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Internet der Dinge

Wissenschaftler tüfteln an der total vernetzten Welt

Wissenschaftsjournalist Jan Rähm im Gespräch mit Ralf Krauter

Die Vernetzung weitet sich auf Maschinen, Alltagsgegenstände und Häuser aus.
Die Vernetzung weitet sich auf Maschinen, Alltagsgegenstände und Häuser aus. (AP)

IT.- Das sogenannte "Internet der Dinge" bezeichnet die zunehmende Vernetzung und Kommunikation von Maschinen untereinander. Eine fast vollständige Verknüpfung aller Alltagsgegenstände soll - so die Theorie - einmal unser Leben erleichtern.

Ralf Krauter: "Internet der Dinge" - hinter diesem Schlagwort verbirgt sich die Vision, Myriaden von Alltagsgegenständen eine eigene Internetadresse zu verpassen. Von der Pizzaschachtel bis zum Kleidungsstück, vom Auto bis zum Transportcontainer. Wenn all diese Dinge irgendwie vernetzt sind, dann könnten sie miteinander kommunizieren und vieles automatisch regeln, ohne dass der Mensch eingreifen mus, so die Hoffnung. Ob und wie schnell sie sich erfüllen wird, darüber diskutieren Experten derzeit auf einer großen Konferenz in Venedig. Mein Kollege Jan Rähm ist für uns dabei. Herr Rähm, nennen Sie uns doch erstmal ein konkretes Beispiel, wie das Internet der Dinge unser Leben künftig erleichtern könnte.

Jan Rähm: Ein einfaches Beispiel dafür ist das Wohnhaus. Darin und daran sind Unmengen an Sensoren, sowohl in der Gegenwart schon, in der Zukunft werden es noch viel, viel mehr sein. Und die messen zum Beispiel Temperaturen innen und außen, die messen die Sonneneinstrahlung und noch vieles mehr. Und diese Sensoren melden dann ihre Daten an die verschiedensten Aktoren. Das kann zum Beispiel die Rollladensteuerung sein oder auch die Heizungssteuerung. Die Werte können aber auch zum Beispiel an den Energieversorger gemeldet werden. Der erfährt so, zum Beispiel von den Solarzellen auf dem Dach, wie viel Energie die gerade produzieren und weiß dann: hier gibt es gerade Energie im Überfluss. Das Haus selbst fährt die Heizung runter, um Energie zu sparen, die Rollladen schließen sich, um es weiter kühl zu halten. Und das ist nur ein ganz kleiner Auszug dessen, was an Sensoren und Interaktion in Zukunft denkbar ist.

Krauter: Die Vision ist also eine elektronisch völlig vernetzte Welt. Wie nah sind wir da denn heute schon dran?

Rähm: Aktuelle Statistiken gehen von rund zwei Milliarden vernetzter Geräte aus. Das ist an sich noch nicht allzu viel. Bis 2020 sollen es rund 15 Milliarden sein. Aber auch das sei noch nicht viel - das erklärte mir Gérald Santucci von der Europäischen Kommission. Er betonte, das sind nur rund sieben Geräte pro Mensch. Und auf diese Zahle kommen wir heute schon fast, wenn man Mobiltelefone, Computer pro Person hier in unserer Hemisphäre zusammenzählt. Nur eine Dekade später rechnet er mit weitaus mehr Geräten, die dann die Milliardengrenze schon bald sprengen, die untereinander über verschiedenste Technologien vernetzt sein werden.

Krauter: Bei Milliarden vernetzten Maschinen, wie Sie das gerade skizziert haben, die dann auch autark Entscheidungen treffen sollen, stellt sich ja unweigerlich die Frage: Was hat der Mensch denn da noch zu melden? Beschäftigt das die Experten in Venedig auch?

Rähm: Ja, das ist in der Tat ein doch sehr wichtiges Thema hier. Und es geht auch nicht nur darum, wie mehr Akzeptanz erreicht werden kann, sondern auch: Wie würde man mit diesen ethischen Fragen umgehen und vor allen Dingen, die auch in Aspekten in die Entwicklung einbringen. Eine der Fragen ist zum Beispiel: Sollte man jetzt schon alles machen, was möglich ist? Also Gérald Santucci hat mir gesagt, er warnt sogar davor, die Systeme zu schnell auszurollen und zu schnell zu vernetzen. Vor allem, wenn das unsichtbar geschieht, wie es im Moment ganz oft der Fall ist. Er sagt, den Menschen müsse man Zeit geben, sich daran zu gewöhnen, dass die Welt ringsum komplett vernetz ist, um dann auch die Vorteile zu erkennen. Also dass die Menschen erkennen, was sie daran haben.

Krauter: Das Albtraumszenario - ganz zum Schluss gefragt - wäre ja, wenn die Technik nicht das tut, was sie soll: entweder weil sie defekt ist oder weil vielleicht Hacker sie manipuliert haben. Wie will man dem denn vorbeugen?

Rähm: Darüber habe ich mit Ovidiu Vermesan vom Europäischen Forschungsnetzwerk Internet der Dinge gesprochen. Er sagt, diesen Gefahren sind sich die Entwickler doch zunehmend bewusst. Und aktuelle arbeite man an ganz neuen Sicherheitsstrategien. Und man müsse vor allen Dingen ganz sichere Schutzprofile erstellen. Das heißt, das sind zum Teil doppelte Anmeldungen, mehrfache Authentifizierungen, um so Angriffe von außen, aber auch Fehlfunktionen abzuwehren und auch Fehlentscheidungen natürlich nahezu unmöglich zu machen. Der Schutz des Menschen soll direkt in die Technik implementiert werden. Mir schien das Ganze so zu sein: Des Gefahrenpotenzials ist man sich hier wirklich sehr klar bewusst.



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