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StartseiteCorsoDer satirische Wochenrückblick26.02.2016

Is was!?Der satirische Wochenrückblick

Europa macht die Grenzen dicht und versucht durch ihre Mauern-und-Zäune-Politik, dem Flüchtlingsstrom einen Riegel vorzuschieben. Millionen von Riegeln verschiebt auch der Süßwarenhersteller Mars - und zwar in die Mülltonne. Der Grund: Ein Plastikdeckel war in die Produktion gefallen.

Von Stephan Reusch

Hand hält Mars-Riegel (imago/Newscast)
Es werden Millionen von Marsriegeln nach einer Rückrufaktion geschreddert. (imago/Newscast)
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Flüchtlinge bedroht

Sie sind Geschichte, ohne dass es sie je gegeben hätte: die Vereinigten Staaten von Europa. In einem einigen Europa sollten die Nationalstaaten eingehen. Jetzt geht an den Nationalstaaten Europa ein. 28 Staaten gibt es in der EU. Und was verbindet sie? Alle leiden. Nur einander leiden, das können sie nicht! Werden sie aufeinander los- nein: zugehen?

Zu gehen die Grenzen. Abschottung. Vorgestern beschlossen Österreich und der Ostblock–Tür zu, gestern zog Athen aus Wien seine Botschafterin ab, fast ist man schon geneigt, dankbar dafür zu sein, dass die Grenzen dicht gemacht werden: Die schlügen sich ja sonst die Köpfe ein.

Oder die Briten: Die Briten wollen nur in der EU drinnen bleiben, wenn alle anderen EU-Bürger aus ihrem Land draußen bleiben. Splendid Desolation.

Eingemauerte Freiheit

Müde möcht' man maulen: Tja, dann bleibt doch jeder am besten zu Hause. Jeder mit seinem eigenen kleinen Jägerzaun drumrum, 'nem Mäuerchen dahinter, sieben Meter hoch.

Um die Freiheit zu schützen, werden wir sie einmauern.

Um dann schließlich festzustellen: Freiheit wird überschätzt.

Pathos raus: Wird nicht auch das Leben überschätzt, "marslos" überschätzt? Anders gesagt: Ohne Mars - wo ist da das süße Leben. Es war nur ein Einzelfall, ein schädliches Plastikteil hat in einem Marsriegel den schädlichen Zuckeranteil unstatthaft reduziert, jetzt werden Millionen von Marsriegeln geschreddert. Ablehnung und Zustimmung halten sich die Waage, bei den Menschen, die Mars mögen.

Frage nebenbei: Sind Marsmenschen eigentlich Menschen?

Ich denke: Ja; steckt ja im Namen: Mars-Menschen.

Von Menschen, Sachsen und dem Mob

"Das sind keine Menschen," sagte Stanislaw Tillich, Ministerpräsident von Sachsen. Er meinte den Mob, der im sächsischen Clausnitz vor einer Woche einen Bus mit Schutzsuchenden angriff.

Keine Menschen?

 Ihr Handeln war, auch wenn man es "unmenschlich" nennt, menschlich, denn so können nur Menschen handeln.

Was ist der Mensch? Kurt Tucholsky versuchte mal eine ausführliche Definition, deren Schlusssatz so begann: "Neben den Menschen gibt es noch Sachsen und Amerikaner."

Wenn die jetzt auch alle noch zu uns kommen! Und als wäre das nicht schon schlimm genug, blicken wir mal nach vorne - in die Zukunft, respektive nach oben - ins All. Stellt euch vor: Mars ist kein sicherer Herkunftsplanet mehr! Und die kommen auch noch ... Höchste Zeit, über die sieben Meter hohen Mauern noch Decken zu ziehen. Lückenlos. Kein Lüftchen darf da mehr durch.

Ich glaub', dann sind wir sicher.  

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