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Irlands traurige Erfahrung mit dem Terror

In Belfast beginnt der Prozess um das Attentat von Omagh

Der Nordirlandkonflikt hat das Land geprägt.
Der Nordirlandkonflikt hat das Land geprägt. (AP)

Die Erfahrung, willkürlichen Terroranschlägen jederzeit und überall zum Opfer fallen zu können, hat die Nordiren über viele Jahre hinweg geprägt. Insgesamt 4000 Tote waren im Laufe des Konflikts in der nordirischen Provinz zu beklagen. Heute beginnt in Belfast der Prozess gegen einen Angeklagten, der am Anschlag von Omagh im Jahre 1998 beteiligt gewesen sein soll. Damals starben 28 Menschen. Ein Bericht von Martin Zagatta.

Willkürliche Terroranschläge, diese Erfahrung hat die Nordiren über viele Jahre hinweg geprägt. Im Laufe des Konflikts in der nordirischen Provinz mussten beide Seiten 4000 Tote beklagen. Heute beginnt in Belfast der Prozess gegen einen Angeklagten, der bei dem Anschlag von Omagh im Jahre 1998 beteiligt gewesen sein soll. Damals starben 28 Menschen.

Aidan Gallagher starb auf der Stelle. Der 21-jährige war beim Einkaufen an jenem Samstagnachmittag und nur wenige Meter von dem Auto entfernt, in dem der Sprengstoff versteckt war. Die Bombe zerfetzte den Studenten, tötete insgesamt 29 Menschen, darunter viele Kinder. Mehr als zweihundert Verletzte wurden zum Teil schwer verstümmelt. Der Anschlag in der Kleinstadt Omagh im August 1998 gilt als der schlimmste Terrorakt in der Geschichte des Nordirland-Konfliktes. Und obwohl die Täter bekannt sein sollen, hat es mehr als acht Jahre gedauert, um Sean Hoey auf die Anklagebank zu bringen. Der 36-jährige Elektriker soll den Sprengstoff besorgt haben und muss sich ab heute vor einem Gericht in Belfast verantworten.

Das sei schwer zu ertragen, dort in dem Wissen zu sitzen, dass derjenige der angeklagt ist, dieses Blutbad angerichtet zu haben, nur wenige Meter entfernt ist, sagt Michael Gallagher, der mit seinem Sohn Aidan sein einziges Kind verloren hat bei dem Anschlag. Zu dem Verbrechen bekannt hat sich die "real" IRA", die so genannte "wahre" IRA. Die Splittergruppe hatte sich damals von der katholischen Untergrundorganisation IRA abgespalten aus Protest gegen den Friedenskurs.

Das Attentat von Omagh sollte nur wenige Monate nach dem Karfreitagsabkommen zwischen Katholiken und Protestanten den Aussöhnungsprozess torpedieren. Der Chef der Gruppe ist in Haft, verurteilt zu 20 Jahren wegen Gründung einer Terrororganisation. Für den Anschlag von Omagh allerdings büßt noch niemand hinter Gittern. Ein mutmaßlicher Täter ist nach Verfahrensfehlern wieder frei gelassen worden. Zeugen - so heißt es - würden noch immer eingeschüchtert, und die Angehörigen der Opfer hegen gar den Verdacht, dass die britischen Sicherheitsdienste Mitschuld tragen. Warnungen vor dem Anschlag sollen nicht weitergegeben worden sein. Immerhin hätten der britische Premierminister, Tony Blair, und der irische, Bertie Ahern, inzwischen zugesagt, dass es keine Amnestie geben werde.


Die Hinterbliebenen hätten jetzt wenigstens das Gefühl, auf dem Laufenden gehalten zu werden, meint Michael Gallagher. Sie würden das Ganze gern zu einer Art Abschluss bringen, die Regierungen aber immer drängen, diejenigen zur Verantwortung zu ziehen, die in Terrorismus verstrickt sind.

Aus ihrer Abscheu über den Abschlag von Omagh haben auch die IRA und die ihr nahe stehende Partei Sinn Fein keinen Hehl gemacht. Während sie auf die im Karfreitagsabkommen vereinbarte Zusammenarbeit mit den Katholiken setzen, ist allerdings die "real IRA" noch immer aktiv und hat gerade die Verantwortung übernommen für Bombenanschläge auf Unternehmen, die sie als "britisch" beschimpft.

Das sorgt für Spannungen in politisch ohnehin wieder einmal heiklen Zeiten. Ian Paisley, dem starken Mann im protestantischen Lager geht die im vergangenen Jahr für abgeschlossen erklärte Entwaffnung der IRA nämlich noch immer nicht weit genug:

Solange die IRA und Sinn Fein nicht auch mit Taten glaubhaft machen könnten, nichts mehr mit Terrorismus und Kriminalität zu tun zu haben, könne es keine Zusammenarbeit geben, so lehnt der 80-jährige bisher auch das Ultimatum ab, bis spätestens Ende November wieder eine überkonfessionelle Regierung zu bilden. Andernfalls soll das nordirische Parlament wieder aufgelöst und die Provinz von London aus verwaltet werden.

Die Brandanschläge der "real IRA" sind da für Angehörigen der Omagh-Opfer nicht nur ein schlechtes Vorzeichen für den heute beginnenden Prozess. Wenn es nicht gelinge, diese Terroristen aufzuhalten, so schreibt Michael Gallagher jetzt in einem offenen Brief an die britische Regierung, dann sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis wieder Autobomben explodieren in den Städten von Nordirland.

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