Junge Leute aus sechs verschiedenen Ländern üben Völkerverständigung auf dem Fußballplatz

"Die Welt zu Gast bei Freunden" lautete das Motto zur Fußball-WM 2006 in Deutschland - in Leipzig gilt dieser Slogan noch heute. In einem Fußball-Camp trainieren zurzeit gemeinsam junge Fußballerinnen aus sechs Ländern. Der Fußball steht bei den Spielerinnen weniger im Vordergrund, sondern vielmehr das interkulturelle Training.

Von Ulf Walther

Fußball verbindet: Fans aus den Niederlanden und Argentinien feiern gemeinsam in der Innenstadt von Frankfurt am Main vor dem Vorrundenspiel ihrer Mannschaften bei der FIFA WM 2006.
Fußball verbindet: Fans aus den Niederlanden und Argentinien feiern gemeinsam in der Innenstadt von Frankfurt am Main vor dem Vorrundenspiel ihrer Mannschaften bei der FIFA WM 2006.

Über den Sport zum Dialog und damit zu einer Gemeinschaft. "Kick it", das internationale Frauenfußball-Camp, will genau das erreichen. Zum zweiten Mal kommen junge Fußballerinnen aus völlig unterschiedlichen Kulturkreisen nach Leipzig, um zu einer Gemeinschaft zusammen zu wachsen. Egal ob aus Jordanien, Palästina, Algerien, Bulgarien, Malta oder Deutschland - gemeinsam schwitzen die Frauen, lachen und vor allem sprechen sie miteinander. Veranstalter des Fußball-Camps "kick it" ist der Leipziger Verein "eurient e.V.".

Franziska Zezulka vom Verein fasst die Ziele des Camps zusammen:

"Wir möchten, dass die Teilnehmerinnen sich bewusster werden über sich selbst, über andere, über Identitäten gelernt haben nachzudenken. Und das aus den Individuen, die einzeln anreisen, eine Gruppe wird, die sich halbwegs versteht. Sie müssen nicht die besten Freundinnen werden, aber sie sollen miteinander umgehen können lernen."

Das sportliche Niveau der Spielerinnen ist sehr unterschiedlich. Während einige Frauen nur sehr wenig Fußball-Erfahrung haben, spielen andere sogar in ihrer jeweiligen Nationalmannschaft. In der sächsischen Landesliga läuft für den Post SV Leipzig Ullrike Schupp auf. Neben dem sportlichen Aspekt sind für sie vor allem die zwischenmenschlichen Begegnungen am eindrucksvollsten:

"Die Palästinenserinnen haben einen Vortrag gehalten, ihr Land vorgestellt. Und sie hat sich so da reingesteigert, wie krass es gerade in ihrem Land zugeht, mit den ganzen Massakern und dass so viele Menschen sterben - Man sieht es vielleicht auch mal im Fernsehen aber es ist immer noch was andres, wenn jemand vor einem steht und das einem ins Gesicht erzählt."

Genau das ist Ziel dieses Camps, das Teil des Lokalen Aktionsplans Leipzig ist. Der Aktionsplan fördert Projekte, die unter anderem Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit vorbeugen sollen. Neben der Stadt Leipzig stehen hinter dem Projekt das Bundesfamilienministerium und die EU.

Egal ob Training, Paddeltouren, Kino oder lockere Gesprächsrunden - das Fußball-Camp "Kick it" schweißt zusammen, findet auch die jordanische Nationalspielerin Ruba Juan Adawi, die bereits im letzten Jahr dabei war:

"Es ist gut für uns, über die Traditionen und Gewohnheiten der Menschen in den westlichen Ländern bescheid zu wissen, wie Ihr denkt und wie Ihr miteinander umgeht. Am Ende aber finden wir stets heraus, dass es den großen Unterschied gar nicht gibt. Wir respektieren Euch einfach als Menschen."

Am kommenden Freitag endet das Fußball-Camp "kick it" mit einer Art Mini-Frauen-WM. Die Gewinnerinnen stehen dabei schon fest: Alle Spielerinnen nehmen Eindrücke mit und haben Freundschaften geschlossen. Quer über das Mittelmeer.

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