Corso / Archiv /

 

Is was?!

Der satirische Wochenrückblick

Von Sigrid Fischer

Nach der 2:1-Niederlage der Nationalmannschaft
Nach der 2:1-Niederlage der Nationalmannschaft (picture alliance / dpa / Jens Wolf)

Wir spielen einfach zu nett, zu artig. Auch auf dem europäischen Parkett hat der Italiener seine Muskeln spielen lassen. Bushido empfiehlt sich derweil als Berlin-Bürgermeister, bei dem alle Kabinettsmitglieder mit B im Namen beginnen - eine reine B-Mannschaft also.

Grande Depressione in Germania! Tränen in der Kabine, das war's dann mit:

Löw: "Wir sind absolut in der Lage, eben auch Italien zu bezwingen und ins Finale einzuziehen."

Wir spielen einfach zu nett, zu artig, wir haben keine Kerle, die für eine Oben-Ohne-Muskelbeschau im Halbfinale die gelbe Karte riskieren. Und seine Muskeln zeigt der Italiener nicht nur gerne auf dem Rasen. Zusammen mit dem Vize- oder Europameister von übermorgen hat Signor Monti in der "Nacht von Warschau" Signora Merkel in Brüssel ausgetrickst.

Nix Catenaccio, sondern offensiv in Richtung Haftungsunion. Schuldeneintopf "Eurobond" – igittigitt! Den will sie verhindern, solange sie lebt. Solange sie lebt? Das heißt also, solange sie lebt, muss sie dann ja Kanzlerin sein, um den überhaupt verhindern zu können. Das wären geradezu monarchistische Fantasien, ausgerechnet jetzt, wo wir gerade NICHT Europameister geworden sind.

Löw: "Wir haben eine sehr, sehr starke Mannschaft."

Aber ja, aber ja. Der Herr Bushido hat wohl einiges gelernt in seiner Praktikumswoche im Bundestag. Crashkurs für angehende regierende Berlin-Bürgermeister. Das will er ja werden, wenn er mal groß ist. Der Rapper. Bushido. Ja, genau der. Das klingt natürlich ihm angemessen größenwahnsinnig, aber im Grunde hat er recht: einen Groß-Flughafenbau NICHT hinkriegen kann er bestimmt auch, genau wie ne S-Bahn, die so gut wie NICHT fährt. In sein Wunschkabinett würde Bushido Moritz Bleibtreu, Boris Becker und Dieter Bohlen holen – eine reine B-Mannschaft also.

Aber besser hätte Bohlen ihn in seine Supertalentjury geholt - und damit Gottschalk vor sich selbst bewahrt. Aber der trailert schon angestrengt – im megacoolen Teenie-T-Shirt unterm Jackett – für die letzten Castingrunden morgen in Köln und Stuttgart. Großes Kino werde das, hat sich der Dieter nach dem Ende seiner Schockstarre jetzt auch mal zur neuen Personalie an seiner Seite geäußert. "Wenn jeder sein Ego zurückstellt", sagt er. Ja wohin stellt man denn so ein Ego, das am Scheinwerfer hängt wie an der Nadel?

Durch Tommy und Michelle soll die Show, in der Menschen gegeneinander antreten, die was Außergewöhnliches können, ab Herbst familienfreundlicher werden – RTL goes ZDF. Warum tauft man sie dann nicht gleich um in: "Wetten, dass - der Lanz keine Schnitte gegen mich kriegt am Samstagabend?" Dann versteht man auch viel besser, warum der Thomas sich und uns das antut.

Also, da muss ja mal den Micha Ballack loben: Still und heimlich ist der zum Telestar geworden. Im amerikanischen Sportkanal. Da gibt er den Mehmet Scholl und erklärt denen mal, wie Fußball geht. Im schicken Anzug mit Krawatte und in ganz passablem Englisch. Und hat ganz viele Fans. Die werden ihn ab Montag vermissen.

Und was werden wir nach dieser EM vermissen? Auf jeden Fall die täglich 45 totgeschlagenen Pressekonferenzminuten, in denen es zwischen Sportjournalisten und Nationalmannschaft nichts und wieder nichts zu besprechen gibt. Und wo auf Verzweifelungsfragen dann eben Verzweifelungssätze fallen, wie:

Löw: "Unsere Mannschaft ist in der Lage, gegen alle Mannschaften der Welt zu gewinnen."

Na, beim nächsten Mal vielleicht.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Corso

Corso Spezial 15 Jahre "Mein Klassiker"

Die Statue von Sherlock Holmes in der Baker Street in London.

"Mein Klassiker ist ..." – diesen Satz hören Sie bei "Corso" jede Woche aus prominenten Mündern. In den vergangenen 15 Jahren haben uns mehr als 700 Schauspieler, Musiker, Künstler, Kabarettisten und andere Persönlichkeiten ihre Klassiker verraten.

Der fünfte BeatleEinsam, depressiv und tablettenabhängig

(L-r) John Lennon, George Harrison, Manager Brian Epstein, Ringo Starr und Paul McCartney relaxen in einer Hotel-Suite während einer Auslandstournee der britischen Popgruppe The Beatles. (Undatierte Aufnahme). Brian Epstein, erfolgreicher Manager der Pilzköpfe, wurde am 19.09.1934 in Liverpool geboren und am 27.08.1967 tot in seiner Wohung in Belgravia in London aufgefunden.

"Wenn es einen fünften Beatle gegeben hat, dann war es Brian Epstein", sagte Paul McCartney einmal. Der tragische Tod von Epstein läutete auch das Ende der Beatles ein. Vor Kurzem ist seine Autobiografie in deutscher Sprache erschienen

Corsogespräch Party-Proletariat und Backstage-Storys

Londoner Duo "We are shining" "Wir wollten uns einfach möglichst individuell ausdrücken"

Ukraine-Konflikt"Natürlich streiten wir. Schließlich geht es um Krieg"

Eine Frau in Donezk in den Trümmern ihres Hauses, das bei Kämpfen zerstört wurde.

Der Konflikt in der Ukraine ist mehr als 2.000 Kilometer weit weg. Aber er betrifft auch Menschen, die in Deutschland leben. Besonders in der russischsprachigen Community wird häufig darüber gestritten, wer Recht hat. Das wird zur Zerreißprobe für Freundeskreise und Familien.

Theater-Kollektiv Rimini-Protokoll "Politiker sind letzten Endes auch nur Schauspieler"