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StartseiteTag für TagIslamisten terrorisieren weitere Länder in Westafrika02.07.2013

Islamisten terrorisieren weitere Länder in Westafrika

Nach der Militärintervention in Mali ziehen die Extremisten weiter

Islamistische Gruppierungen wie Boko Haram oder Ansar Dine haben Mali terrorisiert. Nun leiden auch Staaten wie Burkina Faso, Niger oder Nigeria unter dem Terrorismus. Denn nach der französischen Militärintervention in Mali sind viele der Islamisten in die Nachbarländer ausgewichen.

Von Katrin Gänsler

Nigerianisches Militär patroulliert im Norden des Bundesstaats Bornos auf der Suche nach der Terrorgruppe Boko Haram (AFP/Quentin Leboucher)
Nigerianisches Militär patroulliert im Norden des Bundesstaats Bornos auf der Suche nach der Terrorgruppe Boko Haram (AFP/Quentin Leboucher)

Es gilt als wahrscheinlich, dass nach der französischen Militärintervention in Mali ein Teil der Islamisten in die Nachbarländer geflüchtet ist. In Nigeria hat sich Boko Haram zu einer Reihe von Anschlägen bekannt. Im Niger starben bei Angriffen Dutzende Menschen. Burkina Faso blieb bislang vor Anschlägen verschont. Aber auch hier geht die Angst um.

Es ist Samstagmittag in Bobo-Dioulasso, der zweitgrößten Stadt in Burkina Faso. Die knapp 200 Mädchen und Jungen, die die private Schule Ansar Dine besuchen, freuen sich auf das Wochenende. Bevor das beginnt, singen sie noch einmal ein Lied. Ganz selbstverständlich singen sie auf Französisch, der offiziellen Sprache des westafrikanischen Landes, und nicht auf Arabisch. Die Grundschule ist zwar privat und trägt den Zusatz "islamisch". Trotzdem richtet sie sich nach dem staatlichen Lehrplan. Und nicht nur das, erklärt Schulleiter Daouda Traoré:

"Hier gibt es Christen, alle Konfessionen sind vertreten. Katholiken zum Beispiel und auch jene, die gar keiner Konfession angehören. Wir nennen sie Animisten. Wir sind offen für alle. Allerdings beginnt hier um 16 Uhr das Gebet für die Muslime. Aber wir zwingen keinen Christen, daran teilzunehmen, nein!"

Trotzdem hat es in den vergangenen Monaten viele Gerüchte über die Schule gegeben. Denn sie trägt denselben Namen wie die islamistische Gruppierung Ansar Dine - übersetzt heißt das "Verfechter des Glaubens" -, die den Norden Malis zehn Monate lang besetzte. Bekannt wurde sie durch eine besonders radikale und brutale Auslegung der Scharia. Hinter Ansar Dine, die Schulen und Krankenstationen betreibt und 1992 gegründet wurde, verbergen sich laut Salakata Salamatao jedoch keine radikalen Islamisten. Er ist der Präsident von Ansar Dine im Burkina Faso:

"Unsere Gruppe Ansar Dine ist wirklich etwas anderes als Ansar Dine im Norden Malis. Unsere Gruppe gibt es in 25 Ländern. Wir unterstützen die Menschen und erklären ihnen den Islam. Aber wir foltern die Menschen doch nicht oder fügen ihnen Schaden zu."

Dennoch hat es gerade in Mali, aber auch in der burkinischen Hauptstadt Ouagadougou immer wieder viele Gerüchte über die Stadt Bobo-Dioulasso gegeben: Mehrfach hatte es geheißen: Nun breiten sich auch dort die radikalen Islamisten aus. Sogar Schilder hätten die Islamisten aufgestellt, um Werbung für sich zu machen. Die Stadt liege schließlich dicht an der malischen Grenze.

All das zeigt, wie sehr die Situation in Mali auch die Nachbarländer beeinflusst. In Bobo-Dioulasso hat sich Schulleiter Daouda Traoré, der früher an staatlichen Schulen arbeitete, deshalb für einen radikalen Schritt entschieden. Aus Sicherheitsgründen will er keine Werbung mehr für seine Schule machen:

"Wir haben immer gesagt, Ansar Dine im Norden Malis und wir: Das sind zwei verschiedene Dinge. Aber wir hatten Angst. Gemeinsam mit den Verantwortlichen haben wir entschieden, die Schilder abzunehmen."

Auch der burkinische Ansar-Dine-Chef Salakata Salamatao hat diese Entscheidung befürwortet. Er hofft: Damit kehre nun langsam wieder Ruhe ein. Doch das könnte noch dauern. Schließlich habe die Namensgleichheit für die Islamisten in Mali nur ein Ziel gehabt, sagt Salakata Salamatao:

"Dass sie den gleichen Namen ausgewählt haben, damit wollten sie unseren Namen doch in den Dreck ziehen. Sie wissen doch, wie wir arbeiten. Das haben sie nur gemacht, um unseren Namen kaputtzumachen."

Trotz der Angst ist Burkina Faso bisher noch von Anschlägen verschont geblieben. Anders als Nigeria. Dort kündigte die islamistische Gruppierung Boko Haram bereits im Januar und somit wenige Tage nach Beginn der französischen Militäroffensive gegen die Islamisten eine ganze Reihe von Angriffen an. Und Boko Haram hielt Wort: In den vergangenen Monaten starben Hunderte Menschen in Afrikas einwohnerstärkstem Staat. Ende Mai bekannte sich im Niger die Gruppierung MUJAO, die Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika, zu einem Doppelanschlag auf die Uranmine und eine Militärbasis im Nachbarland Niger. Auch dort gab es mindestens 23 Opfer. In Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, beobachtet deshalb jetzt auch Moussa Nombo die Entwicklung ganz genau. Er ist Präsident von "CERFI", einer Organisation, die er als einen Zusammenschluss von intellektuellen Muslimen im Land beschreibt.

"Die Situation in Mali kann unser Land natürlich beeinflussen. Es ist schließlich ein Nachbarland. Wir haben eine gemeinsame Grenze. Es gibt malische Flüchtlinge. Andererseits denke ich, dass wir die Akteure in der malischen Gesellschaft kennen. Wir haben Kontakte. Und das sind nicht jene, die sich im Norden befinden."

Dennoch ist es wahrscheinlich, dass seit Beginn der französischen Militärintervention in Mali im Januar zumindest ein Teil der Islamisten in die Nachbarländer und damit auch nach Burkina Faso geflüchtet ist. Aus den Städten Gao und Timbuktu gelten sie als vertrieben. Außerdem wurde nie bekannt, dass bei Kämpfen zwischen der französischen Armee und den Besetzern eine große Anzahl von Islamisten ums Leben gekommen ist. Alexandre Ouedraogo, Präsident der nicht staatlichen Organisation "Bewegung von Burkina Faso für soziale Gerechtigkeit", schätzt deshalb:

"In der Tat gibt es viele Islamisten, die in Burkina Faso Unterschlupf gefunden haben. Das verunsichert uns sehr. Wir Bürger fordern deshalb den Staat auf, sehr aufmerksam zu sein."

Doch ob er das tatsächlich ist? Positiv könnte für Burkina Faso sein, dass Präsident Blaise Compaoré im Mali-Konflikt mehrfach als Mediator fungiert hat. Ende des vergangenen Jahres lud er sogar die nordmalische Ansar Dine an den Verhandlungstisch. Dafür gab es viel Kritik. Dennoch ist Alexandre Ouedraogo nicht sicher, ob auch Burkina Faso zum Anschlagziel werden könnte.

"Auch für uns ist das ein bisschen gefährlich. Man kann ja nie sagen, wer Islamist ist und wer nicht. Und alle Ausländer sind sicherlich keine Islamisten."

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