Montag, 21.05.2018
 
Seit 22:50 Uhr Sport aktuell
StartseiteMarkt und MedienSmart TV's auf dem Vormarsch22.03.2014

InternetfernsehenSmart TV's auf dem Vormarsch

Die mit dem Internet verbundenen Fernseher sind mittlerweile die Regel und nicht mehr die Ausnahme. Es sollen heute schon mehr als 13 Millionen internetfähige Fernseher in den deutschen Wohnzimmern stehen. Absoluter Marktführer bei den Herstellern ist Samsung, aber auch neue Anbieter wie die Telekom, Nintendo oder Apple drängen in diesen Markt.

Von Christian Bollert

TV on Demand via Smart-TV wird immer häufiger genutzt. (Jan-Martin Altgeld)
TV on Demand via Smart-TV wird immer häufiger genutzt. (Jan-Martin Altgeld)
Weiterführende Information

Smart, aber neugierig (Deutschlandradio Kultur , Elektronische Welten, 24.02.2014)

Fernseh-Hersteller und Onlinekonzerne träumen schon länger von einem riesigen neuen Absatzmarkt. Ist der Fernseher doch bisher ein sehr traditionelles Medium und für Onlineinhalte kaum erreichbar. Wenn das Internet auf den Fernsehbildschirm kommt, erhoffen sich die Internetkonzerne von uns Konsumenten noch mehr Onlinezeit. Schätzungen zufolge ist bereits jeder vierte Fernseher in Deutschland ein Smart TV. Sind die Verkaufszahlen von internetfähigen Fernsehern bereits sehr hoch, trifft das jedoch nicht auf deren Nutzung zu. Michael Geffken, Direktor der Leipzig School of Media, über die tatsächliche Nutzung der Internetdienste auf dem Smart TV:

"Von diesen 25 Prozent, die theoretisch das nutzen könnten, nutzt es wiederum ein Viertel tatsächlich, technisch und in der Anwendung. Das heißt, wir sind bei vielleicht irgendwo acht bis zehn Prozent der Leute, die TV nutzen, die dann auch irgendwie mit ihrem TV-Gerät irgendwas mit Internet machen."

Chromecast technisch nichts Besonderes

Seit dieser Woche will auch Google in Deutschland auf den größten Bildschirm des Hauses. Google versucht es mit einem kleinen Stick, der direkt an den Fernseher angeschlossen und mit dem heimischen WLAN verbunden wird. Dann kann man Inhalte von seinem Smartphone oder Laptop direkt auf den Fernseher schicken. Für Sven Hansen vom heiseverlag, in dem unter anderem das Computermagazin c’t erscheint, ist der Chromecast technisch nichts Besonderes, aber der Preis unschlagbar:

"Das Ding kostet nur 35 Euro, das ist ziemlich wenig. Also in dem Preisbereich gibt es momentan nichts, was das so kann und was so einfach zu bedienen ist."

Sven Hansen kritisiert jedoch, dass es momentan nur wenige Apps für den Chromecast gibt. Natürlich findet man  google-eigene Anwendungen wie youtube oder den Musik- und Filmbereich von google, aber ansonsten gibt es in Deutschland mit maxdome und watchever bisher nur zwei weitere große Onlinevideotheken. Christian Witt, der bei google Deutschland für die Geschäftsentwicklung des Chromecast zuständig ist, versichert aber, dass momentan 3.000 Entwickler an eigenen Anwendungen arbeiten, sich die Vielfalt bald erhöhen und damit die Nutzung attraktiver wird:

"Wir glauben einfach, dass es für viele, viele Nutzer viel, viel mehr Spaß macht, wenn sie insbesondere Videos, Musik oder auch andere Inhalte direkt auf dem besten Bildschirm in ihrem Haushalt erleben können und glauben damit insgesamt den Spaß und die Nutzung von mobilen Applikationen deutlich zu steigern."

Gute Zukunftaussichten: Großer Markt mit viel Potenzial

Eine erhöhte Nutzung verspricht natürlich auch mehr Werbeeinnahmen. Ein Aspekt der den Vermarkter Tomorrow Focus besonders interessiert. Der Vermarkter hat gerade eine neue Studie zum Thema Smart TV veröffentlicht. Darin stellen die Autoren um Sonja Knab fest, dass technikbegeisterte Nutzer den Fernseher bereits mit dem Internet koppeln. Für die Werbeindustrie eine gute Nachricht, kann sie doch Werbung nun auch auf dem Fernseher genauer steuern:

"Wir sehen da eigentlich in der Zukunft sehr viele Potenziale, weil es einfach ein riesengroßer Markt ist. Das ganze Fernsehnutzungsverhalten verändert sich. Die Leute können selbst bestimmmen, wann sie was nutzen und somit geht auch bei der Werbung das Thema weg von ich strahle eine Werbung zu einem bestimmten Zeitpunkt an alle aus, sondern kann eben ein Advertising-Produkt wirklich gezielt an eine bestimmte Zielgruppe aussteuern."

Auch Michael Geffken, von der Leipzig School of Media, sieht die Potenziale eher im morgen denn im heute.

"Wie immer bei solchen Sachen wird vielleicht die kurzfristige Veränderungsgeschwindigkeit überschätzt. Im Augenblick aber, das ist meine feste Überzeugung, wird die langfristige Veränderungsgeschwindigkeit auch von den Teilnehmern am Markt, von den Sendern selbst teilweise, noch deutlich unterschätzt."

Geffken rechnet damit, dass sich die Mediennutzung noch sehr viel stärker zersplittern wird. Das klassische Fernsehen wird dann seiner Ansicht nach immer weniger genutzt werden.

Dafür müssen die Geräte allerdings noch leichter zu bedienen sein. Die gute alte Fernbedienung ist da häufig noch das größte Problem, erklärt Sonja Knab von der Tomorrow Focus AG:

"Viele sagen, dass einfach die Nutzung des Internets über eine TV-Fernbedienung noch zu umständlich ist. Für manche ist es generell noch zu kompliziert das ganze Thema."

Den Wunsch vom Fernsehen ohne Fernbedienung können die aktuellen Geräte, auch Chromecast von Google, noch nicht erfüllen. Auffällig ist jedoch, dass sowohl klassische Gerätehersteller als auch Internetunternehmen um den Platz auf dem guten alten Fernseher streiten und damit mehr Inhalte aus dem Internet auf dem größten Bildschirm im Haus landen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk