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StartseiteWirtschaft am MittagInternet als einziger Hoffnungsschimmer02.07.2013

Internet als einziger Hoffnungsschimmer

Auflagen von Zeitungen gehen weiter zurück

Schließung, Ausdünnung und Zusammenlegung: Vor allem negative Schlagzeilen bestimmen in der Medienbranche das Geschehen. Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger sieht auf der Jahrespressekonferenz die Zeitungen in einem "Transformationsprozess" in Richtung Internet.

Von Jürgen König

Die Auflagen gehen immer mehr zurück. (Stock.XCHNG / Natalie Souprounovich)
Die Auflagen gehen immer mehr zurück. (Stock.XCHNG / Natalie Souprounovich)

Das Stammgeschäft schwächelt weiterhin, die großen Hoffnungen der Zeitungsverleger gelten dem digitalen Markt. Bei den gedruckten Zeitungen seien die Vertriebsumsätze zwar um 1,4 Prozent gewachsen, gleichzeitig seien aber die Nettowerbeumsätze um neun Prozent gefallen – auf insgesamt 3,43 Milliarden Euro. Damit sei der Gesamtumsatz aller Tages-, Wochen- und Sonntagszeitungen im Vergleich zum Vorjahr um 3,3 Prozent gesunken auf nun mehr 8,23 Milliarden Euro gegenüber noch 8,5 Milliarden Euro 2011. Auch die Gesamtauflage der Zeitungen sank – ging im ersten Quartal 2013 um fast vier Prozent zurück: von 23,08 auf 22,23 Millionen Exemplare.

Angesichts solch trüber Entwicklungen sieht der BDZV als einzigen Hoffnungsschimmer, das Internet, sprach von einer "exzellenten Entwicklung". Rund 660 Zeitungsportale würden inzwischen 41 Prozent der Deutschen erreichen, etwa 29 Millionen regelmäßige Nutzer. Damit seien die Zeitungen die Nachrichtenquelle Nr. 1 im Netz. Rund 450 Apps von Zeitungsverlagen gäbe es inzwischen, knapp 290 davon kostenpflichtig. Mehr als 40 Zeitungstitel hätten die Bezahlung im Netz eingeführt, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Dietmar Wolf, Hauptgeschäftsführer des BDZV:

"In der Echtzeit des Internets führt bei aller Faszination - die wir auch alle teilen über das Internet - führt doch zu einer Rückbesinnung. Eine Rückbesinnung, bei der dann eben nicht nur allein die Schnelligkeit der Nachricht im Vordergrund steht, sondern bei der es eben auch um die Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit der Quellen geht."

Allein aus dieser positiven Entwicklung auch einen finanziellen Erfolg zu machen, so weit sei man noch nicht, noch sei man im "Transformationsprozess", die Dinge bräuchten Zeit. Dass das Leistungsschutzrecht für Presseverlage am 1. August in Kraft tritt, sei ein großer Erfolg, nun müssten die Verlage "sehen, wie sie dieses Recht umsetzen, individuell im Verlag oder im Kollektiv, etwa in einer Verwertungsgesellschaft".

Zu den bevorstehenden Verhandlungen über den Gehalts- und Manteltarifvertrag für Redakteure an Tageszeitungen äußerte sich Dietmar Wolf nur bedeckt. Man müsse die "Tarifwerke modernisieren", "Strukturen" müssten "angepasst werden".

"Da geht es aus unserer Sicht nicht um einen Abbau, es geht um einen Umbau. Wir möchten mir den Gewerkschaften zusammen ein Tarifwerk gestalten, das in die Zukunft weist, dass die ökonomischen Bedingungen, die tatsächlichen, auch abbildet. Das durchaus auch sich an zeitgemäßen Unternehmenskulturen orientiert."

Ein wenig Abbau deutete Dietmar Wolf aber schon an, sprach etwa vom "Anachronismus einer automatischen Gehaltssteigerung" und fragte, ob man diesen nicht ersetzen sollte durch "erfolgs- und leistungsbezogene Komponenten". Am 19. Juli beginnen die Verhandlungen – sie dürften lange dauern.

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