Die Nachrichten

Deutschlandfunk24 Die Nachrichten

Die Nachrichten

Irak-GeberkonferenzZiele: Hilfe und Aussöhnung

Zerstörung in Sindschar. Im Nordirak ist der IS militärisch geschlagen. Viele der Terroristen sind tot, die Überlebenden abgetaucht.  Die Hinterlassenschaft des IS aber ist immens. (Deutschlandradio/Björn Blaschke)
Zerstörung in Sindschar im Nordirak. (Deutschlandradio/Björn Blaschke)

In Kuwait wird die internationale Geberkonferenz für den Wiederaufbau des Irak fortgesetzt.

Die Regierung in Bagdad erhofft sich Hilfszusagen in Höhe von fast 90 Milliarden Dollar. Zu den am schwersten zerstörten Gebieten im Irak zählt die Stadt Mossul. Sie war im Juni 2014 von der Terrormilz IS eingenommen und drei Jahre später von irakischen Truppen mit Unterstützung schiitischer Milizen und einer US-geführten Koalition zurückerobert worden. Die Vereinten Nationen schätzen, dass alleine dort 40.000 Wohnungen gebaut werden müssen.

Anlässlich der Geberkonferenz hat der Islamwissenschaftler Christoph Günther auf die große Bedeutung der Aussöhnung zwischen den gesellschaftlichen Gruppen hingewiesen.

Die Konferenz könne helfen, die wirtschaftlichen Voraussetzungen für das Gelingen einer sozialen Wiedervereinigung herzustellen, sagte Günther im Deutschlandfunk. Gleichzeitig müsse man aber zur politischen Bedingung machen, dass konfessionelle Ressentiments ausgeräumt und Korruption bekämpft würden. Außerdem dürften sich die Investitionen nicht ausschließlich auf Bagdad und die zentralen Provinzen konzentrieren, sondern müssten fair verteilt werden.

Der Irak sei in einem wirtschaftlich desolaten Zustand, eine große Zahl qualifierter Arbeitskräfte sei abgewandert. Die Regierung in Bagdad müsse deshalb an die Mittelschicht apellieren, ihre Arbeitskraft und Qualifikation wieder im Irak einzusetzten.

Außerdem habe der soziale Zusammenhalt stark gelitten, es gebe tiefe gesellschaftliche Spaltungen, etwa zwischen Schiiten und Sunniten. Während der Kriegsjahre seien große Verletzungen passiert, die im kollektiven Gedächtnis nachwirkten. Hier müssten die Verantwortlichen öffentlich deutlich machen, dass eine Aussöhnung aller gesellschaftlichen Gruppen wichtig für das Überleben des Irak als Ganzes sei. Das Ziel sei, auf sozialer Ebene einen inklusiven Nationalstaat zu schaffen.

Mit Blick auf die kurdische Region im Norden des Irak sagte Günther, er könne sich vorstellen, dass es in den kommenden fünf bis zehn Jahren ein erfolgreicheres Unabhängigkeitsreferendum geben könnte. Es werde viel davon abhängen, ob Bagdad auf die Forderungen der kurdischen Regionalregierung nach einer fairen Verteilung eingehe. Die Kurden hatten im Vorfeld der Geberkonferenz einen fairen Anteil an den Mitteln aus der Geberkonferenz verlangt.

Die dreitägige Geberkonferenz findet seit gestern in Kuwait statt.

Diese Nachricht wurde am 13.02.2018 im Programm Deutschlandfunk gesendet.