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StartseiteWirtschaft und GesellschaftDas große Werben und Hoffen03.03.2016

Investitionen im IranDas große Werben und Hoffen

Nach dem Ende der Sanktionen gegen Iran wirbt das Land intensiv auch in Deutschland um Investitionen. Und die deutsche Wirtschaft, allen voran der Maschinenbau, sieht hier einen Milliardenmarkt, durch den Tausende Arbeitsplätze enstehen könnten. Die Industrie wäre auch bereit, zu investieren, aber noch Stocken die Geschäfte.

Von Stefan Maas

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) besichtigt am 21.07.2015 den Tschehel Sotun Palast in Isfahan im Iran. (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)
Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) war schon im Iran, um über mögliche Wirtschaftsbeziehungen zu sprechen. (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)
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Nach dem Ende der Sanktionen gegen den Iran im Januar nimmt das gegenseitige Werben Fahrt auf. Sein Land biete in vielen Bereichen Chancen für deutsche Unternehmen, erklärte Pedram Soltani von der iranischen Handelskammer am Morgen in Berlin bei einem deutsch-iranischen Wirtschaftsreffen: "Erdöl, Erdgas, petrochemische und chemische Industrie, Lebensmittelindustrie, Tourismus, Transport und Logistik, Energieeffizienz und erneuerbare Energien, industrielle Landwirtschaft, Aquakultur, Industrie- und Kfz-Bauteile, Einzelhandelsketten, Bankwesen und Finanzdienstleistungen, Informations- und Kommunikationstechnik, E-Commerce, Wasser- und Abfallwirtschaft, und Bildung und Bildungsdienstleistungen."

Die deutsche Wirtschaft ihrerseits hofft auf Aufträge in Milliardenhöhe und damit einen massiven Anstieg der deutschen Exporte, sagt Volker Treier, der Außenhandelschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages: "Wir gehen innerhalb der nächsten fünf Jahre wieder auf ein Volumen von zehn Milliarden aus. Jetzt liegen wir bei rund zwei Milliarden Euro. Also das sind enorme Zuwachsraten."

Ein Milliardenmarkt für den Maschinenbau

In der Folge könnten bis zu 80.000 neue Arbeitsplätze entstehen, rechnet der DIHK vor. Allein der deutsche Maschinenbau könne in großem Umfang profitieren, sagt Reinhold Festge, der Präsident des VDMA, des Verbandes der Maschinen- und Anlagenbauer. Natürlich sei der Iran kein Gigant, "aber wir haben doch einen soliden vier bis acht Milliarden Euro-Markt seitens des Maschinenbaus. Das ist natürlich nur ein Drittel von Russland, aber immerhin."

Erst gestern hatte Siemens seine Partnerschaft mit dem iranischen Konzern Mapna erneuert und die Lieferung von zwei Gasturbinen und den dazugehörigen Generatoren für ein geplantes Kraftwerk am Persischen Golf vereinbart. Außerdem soll Mapna Siemens-Gasturbinen in Lizenz herstellen: 20 Stück in den kommenden zehn Jahren.

Mit seinen rund 80 Millionen Einwohnern und einer im Schnitt sehr jungen Bevölkerung ist der Iran ein attraktiver Markt für deutsche Unternehmen. Ganz einfach ist es für sie allerdings nicht wieder stärker Fuß zu fassen. Da ist zum einen das Thema Rechtssicherheit und Korruption, sagt Volker Treier: "Das, was wir mittlerweile als good governance bezeichnen, also eine funktionierende Verwaltung, Rechtssicherheit und Infrastruktur, die westlichen Ansprüchen genügt, also das haben wir dort nicht."

Mehr ein Problem der Wirtschaft als der Politik 

Auch wegen des Wirtschaftsembargos habe im Iran eine Mangelwirtschaft geherrscht, die Korruption begünstigt habe. Unmittelbar entscheidender sei allerdings ein anderes Problem, beklagen die deutsche und die iranische Seite einhellig. Nach dem Ende der Sanktionen im Januar konnten Exporte deutscher Firmen mit Iran zunächst noch nicht mit staatlichen Hermes-Deckungen abgesichert werden. Grund sind Altschulden iranischer Firmen, hier verhandeln die Regierungen in Berlin und Teheran nach Aussagen des Bundeswirtschaftsministeriums. Hinzu kommt: Noch gebe es faktisch keine große deutsche Bank, die Exportgeschäfte mit dem Iran finanziere, klagt auch VDMA-Präsident Festge, denn viele europäische Banken fürchteten – auch wegen Strafzahlungen in der Vergangenheit - weiterhin Ärger von US-amerikanischer Seite: "Die Amerikaner müssen auch da mitziehen."

Volker Treier sieht die Bundesregierung in der Pflicht. Allerdings signalisiere sie durch die Verhandlungen über zukünftige Hermes-Bürgschaften für Geschäfte mit dem Iran: "Schaut her, der deutsche Staat ist auch wieder bereit, mitzugehen in der Finanzierung von Irangeschäften. Und damit sollte es ein Zeichen sein, dass europäische und gerade auch deutsche Banken auch diesen nächsten Schritt nachziehen müssen."

Insgesamt handele es sich hierbei aus seiner Sicht eher um ein Problem der Politik als um eines der Wirtschaft.

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