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Seit 02:05 Uhr Kommentar
StartseiteInformationen am MorgenDie Suche nach dem Attentäter geht weiter04.01.2016

IsraelDie Suche nach dem Attentäter geht weiter

In Tel Aviv herrscht weiter Verunsicherung: Der Attentäter, der am Wochenende in einer Bar zwei Menschen erschossen hatte, ist immer noch auf der Flucht. Die Sicherheitsmaßnahmen in der Stadt bleiben erhöht. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nutzte die Vorfälle derweil für Hetze gegen die israelischen Araber.

Von Peter Kapern

Kerzen für die Opfer: Die Menschen in Tel Aviv trauern um die zwei bei einem Attentat im Januar 2016 auf eine Bar verstorbenen Menschen. (Daniel Bar-On / AFP)
Kerzen für die Opfer: Die Menschen in Tel Aviv trauern um die zwei bei einem Attentat im Januar 2016 auf eine Bar verstorbenen Menschen. (Daniel Bar-On / AFP)

Zwei Menschen sind tot, der Täter ist geflüchtet - und Tel Aviv fühlt sich verunsichert. Irgendwo im Stadtgebiet könnte sich Nashat Melchem, ein israelischer Araber, versteckt haben. Möglicherweise in einem der nördlichen Stadtteile. Dort hatte es am Freitag einen weiteren Mordfall gegeben, bei dem ein Taxifahrer erschossen wurde. Ob es einen Zusammenhang beider Schießereien gibt, ist nicht bekannt. Die Polizei hat eine Nachrichtensperre verhängt. Tausende Sicherheitskräfte durchstreifen die Stadt. Allerdings nicht mehr mit gezogener Waffe wie in den ersten Stunden nach dem Anschlag. Die Verunsicherung der Menschen soll nicht noch angefacht werden. Der Albtraum der Polizei wäre es, wenn der Gesuchte noch einmal um sich schießen oder gar Geiseln nehmen würde. Und diese Furcht macht sich auch bei den Bürgern bemerkbar, die zögerlicher als sonst zum Alltagsleben zurückkehren, wie dieser junge Mann beschreibt:

"Man sollte einfach so weiter machen wie bisher. Aber ich habe Angst. Alle Leute in der Stadt haben Angst. Und deswegen gehen auch viel weniger Leute raus als sonst."

Bürger weiter besorgt

Vor allen Schulen und Kindergärten waren gestern bewaffnete Wachen zu sehen. Doch das beruhigte die Eltern offensichtlich nicht. Im Norden der Stadt, wo der Attentäter möglicherweise das letzte Mal gesehen worden ist, ging gestern nur jeder zweite Schüler zum Unterricht. Und auch Ministerpräsident Netanjahu gelang es nicht, die Sorgen der Bürger von Tel Aviv zu lindern. Am Rande der gestrigen Kabinettssitzung unterstrich er noch einmal, mit welch hohem Einsatz nach dem Attentäter gefahndet wird:

"Das Militär, der Shin Bet und die Polizei setzen die Suche nach dem Mörder von Tel Aviv fort. Sie unternehmen wirklich alles denkbare, mit viel Personal, mit einer pausenlosen Aufklärung. Und auch mit der Hilfe der Bürger, die wachsam und verantwortungsvoll handeln."

Zeitungen kritisieren Netanjahu

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu besucht am 2. Januar 2016 den Anschlagsort in Tel Aviv. (dpa/picture alliance/Heidi Levine / Pool)Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bei seinem Besuch am Anschlagsort. (dpa/picture alliance/Heidi Levine / Pool)

Ob auch der Regierungschef verantwortungsvoll handelt, das haben viele Kommentatoren am gestrigen Sonntag in Zweifel gezogen. Samstag Abend war Netanjahu nach Tel Aviv gekommen. Dort hatte er den Tatort besichtigt und dann ein martialisches Statement abgegeben. Eines, das klar gegen die arabischen Israelis gerichtet war. Es gebe Enklaven der Rechtlosigkeit in Israel, mit islamistischer Propaganda, vielen Waffen und permanentem Verbrechen. Überall dort, wo das der Fall sei, werde er das Recht durchsetzen. Und dann fügte der Regierungschef hinzu: Wer Israeli sein wolle, der müsse es ganz und gar sein. In den Zeitungen wurde Netanjahu für dieses Statement gestern scharf angegangen. Er habe damit die israelischen Araber wieder einmal als Fünfte Kolonne gebrandmarkt. Und es wurde die Frage aufgeworfen, warum Netanjahu in seinen vielen Regierungsjahren die angebliche Rechtlosigkeit in Teilen Israels nicht längst beseitig habe. Als Netanjahu in Tel Aviv auftauchte, da hatten arabische Knesset-Abgeordnete längst ihr Entsetzen über die Bluttat geäußert, ebenso wie der Stadtrat von Wadi Ara, der Heimat des Attentäters. Und nicht zuletzt hatte dessen Vater die Polizei darüber informiert, dass er seinen Sohn auf den Bildern einer Überwachungskamera am Tatort in Tel Aviv erkannt hatte. Und dennoch - so schreibt der Kolumnist der Tageszeitung Haaretz, habe Netanjahu seinen Auftritt in Tel Aviv genutzt, um gegen die israelischen Araber, immerhin ein Fünftel der Bevölkerung, zu hetzen.

 

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