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StartseiteCampus & KarriereiPad raus, Klassenarbeit!26.06.2013

iPad raus, Klassenarbeit!

Wie Schüler ihre eigenen technischen Geräte im Unterricht nutzen können

Die Technikausstattung deutscher Schulen ist selten ausreichend oder auf neuestem Stand. Um schulische Medienprojekte trotzdem erfolgreich durchzuführen, probieren Wissenschaftler der Uni Duisburg-Essen nun in einem Projekt, wie Schüler im Unterricht mit eigenen Laptops, Tablets oder Smartphones arbeiten können.

Von Andrea Lueg

Für die Lehrer geht es bei dem Projekt vor allem darum, geeignete Inhalte für die Arbeit mit den unterschiedlichen technischen Geräten zu finden. (AP)
Für die Lehrer geht es bei dem Projekt vor allem darum, geeignete Inhalte für die Arbeit mit den unterschiedlichen technischen Geräten zu finden. (AP)

Eins wird ganz schnell klar: Es gibt viele mediale Wege, den Treibhauseffekt zu erklären! Marc Schmidt und seine Kollegen filmten für ihre Präsentation selbst gemachte Zeichnungen ab und versahen sie mit erklärendem Text. Dadrunter haben sie chillige Klaviermusik gelegt, und fertig ist eine anschauliche Darstellung der schrumpfenden Ozonschicht und ihrer Auswirkungen für den Eisbären. Bei Yannis‘ Gruppe dagegen ist eine kleine Radioshow entstanden.

Zwei Klassen des Gymnasiums nehmen an dem Projekt teil, das das Learning Lab der Uni Duisburg-Essen, vier Schulen und eine Reihe von Unternehmen der Region gemeinsam durchführen. In allen Unterrichtsfächern der Klasse werden die Geräte, die die Schüler mitbringen, eingesetzt, erzählt Biologielehrer Andreas Weber:

"Grundsätzlich haben die meisten ein Smartphone also mit Android oder IOS, und einige haben auch Tablets, vom Ipad bis zum etwas günstigeren Modell, und viele haben auch noch mindestens ein Netbook."

Jeder Schüler arbeitet mit einem anderen Gerät, das verlangt den Lehrern erst mal einiges ab:

"Schwierig war erst mal die Heterogenität der Geräte, ich kenn auch nicht jedes Gerät, und dann wird es schon schwierig, die richtige App zu suchen und das richtige Programm."

Dass die einen Schüler teure Geräte haben, während andere nur ältere Modelle besitzen, wird in der Klasse übrigens nicht zum Problem, erzählt Yannis.

"Das ist eigentlich nicht so schlimm, man bekommt auch Ausstattung von der Schule, wenn's gebraucht wird."

Ohne die Offenheit von Schülern und Lehrern, erklärt Richard Heinen, Projektleiter bei der Uni Duisburg-Essen, funktioniert diese Art der Medienarbeit nicht.

"Wir sehen Unterrichtsstunden, die zwar auch mit digitaler Technik arbeiten, aber sich kaum unterscheiden von dem, was sie früher gemacht haben, und dann gibt’s Beispiele, wie in Moers, wo auf einmal ganz andere Unterrichtsformen möglich sind."

Für die Lehrer geht es vor allem darum, die geeigneten Inhalte für die Arbeit mit den unterschiedlichen Geräten zu finden. Der Treibhauseffekt zum Beispiel ist nicht zu komplex für kleine Filme. Ist der Stoff dagegen zu schwierig, dann wird die Umsetzung mit modernen Medien zu aufwendig. Denn obwohl fast alle Schüler Tablet und Co besitzen, sind sie nicht unbedingt medienkompetent.

"Sie können spielen, sie können im Internet surfen - das funktioniert ganz gut, aber dann geht’s schon los. Alleine die normale Internetrecherche, da wird’s schon schwierig."

Und auch die Technik spielt immer mal wieder nicht mit. Der Beamer verträgt sich zum Beispiel heute nicht mit einem der Programme, mit denen eine Schülergruppe gearbeitet hat. Deren Präsentation kann deshalb nicht angeschaut werden. Auch das Schul- WLAN funktioniert nicht immer und in allen Räumen, und das führt häufiger zu Frustration bei Lehrern wie Schülern. Für die Unterrichtssequenz zum Thema Treibhauseffekt braucht Biolehrer Weber ungefähr dreimal so lang, als wenn er nur mit dem Lehrbuch arbeiten würde. Aber:

"Ich habe danach natürlich mal versucht zu überprüfen, inwieweit haben sie den Treibhauseffekt verstanden, und da habe ich viel bessere Ergebnisse als mit der Lehrbucharbeit. Weil sie wirklich die Texte selber entwickeln müssen. Das ist eindeutig, dass sie das besser behalten."

Kleine und mittlere Unternehmen aus der Region unterstützen das Projekt, vor allem IT-Unternehmen haben Interesse an Nachwuchskräften, die sich mit Medien gut auskennen. Anderthalb Jahre werden mit dem Projekt noch weiter Erfahrungen gesammelt, dann soll das Wissen an andere interessierte Schulen weitervermittelt werden. Die Biostunde heute war jedenfalls ein Erfolg:

"Hat auch richtig Spaß gemacht, das Projekt."

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