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StartseiteMarktplatzKommunikation auf Smartphones meist öffentlich05.06.2014

InternetsicherheitKommunikation auf Smartphones meist öffentlich

Texte, Bilder oder Videos per Smartphone austauschen, ohne, dass jemand mitlesen kann - dafür sind Chat-Apps, auch Instant Messanger genannt, prinzipiell deutlich besser geeignet als E-Mails. Doch ausgerechnet der populärste Vertreter dieser Gattung, WhatsApp, ermöglicht keine wirklich vertrauliche Kommunikation. Die Nachrichten werden unverschlüsselt übertragen.

Von Philip Banse

Ein Finger verschiebt auf einem Smartphone-Display die Anwendung "WhatsApp" auf die Facebook-App (dpa / Arno Burgi)
Keine vertrauliche Kommunikation per WhatsApp. (dpa / Arno Burgi)
Weiterführende Information

Wenig Handhabe gegen Softwarehersteller (Deutschlandradio Kultur, Thema, 28.04.2014)

E-Mail zählt zu den ältesten Anwendungen des Internets und ist immer noch sehr populär. Doch die elektronische Post zu verschlüsseln, ist auf Schreibtischrechnern schon nicht trivial - auf Smartphones ist es für Normalnutzer fast unmöglich, sagt Hans-Georg Kluge vom Verbraucher-Portal Teltarif.de:

"Bei E-Mails ist es tatsächlich so: Die Konfiguration von wirklicher starker Verschlüsslung ist sehr kompliziert, da scheitern auch Experten gerne mal dran. Das bedeutet, hier muss man immer davon ausgehen, dass die verschlüsselte E-Mail nicht ankommt oder der Empfänger sie nicht lesen kann. Insofern wird man bei E-Mails wohl auf immer darauf verzichten müssen, verschlüsselte E-Mails im Massenmarkt zu verwenden."

Keine vertrauliche Kommunikation per WhatsApp

Texte, Bilder oder Videos per Smartphone austauschen, ohne, dass jemand mitlesen kann - dafür sind Chat-Apps, auch Instant Messanger genannt, prinzipiell deutlich besser geeignet als E-Mail. Doch ausgerechnet der populärste Vertreter dieser Gattung, WhatsApp, ermöglicht keine wirklich vertrauliche Kommunikation, sagt Fabian Scherschel von der Computerzeitschrift c´t. Bei WhatsApp und auch beim Facebook-Chat werde nur die Übertragung der Nachrichten verschlüsselt, nicht die Nachrichten selbst.

"Das heißt, da kann jemand, der im Netz einfach so mitlauscht, nicht einfach rein gucken. Aber der Dienstanbieter kann alle Nachrichten lesen. Und das heißt, auch Strafverfolgungsbehörden oder andere Personen, die halt hingehen und sich einen richterlichen Beschluss besorgen, können die Nachrichten lesen - und in den USA auch ohne richterlichen Beschluss. "

Verschlüsselte Textkommunikation ist möglich

Es gibt jedoch WhatsApp-artige Apps, die vertrauliche Kommunikation ermöglichen, die also die Nachricht auf dem Smartphone des Absenders verschlüsseln und erst auf dem Smartphone des Empfängers wieder entschlüsseln. Wiederholt untersucht und für hinreichend sicher befunden wurden etwa die Apps Threema, TextSecure oder auch Apples iMessage. Hans-Georg Kluge von Teltarif:

"Verschlüsselte Textkommunikation ist heute mit Threema und ähnlichen Apps eigentlich relativ unkompliziert - ist auch zu empfehlen, gerade wenn es um vertrauliche Kommunikation geht. "

Doch auch hier gibt es mindestens zwei Probleme: Threema & Co. sind zwar nicht schwer einzurichten und zu nutzen - aber so simpel wie WhatsApp funktionieren sie halt doch noch nicht. Und: Verschlüsselte Kommunikation klappt nur, wenn alle Kommunikationspartner dieselbe App benutzen.

Beide Endgeräte müssen gesichert sein

Sender und Empfänger also auf dem gleichen Stand sind: Das gilt auch für die Profi-Variante der sicheren Smartphone-Kommunikation: Speziell abgesicherte Telefone wie das Kanzlerphone der Berliner Firma Secusmart oder das neue Blackphone aus dem Hause renommierter US-Kryptologen. Fabian Scherschel von der Computerzeitschrift c´t hat das Blackphone zwar noch nicht getestet, er glaubt aber:

"Von dem, was die sagen, wie das Ding funktioniert, scheint es schon sehr sicher zu sein. Das ist ein Ansatz, der auf Firmen zielt und auf professionelle Kommunikation. Der größte Nachteil bei so einem Hardware-Verschlüsslungsgerät ist, dass beide Enden so ein Gerät brauchen. Wenn man mit jemanden kommuniziert, der auch so ein Gerät hat, dann ist das sehr sicher. Aber wie gesagt: Man braucht eins an beiden Enden."

Google würde sich sein Geschäftsmodell kaputt machen

Was also, wenn jeder so ein abgesichertes Telefon hätte? Das Blackphone kostet rund 460 Euro und ist damit deutlich billiger als das Kanzlerphone und nur unwesentlich teurer als vergleichbare normale Smartphones. Auch technisch sei es kein Problem, sichere Kommunikation zum Standard zu machen, sagt Fabian Scherschel von der Computerzeitschrift c´t. Google könnte die im Blackphone verwendeten Verschlüsselungsmechanismen problemlos in die Standard-Version seines Betriebssystems Android einbauen und auf einmal würde die halbe Welt verschlüsselt kommunizieren.

"Der Grund, warum sie das nicht tun ist, dass Google mit Werbung Geld verdient, und Geld damit verdient, in diese Nachrichten hinein gucken zu können. Wenn sie wirklich diese Kommunikation Ende zu Ende verschlüsseln würden, dann könnte auch Google nicht mehr in die Nachrichten rein gucken und würde sich sein Geschäftsmodell kaputt machen. Das ist das, was dagegen spricht; deshalb machen sie das nicht."

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