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StartseiteVerbrauchertippHohe Kosten, wenig Leistung21.03.2017

Internet-RechtsschutzversicherungHohe Kosten, wenig Leistung

Illegales File-Sharing, Cybermobbing, Ärger beim Online-Shopping: Durch die Digitalisierung sind auch im privaten Bereich einige potentielle Konfliktfelder entstanden. Abhilfe verspricht der Internet-Rechtsschutz. Doch laut Stiftung Warentest sind die Internet-Policen einer herkömmlichen Rechtsschutzversicherung nicht unbedingt überlegen.

Von Dieter Nürnberger

(picture alliance / ZB)
Online kann man sich allerlei teuren Ärger einhandeln (picture alliance / ZB)
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Noch ist der Markt für speziellen Internet-Rechtsschutz überschaubar. Drei solche Policen wurden von der Stiftung Warentest unter die Lupe genommen. Sie kosten zwischen rund 60 und 240 Euro. Und sie sollen dann einspringen, wenn es digitalen Ärger gibt.

Ein typisches Beispiel: Die Nutzung von illegalen Internet-Tauschbörsen. Über den eigenen Internetanschluss sollen widerrechtlich Filme oder auch Musik heruntergeladen und gleichzeitig weiterverteilt worden sein. Die Inhaber der Film- oder Songrechte verlangen dann oft hohe Abmahnkosten oder auch Schadenersatz. Die speziellen Internet-Rechtsschutzversicherungen würden dann einen Teil der Kosten für einen Anwalt übernehmen, sagt Warentest-Experte Michael Sittig.

"Dann ist dringend auch der Gang zum Anwalt zu empfehlen. In den normalen Rechtsschutzversicherungen war früher dafür überhaupt kein Schutz vorgesehen, weil Urheberrechtsprobleme ausgeschlossen waren. Dann kamen diese Internet-Rechtsschutzversicherungen und sagten, wir bieten hier ein bisschen. Und bis zu 1.000 Euro Schutz kann man sich dann über diese Versicherungen erkaufen: Die bekommt man für den Anwalt - das ist das Besondere an diesen Policen. Aber: Es gibt auch ein paar gute, normale Rechtsschutzversicherungen für das on- und offline Leben, die das inzwischen auch mit drin haben."

File-Sharing Probleme zu gering veranschlagt

Bei den untersuchten Policen fiel allerdings auf, dass die veranschlagten Leistungen der Versicherer für diese sogenannten File-Sharing-Auseinandersetzungen doch zu gering sind. Mit 1.000 Euro würde Anbieter "Arag" noch am meisten zahlen. Doch vor Gericht würde eine solche Summe nicht ausreichen, um sämtliche Anwaltskosten eines Mandanten zu decken.

Zwei Anbieter versprechen darüber hinaus beispielsweise auch Leistungen, die die Bereiche Vertragsrechtsschutz und Arbeitsrecht betreffen.

"Wenn ich gekündigt werde, weil ich mich unvorsichtig beispielsweise bei Facebook über meinen Arbeitgeber geäußert habe. Oder Vertragsrechtsschutz: Wenn ich also online Verträge abgeschlossen habe. Wenn sich nach dem Online-Einkauf zum Beispiel etwas als mangelhaft herausstellt. Der Kunde möchte eine Reparatur oder neue Ware - und der Verkäufer zickt herum. Dann könnte ich mit dem Anwalt gegen diesen Verkäufer vorgehen. Sowas wäre dann bei diesen beiden Angeboten auch mit drin."

Jährliche Kosten zu hoch

Natürlich müsse man eine Kündigung durch den Arbeitgeber vom Anwalt prüfen lassen, sagt Versicherungsexperte Michael Sittig. Wichtig sei ein beruflicher Rechtschutz auf jeden Fall, denn im Arbeitsrecht zahlt in der ersten Gerichtsinstanz jede Partei ihren Anwalt selbst.

Allerdings würden auch solche Spezialfälle in der Regel vom normalen Berufsrechtsschutz abgedeckt. Wer Mitglied in einer Gewerkschaft ist, oder über eine normale Rechtsschutzversicherung auch berufliche Risiken absichert hat, kann sich die Zusatzversicherung deshalb sparen.

Das Fazit der Stiftung Warentest: Die speziellen Internet-Rechtsschutz-Policen können in Einzelfällen nützlich sein. Allerdings bleibe das Leben, welches sich offline abspiele, bei diesen Spezialpolicen außen vor. Zudem seien die jährlichen Kosten zu hoch und die Leistung im Versicherungsfall meist viel zu gering angesetzt. Michael Sittig:

Das ist vergleichsweise teuer. Wenn man bedenkt, dass man den gleichen Schutz in guten Policen mit drin hat. Und dann auch für online und offline abgesichert ist. Eine gute Police kostet so rund 300 Euro im Jahr. Wenn man das vergleicht - etwa mit dem teuersten Internet-Rechtsschutz-Angebot für 240 Euro, dann sind 300 Euro doch ganz ok.

 

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