Corso / Archiv /

 

Is was?!

Der satirische Wochenrückblick

Von Sigrid Fischer

Christian Wulff (l.), Katja Riemann, Philipp Rösler
Christian Wulff (l.), Katja Riemann, Philipp Rösler (picture alliance / dpa / Norbert Försterling/ Michael Kappeler/ AP Archiv)

In dieser Woche bekam Ex-Präsident Christian Wulff einen Deal hinter Gerichtsmauern, Katja Riemann übte sich (mal wieder) in Interview-Zickereien und von Philip Rösler haben wir gelernt, dass man Denken, Pardon (!), Dummheit nicht verbieten kann.

Wann hat eine Woche schon mal so genial angefangen? Damit ist jetzt nicht gemeint, dass es für Bankkunden neuerdings heißt: wir müssen draußen bleiben - und dürfen unseren drinnen geparkten Geldhaufen höchstens mal durch die Scheibe zuwinken. Auch nicht das Fernsehereignis "Unsere Mütter unsere Väter" - das die Feuilletons rund um die Uhr schwer beschäftigt hat. So schwer, dass sie unter dem ächzenden Gewicht ihrer Kommentierungsschleifen der völligen Amnesie anheim gefallen sind. Sämtliche "schonungslos-wahrhaftig-authentischen" Kriegsfilme der letzten 60 Jahre haben sie komplett aus ihrem Gedächtnis gelöscht.

Und vergessen sind wohl auch die gesammelten Interview-Zickereien von "Unserer Riemann" aus den letzten circa 100 Jahren. Shitstorms kennt sie zur Genüge, wenn bisher auch analog. Worüber wundert sie sich also diese Woche in ihrem Facebook-Brief an "Liebe Freunde und Mitbürger?" Gut, neu ist tatsächlich, dass man ihr dieses Mal fast danken möchte, weil es den absolut richtigen Tele-Phrasenstanzer erwischt hat.

Nein, gemeint ist der eine kleine Halbsatz von Montag, der zwar im falschen Kontext fiel, aber für sich genommen an Weisheit kaum zu überbieten ist. Verleiht er doch der so schlichten, wie richtigen Erkenntnis Ausdruck,

Philipp Rösler:
"Dass man Dummheit nicht verbieten kann."

Dummheit muss man leider aushalten, jeden Tag aufs Neue, wofür dieser Nebensatz - ausgesprochen in Zusammenhang mit dem NPD-Verbotsantrag - gleich selbst ein Beispiel ist. Aber man kann Dummheit nicht nur nicht verbieten, sondern manchmal nicht mal richtig dingfest machen. 50 beziehungsweise 20.000 Cash für die Straffreiheit eines Altbundespräsidenten? Aber Dealerei hinter Gerichtsmauern ist erlaubt, sagen die Karlsruher, immerhin bedeutet straffrei nicht unschuldig, ein Makel wird also bleiben, der aber sicher verblasst mit der Zeit. Wie sein Träger schon jetzt. Dessen Nachfolger übrigens muss aufpassen, dass ihm nicht schon bald Ähnliches passiert. Ein ganzes Jahr, in Worten: Zwölf Monate lang im höchsten Amt des Staates verstreichen lassen, ohne groß auffällig zu werden und mal gehörig auf den deutschen Tisch zu hauen? Zum Beispiel mit einem stimmgewaltigen Auftritt an der doch so symbolträchtigen East Side Gallery? Aber nein, da lässt der freundliche Freiheitsprediger aus dem Bellevue einem amerikanischen Schunkelbarden den Vortritt. Okay, ist nett gemeint, der droht schließlich sonst auch in Vergessenheit zu geraten.

Oder hat Herr Gauck gedacht, wenn die Mauer schon 1989 Hasselhoffs Singsang nicht standhalten konnte, ist sein Comeback diese Woche auch die einzige Chance, geschichtsignorante Investorenbirnen samt Abrissgerätschaften zu verjagen? Wenn das funktioniert, könnte David bitte noch ein Liedchen anstimmen: I'm looking for springtime. Denn dieser Frühling da draußen benimmt sich so zurückhaltend und bescheiden wie der neue Papst. Statt sich das farbenfrohe Outfit - blaues Band, rotes Schuhwerk et cetera - überzustreifen, verzichtet er auf jeglichen Firlefanz und verschwindet lieber in einer weißlich-grauen Unscheinbarkeit.

Philipp Rösler:
"Man kann Dummheit nicht verbieten."

Aber doch immerhin nachträglich korrigieren, wie die ARD gestern Abend: nach der verpieften Jahresabschlussbilanz der deutschen Musikindustrie mit Showprogramm nach Verkaufszahlen namens Echoverleihung sprang Beckmann all jenen helfend zur Seite, die die drei Stunden tapfer durchgehalten haben. Thema seines Talks war: Leben mit Depressionen.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Corso

Bud SpencerFür immer die linke Hand des Teufels

Terence Hill und Bud Spencer (r.) in dem erfolgreichen Italo-Western "Vier Fäuste für ein Hallelujah" (1971)

Seinen Namen hat er nur, weil er sich mit seinem richtigen Namen nicht lächerlich machen wollte - und weil er Bier mag: Der Schauspieler Bud Spencer, der eigentlich Carlo Pedersoli heißt und nie ein Filmstar sein wollte. Doch die Rolle des mürrischen, aber gutherzigen Haudrauf ist er nicht mehr losgeworden. Nun wird er 85.

Is was!? Der satirische Wochenrückblick

Thomas Freitag 40 Jahre auf der Bühne

Serie "The Leftovers" Leben in der post-apokalyptischen Gesellschaft

C/O Berlin im Amerika HausAus dem Dornröschenschlaf erwacht

C/O Berlin, Amerika Haus

Die Fotogalerie C/O Berlin ist umgezogen: vom ehemaligen Postfuhramt ins Amerika Haus. Zur Wiedereröffnung im geschichtsträchtigen neuen Domizil präsentieren die Ausstellungsmacher unter anderem Bilder von "Magnum"-Fotografen und Nachkriegsaufnahmen von Will McBride.

"Tough Love" - das neue Album von Jessie Ware