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Israel blickt besorgt auf Syrien

Golan-Höhe gerät in den Fokus der Entwicklung

Von Torsten Teichmann

Waffenstillstandslinie zwischen Israel und Syrien auf den Golan-Höhen
Waffenstillstandslinie zwischen Israel und Syrien auf den Golan-Höhen (AP Archiv)

Offiziell möchte die israelische Politik den Sturz des Assad-Regimes. Aber die Situation ist in der Realität deutlich komplexer: Auf dem annektierten Gebiet der ehemals syrischen Golan-Höhen schwanken die Bewohner zwischen Unterstützung und Ablehnung des Assad-Regimes - der Riss geht durch Familien.

Verteidigungsminister Ehud Barak blickt mit einem Militärfernglas über die Grenzlinie in Richtung Syrien. Was die mitgereisten Journalisten zum Teil nur hören, kann er von einem Bunker aus auch sehen. Die Kämpfe haben die syrische Provinz Al-Kuneitra erreicht.

"Man sieht Panzer, Artillerie und Kampfhubschrauber im Einsatz gegen die syrische Bevölkerung. Geschickt von der eigenen Regierung. Was wir hören, sind dumpfe Explosionen von Mörsergranaten auf der syrischen Seite. Und die Staatengemeinschaft scheint unfähig einzugreifen. Sie können sich nicht einigen. Noch bringen sie ihre politischen Kräfte zusammen, um zuhandeln."

Israel dagegen sei vorbereitet – wie auch immer der Konflikt in Syrien endet. Diese einfache Nachricht soll der Besuch des israelischen Verteidigungsministers wohl transportieren. Doch die Lage ist komplizierter. Gerade auf dem Golan, entlang der Grenzlinie. Hier leben syrische Drusen und israelische Juden. Und sie alle verfolgen seit Monaten den blutigen Konflikt in Syrien. Der Aufstand gegen das Assad-Regime hat beinahe wörtlich ihre Haustüren erreicht.

Der Apotheker Randi besitzt einen alten, blauen, syrischen Pass und ein Porträt des syrischen Präsidenten Bashar Al Assad. Auf beides ist der 50-Jährige immer noch stolz. Gästen hält er Bild und Pass gern entgegen. Kurz Randi macht kein Geheimnis daraus, wem seine Sympathie gilt: Präsident Assad wehre sich gegen Moslembrüder und Terroristen, sagt das syrische Fernsehen. Und so sagt es auch der Apotheker Randi.

"Die Terroristen töten Menschen, fotografieren diese, verschicken die Bilder und sagen, das syrische Militär sei dafür verantwortlich. Wenn das syrische Militär Menschen töten möchte, dann lässt es die Leichen doch nicht liegen und macht davon Fotos. Es würde doch dann die Leichen verschwinden lassen, oder?"

Randi ist überzeugt, er glaubt - aber die Wahrheit kennt auch er nicht. Denn er lebt nicht mehr in Syrien. Seine Apotheke steht auf den Golanhöhen, im Dorf Madschd al Shams - genau an der Waffenstillstandslinie. Der Golan ist ein ehemals syrisches Gebiet, das Israel seit 45 Jahren kontrolliert. Der Apotheker ist Druse - einer von 20.000 auf dem Golan.

Randi hat ein rundes Gesicht, kurze graue Haare und einen grauen Schnurrbart. Ein trägt eine große Brille mit Metallgestell und einen weißen Kittel. Seine Worte sind voller Stolz.

"Ich definiere mich als Araber. Ich bin syrischer, moslemischer, drusischer Araber. Das Drusische stellt einen Teil des Islam dar. Das Drusische ist der wertvollste Teil des Islam."

Doch mehr noch als die Frage der eigenen Identität beschäftigt die Menschen auf dem Golan der blutige Aufstand in Syrien. Es gibt Anhänger und Gegner des Assad-Regimes. Der Riss geht wohl auch durch Familien. Nur wenige sind bereit, darüber zu sprechen. Damaskus liegt keine 70 Kilometer entfernt. Und die Ereignisse stellen die Gemeinschaft auf dem Golan auf eine harte Probe.

In dem kleinen Zimmer hinter dem Geschäft zeigt Randi auf den Bildschirm seines Computers. Davor stehen Stühle, noch ein Tisch und an einem Ende des Raumes führt der Weg ins gut sortierte Lager der Apotheke. Ein alter Fernseher zeigt das syrische, staatliche Programm mit einer Straßenumfrage aus Damaskus. Aber seinen Gästen will Randi im Frühjahr auf dem Computer einen deutschen Film zeigen, einen Fernsehbeitrag mit Untertiteln, den er aus dem Netz gezogen hat.

Es geht darum, wie schwierig es für Journalisten ist, aus und über Syrien zu berichten. Wie schwierig es ist, Opferzahlen, Berichte über Massaker und Folter zu bestätigen oder zu dementieren. Jetzt glaubt der Apotheker, er habe seinen Gast überzeugt. Aber bei Randi kommt nicht jedes Detail des Beitrags an. Vielleicht liegt es an der Übersetzung. Jedenfalls fühlt sich Randi in seiner Sicht bestätigt. Das heißt, die arabischen Nachrichtensender und der Westen streuen Gerüchte und lügen:

"Das ist alles nur Show und nicht echt. Das geschieht alles im Fernsehen. Gerade mal fünf Prozent von dem, was im Fernsehen berichtet wird, ist wahr. Unruhestifter, Drogenhändler und Kriminelle, die aus den Gefängnissen geflohen sind, wurden eingesammelt, ausgebildet und bewaffnet, um in Syrien für Unruhen zu sorgen, das ist alles. Sie sind Terroristen, sie sind Salafisten, so wie Al Qaida. Die Armee beschützt die Menschen, die syrische Armee verfolgt diese Terroristen. Das ist auf der ganzen Welt so üblich, dass die Armee die Gesetzesbrecher verfolgt. Warum sollte das in Syrien verboten werden?"

Der Konflikt zwischen den Menschen in Madschd al-Shams ist ein Streit über die richtigen Bilder, über die richtige Haltung und über die Frage, auf die niemand eine Antwort findet: Wer kann die Gewalt noch stoppen? Eine Demonstration im Frühjahr, die als Unterstützung für den Aufstand in Syrien gedacht war, haben Assad-Anhänger des Dorfes blockiert und beendet. Damals kam zum ersten Mal ans Licht, dass nicht alle so denken, wie der Apotheker Randi.

"Sagen wir, dass unter den Einwohnern zehn Prozent Assad-Gegner sind. Diese zehn Prozent bestehen aber fast ausschließlich aus kleinen Kindern, die 17, höchstens 20 Jahre alt sind. Sie kennen Syrien nicht und haben von Politik keine Ahnung."

Im Bergdorf Madschd al Shams gibt es auch Kritiker, die keine Kinder mehr sind. Wael zum Beispiel ist über 30 Jahre alt. Noch sind es wenige, die sich trauen, laut etwas sagen. Viele haben Sorge um Familienangehörige, die in Syrien leben, so heißt es immer wieder. Womöglich gibt sich auch der Apotheker Randi aus Furcht besonders überzeugt von Bashar Al Assad. Wael würde das sicher nicht ausschließen:

"Menschen werden von ihrer Angst beherrscht. Wenn sie merken, dass die Mauer des Schreckens in Syrien fällt, dann werden sie sich vielleicht freier äußern zu diesen Dingen."

Der Künstler empfängt seine Gäste in einer Galerie. Es ist das Erdgeschoss eines Hauses. Wael trägt ein beiges Hemd und darunter ein weißes T-Shirt. Wenn er lächelt, werden seine Augen noch kleiner. Er wirkt müde und mitgenommen. Hinter ihm stehen Porträts von israelischen Politikern. Die Ausstellung wechselt gerade. Im Frühjahr hingen syrische Karikaturen an den langen weißen Wänden. Keine Originale, sondern Ausdrucke aus dem Internet. Doch jetzt sind die Zeichnungen längst verpackt und werden an einem anderen Ort gezeigt. Über das Internet informiert sich Wael auch über die Lage in seiner Heimat. Auch er bezeichnet Syrien als seine Heimat. Er glaubt an den Aufstand der Opposition, er verfolgt Nachrichten bei Facebook, auf Blogs, Internetseiten und zum Vergleich auch im syrischen Fernsehen:

"Die Brutalität des Regimes kennt keine Grenzen. Jeder Versuch, eine Lösung zu finden, wird zum Anlass genommen, noch mehr Menschen zu töten, zu verhaften – zum Anlass genommen, den Aufstand niederzuschlagen. Auf der anderen Seite versucht die ganze Welt, eigene Interessen in Syrien durchzusetzen."

Menschen wie Wael fühlen sich verraten und alleingelassen. Die internationale Gemeinschaft hat Monate gebraucht, um sich in New York auf eine UN-Resolution zu verständigen. Die Beobachtermission der Vereinten Nation in Syrien berichtet über Massaker, kann aber keine neuen Übergriffe verhindern. Wael zumindest ist in Sicherheit und kann seine Meinung sagen – selbst, wenn andere Drusen das immer noch nicht hören wollen.

Er gerate in eine ganz schwierige Situation, sagt er, bevor die Gäste gehen. Im Vergleich zur Brutalität des Assad-Regimes wirke die israelische Besatzung des Golans derzeit wie ein Spaziergang. Und: Die Besatzung durch Israel garantiere ihm die Redefreiheit. Wael wirkt, als wisse er nicht, ob er sich als Syrer dafür schämen oder bedanken soll.

Die Interessen der israelischen Politik sind die zweite Seite dieser Geschichte. Präsident Peres hat immer wieder vor einem weiteren Blutvergießen in Syrien gewarnt und eine friedliche Lösung angemahnt. Außenminister Liebermann erklärte, er wolle den Aufständischen Hilfsgüter schicken. Und Verteidigungsminister Barak sagte bereits im vergangenen Jahr einen Sturz des Assad-Regimes voraus:

"Die Assad-Familie verliert an Halt und wird fallen. Ich weiß nicht, ob es in ein paar Wochen geschieht oder in ein paar Monaten. Aber die Familie steigt nicht wieder auf, nach den Massakern an der eigenen Bevölkerung. Wenn Assad stürzt, ist das ein Problem für die Achse mit Iran. Und auch die Hisbollah im Libanon wird geschwächt."

Aber zur Wahrheit gehört auch, dass die israelische Regierung den Machtwechseln in der Region höchst skeptisch begegnet. Die strategischen Koordinaten verändern sich. Der arabische Frühling sei ein islamischer Winter, ist immer wieder in Israel zu hören. Welche Folgen hätte der Untergang des Assad-Regimes in Damaskus?

Yossi ist Israeli und er lebt seit über 30 Jahren auf dem Golan. Streng genommen ist er ein Siedler auf syrischem Gebiet, denn dass Israel den Höhenzug Anfang der 80er annektiert hat, wurde international nie anerkannt. Der Kibbutz, zu dem sein Haus gehört, heißt Ein Ziwan. Die Bewohner bewirtschaften eine der größten Obstplantagen des Landes. Yossi führt durch die Bäume, lange Reihen von knochigen Stämmen neben neuen Pflanzen mit frischen Trieben. Der Boden ist dunkel und fruchtbar. Denn der Golan war ein vulkanisches Gebiet. Davon zeugen auch die Bergkegel in der Landschaft.

Auf einem Feld setzen thailändische Gastarbeiter neue Bäume. Ihre Arme, die Beine und das Gesicht sind fast völlig bedeckt. Als Schutz gegen die Sonne. Blass gelte als vornehm, sagt Yossi auf dem Weg vom Kibbutz zur Grenzlinie. Am Ende der Fahrt ist die zerstörte syrische Stadt Kuneitra nur noch einen Steinwurf von den Bäumen der Israelis entfernt:

"Wir sind der Kibbutz, der der syrischen Grenze am nächsten ist. Hier seht ihr alle unsere Obstbäume. Wir haben fast 270 Hektar Obstplantagen. Wir haben Äpfel, Nektarinen, Kirschen, Reben und Birnen. Wir erzeugen zirka 4000 Tonnen Äpfel jährlich, das heißt, wir sind der größte Betrieb landesweit. Man sieht, dass unsere Obstbäume ganz dicht an der Grenze stehen. Und da sitzt der Beobachter der Vereinten Nationen inmitten unserer Plantagen."

Die Beobachter der Vereinten Nationen kontrollieren die Waffenruhe auf dem Golan. Denn einen Friedensvertrag zwischen Israel und Syrien gibt es nicht. Technisch befinden sich beide Länder weiter im Krieg. Die israelische Armee hatte den Höhenzug im Sechs-Tage-Krieg 1967 erobert. Vor 31 Jahren annektierte Israel das Gebiet. Alle Versuche, zu einem Ausgleich zu finden, sind gescheitert. Es gibt in Israel den chauvinistischen Ausspruch: Die Syrer dürften nie wieder die Beine in den See Genezareth halten. Die alte Grenze vor 1967 ist demnach keine Verhandlungsgrundlage.

"Die heißeste Zeit, in der sie wirklich über eine Rückgabe des Golans gesprochen haben, war unter Ministerpräsident Rabin. Keine besonders angenehme Zeit. Die Regierung sprach die gesamte Zeit über von zurückgeben, zurückgeben, zurückgeben. Aber sie müssen verstehen, dass die Menschen hier schon seit zwei Generationen leben. Kinder wurden geboren. Ich habe das Gefühl, dass wir hier zu Hause sind, dass wir in Würde leben. Aber die in der Regierung haben kein Problem, den Finger zu heben und zu sagen: Leute, packt Eure Sachen, wir machen jetzt Frieden. Das geht doch so nicht. Verstehe mich, ich will den Frieden auch. Ich wünschte, ich könnte am Shabat das Auto nehmen, nach Damaskus fahren, Humus essen und zurückkommen."

Yossi führt an der Basis der Vereinten Nationen hinunter zur Waffenstillstandslinie. Für Israelis ist das die Grenze, kontrolliert von der Armee. Nur UN-Fahrzeuge können den Übergang passieren.

"Israel hat den gesamten Grenzzaun erneuert und verstärkt. Keine Chance, dass da jetzt jemand rüberkommt. Hier auf unserer Seite ist nur ein Graben. Dann kommt der Zaun. Gleich hinter dem Zaun ist ein riesiger Graben, zirka drei bis vier Meter breit, der mit etwa acht Schichten Stacheldraht gefüllt ist. Wer da reingeht, der begeht Selbstmord. Der Zaun ist elektronisch gesichert, das heißt, jeder der ihn berührt, löst Alarm aus. Die Armee weiß dann sofort, an welcher Stelle und kommt sofort."

Im Mai 2011 spielten sich an dieser Stelle dramatische Szenen ab. Bei einer palästinensischen Demonstration auf der syrischen Seite, stürmten Protestierende die Grenzanlage. Einige rannten bis in das Dorf Madschd Al Shams. Die israelische Armee war überfordert oder schlecht ausgebildet. Soldaten eröffneten jedenfalls das Feuer. 14 Menschen kamen ums Leben. Wenige Wochen später wiederholte sich die Szene – wieder Tote und Hunderte Verletzte. Seitdem hat Israel auch diese Grenzlinie mit einem Zaun und High-Tech versehen. Israels Verteidigungsminister Barak will die Tore auf jeden Fall geschlossen halten. Ganz gleich, wie sich die Situation auf der syrischen Seite zuspitzt.

"Hier auf den Golan-Höhen beobachten wir vor allem die Möglichkeit einer Flüchtlingswelle. Sie klopfen bereits an die Türen unsere Nachbarn. In der Türkei gibt es mehrere 100.000 Flüchtlinge. Sie haben bisher entschieden, nicht zu uns zu kommen. Aber sollte das syrische Regime stürzen, könnte das anders werden. Wir erinnern uns an die Ereignisse des vergangenen Jahres. Wir sind alarmiert und haben unsere Lektion gelernt. Die Truppe hier ist bereit. Und wenn wir eine Welle von Flüchtlingen stoppen müssen, dann stoppen wir sie."

Das heißt: Der israelische Verteidigungsminister, der von Massakern in Syrien spricht und die internationale Gemeinschaft beschuldigt, nicht handlungsfähig zu sein, will auf keinen Fall Flüchtlinge aus Syrien auf den Golan lassen. Dieser Widerspruch zeigt vielleicht, wie verunsichert die Regierung in Jerusalem auf den Wandel reagiert. Die Frage der Flüchtlinge ist nur ein Punkt. Israel hat Angst, der Nachbar Syrien könnte nach dem Sturz der Familie Assad noch tiefer in einen Bürgerkrieg rutschen. In der Folge wäre die Regierung in Damaskus unter Umständen nicht mehr in der Lage, die syrische Seite des Golans zu kontrollieren. So lautet ein Szenario. Es drohe eine ähnliche Situation wie auf dem Sinai, in Ägypten.

Eine weitere Sorge sind die großen Lager mit chemischen Waffen, die Bashar Al-Assad und zuvor dessen Vater angelegt haben sollen. Wie soll Israel reagieren, wenn Gruppen wie die Hizbollah versuchen, militärisches Gerät in ihre Hände zu bekommen? Soll Israel dann seine Armee auf syrischem Gebiet einsetzen? Die Unsicherheit ist groß, weil auch Israel sich auf Assad verlassen hatte. Auch Yossi sieht sich getäuscht:

"Was Assad macht, ist schlicht Völkermord. Aber, bei allem Bedauern, habe ich auch mein persönliches Interesse im Blick. Ich ziehe es vor, dass Assad an der Regierung bleibt, damit die Grenze ruhig bleibt. Denn seit die Familie Assad an der Regierung ist, ist die Grenze hier absolut ruhig. Ich bin seit 32 Jahren hier - nichts. Mein Herz ist mit den Bürgern Syriens - wirklich. Aber ich will mich auch selbst sicher fühlen."

An dieser Stelle macht Yossi den Eindruck, als wisse er nicht, wie er sich aus diesem Widerspruch befreien kann. Er will Frieden, aber er hat noch mehr Angst um seine eigene Sicherheit. Die dünnen, langen, schwarzen Haare mit einem Gummiband zum Zopf zusammengehalten, sitzt er vor einem Container, der zwischen den Obstbäumen steht. Yossis erwachsener Sohn kommt kurz dazu. Er arbeitet auch mit auf den Plantagen der Kibbutz-Gemeinde. Es gibt Tee. Yossi erzählt später, sein Sohn habe 2008/ 2009 in der Golan-Brigade gedient. Das heißt, er war während des Gaza-Krieges im Einsatz. Im Kampf gegen Palästinenser. Der Junge erzähle nichts, sei verändert zurückgekehrt. Yossi sagt, er traue sich nicht mehr, ihn danach zu fragen.

Die Menschen auf dem Golan sind vorsichtig. Sie warten ab. Drusen haben Sorge um ihre Verwandten in Syrien und stellen sich deshalb nicht öffentlich gegen Assad. Israelis, wie Yossi, erkennen, dass der Staat eine neue Strategie braucht. Aber welche soll das sein? Die Lage ist kompliziert. Nur für den Apotheker Randi scheint die Welt noch geordnet. Beim Besuch im Frühjahr beschwor er sogar, nur einer sei in diesem Konflikt im Recht: Präsident Bashar Al-Assad.

"Assad wird bleiben. All diese Verbrecher müssen nach Damaskus zurückkehren und Assad die Füße küssen. Denn Assad ist die Realität. Er ist der beste Führer. Er beschützt sein Volk und bekämpft die Terroristen."

Auch Randi wird eher früher als später im Hinterzimmer seiner Apotheke die Welt neu ordnen müssen. Wie sie ausschauen wird, das wagt keiner in diesen dramatischen Tagen zu sagen.

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