• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 03:00 Uhr Nachrichten
StartseiteUmwelt und VerbraucherWichtig im Kampf gegen Hunger und Klimawandel 05.12.2014

Internationales Jahr der BödenWichtig im Kampf gegen Hunger und Klimawandel

Böden haben eine weitaus größere Bedeutung für Mensch und Umwelt, als man ihnen beimisst. Nicht nur sind sie eine wichtige Ressource im Kampf gegen den Klimawandel - auch bilden sie die Grundlage für mehr als 90 Prozent der weltweit produzierten Nahrung.

Von Rebecca Hillauer

Ein frisch bestelltes Feld mit den Drillfurchen im Ackerboden nahe der Stadt Usedom auf der Insel Usedom (Mecklenburg-Vorpommern).  (dpa / picture alliance / Patrick Pleul)
Wiesen und Weiden binden deutlich mehr Kohlenstoff als intensiv bewirtschaftete Äcker. (dpa / picture alliance / Patrick Pleul)

"Wir übersehen ihn, wir gehen über ihn hinweg, wir treten ihn mit Füßen. Dabei brauchen wir ihn wie die Luft zum Atmen. Höchste Zeit, dass wir über den Boden reden..."

Mit diesen Worten beginnt der kurze Animationsfilm "Let's Talk about Soil", den das Institut für Nachhaltigkeitsstudien - IASS - in Potsdam produziert hat, dem der ehemalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer vorsteht. Der Agrarökonom Jes Weigelt ist dort Projektleiter für den Bereich Boden.

"Ein Internationales Jahr und die Anerkennung eines Weltbodentages sind natürlich Zeichen der Unterstützung. Die zentrale Frage wird sein: Was machen wir jetzt mit diesem Tag? Und diesem Jahr, das uns gegeben ist? Wie schaffen wir damit tatsächlich Aufmerksamkeit?"

Denn die fehlt bislang. Dabei bilden Böden die Grundlage für mehr als 90 Prozent der weltweit produzierten Nahrung. Doch durch Erosion, Schadstoffe, Überweidung, Abholzung, Versalzung gehen jährlich pro Kopf der Weltbevölkerung rund 3,5 Tonnen fruchtbares Ackerland verloren. Die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen haben sich daher auf das gemeinsame Ziel einer "Land Degradation Neutral World" geeinigt. Das heißt, zerstörte Böden sollen durch fruchtbar gemachte Flächen gleicher Größe ausgeglichen werden. Ziel ist es, eine globale Nährstoffbalance zu erreichen. Die aber wird gestört, wenn europäische Schweine statt mit heimischen Lupinen in großem Stil mit Kraftfutter aus lateinamerikanischer Soja gefüttert werden.

"In diesen Nahrungsmitteln, die wir importieren, sind Bodennährstoffe enthalten, die dann hier verfüttert werden, und dann mit den Ausscheidungen der Tiere in Deutschland auf die Felder ausgebracht werden. Das, was dort aus den Nährstoffen entnommen wurde, ist dann tendenziell hier an Nährstoffen zu viel. Und führt dann dazu, wie es eben letzten Sommer wieder der Fall gewesen war, in der Ostsee zum großen Algenblühen. Weil diese ganzen Nährstoffe dann mittelfristig ausgewaschen werden, in der Ostsee landen, und dort eben ein absoluter Nährstoffüberschuss herrscht, und das dann diese Algenblüte stattfindet."

Bodenversieglung verhindern

Böden könnten derweil die wichtigste Ressource des Menschen im Kampf gegen die Klimaerwärmung sein. Denn die Böden unserer Erde speichern mehr Kohlenstoff als die Atmosphäre und alle Bäume zusammen. Wiesen und Weiden beispielsweise binden deutlich mehr Kohlenstoff als intensiv bewirtschaftete Maisäcker. Nachhaltige Landwirtschaft senkt also die CO2-Emission.

Dennoch hat die deutsche Bundesregierung, zusammen mit Frankreich und Großbritannien, die geplante Bodenrichtlinie der Europäischen Kommission zum Schutz der Böden blockiert. Doch jeder Mann und jede Frau kann hier und heute selbst etwas dafür tun: Zum Beispiel durch das Einkaufen von regionalen Produkten die Nährstoffbalance unterstützen. Oder, so Jes Weigelt, der rasanten Bodenversiegelung vor der Haustür entgegentreten.

"Jedes Jahr wird in Europa eine Fläche so groß wie die Stadt Berlin in urbanen Raum verwandelt. Die Hälfte davon wird versiegelt. Boden, auf dem nichts mehr wächst."

Meine Entscheidung, wie ich wohne, ist auch eine Entscheidung darüber, werden neue Böden versiegelt oder eben nicht versiegelt. Und der Punkt ist in der Tat die Frage: Wie stellen wir uns neue Stadtmodelle vor? Ist die Stadt der Zukunft eine Stadt, die weiterhin darauf ausgerichtet ist, in die Fläche weiter zu wachsen? Oder haben wir noch andere Modelle, Ideen zum Thema Stadtentwicklung?

"Oder einfach eine zweite Erde entdecken... Aber darauf sollten wir uns besser nicht verlassen!"

 

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk