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StartseiteInformationen am MorgenNetanjahus eigenartiger Wahlkampf13.03.2015

Israel vor der WahlNetanjahus eigenartiger Wahlkampf

Weniger als eine Woche noch, dann stellt sich Benjamin Netanjahu in Israel zur Wiederwahl. Seine Wahlkampfauftritte sind schwierige Unterfangen, Journalisten sind nicht eingeladen. Und obwohl viele Menschen Stammwähler von Netanjahus Likud-Partei sind, scheint der Regierungschef den Bürgern fern zu sein.

Von Torsten Teichmann

Wahlkampf in Israel: am 17.3. wird gewählt
Wahlkampf in Israel: am 17.3. wird gewählt
Weiterführende Informationen

Parlamentswahl in Israel - Alle blicken auf Netanjahu
(Deutschlandradio Kultur, Weltzeit, 12.03.2015)

Israel - Banger Blick voraus
(Deutschlandfunk, Informationen am Morgen, 10.03.2015)

Israel vor der Wahl - "Ein sehr merkwürdiger Wahlkampf"
(Deutschlandfunk, Tag für Tag, 09.03.2015)

In Jerusalem absolviert Regierungschef Netanjahu einen seiner wenigen öffentlich Wahlkampfauftritte. Journalisten sind dazu nicht eingeladen. Netanjahu mag sie nicht. Der Chefredakteur des israelischen Radiosenders Reshet Bet Yoav Krakowski mokiert sich über den eigenartigen Wahlkampf

"Ministerpräsident Netanjahu führt einen Wahlkampf unterhalb des Radarschirms der Presse. Schon seit langer Zeit, aber jetzt erreichen wir neue Höhen. Am Samstag eine Diskussion in einem Privathaus in Holon - die Presse ist nicht eingeladen. Am Sonntag eine Versammlung mit Frauen des Likud in Tel Aviv -keine Presse. Gestern ein Gang über den Markt in Jerusalem. Die Presse ist nicht eingeladen."

Allerdings stimmt das nicht ganz: Netanjahu pflegt ein enges Verhältnis zur kostenlosen Tageszeitung "Israel Heute", die der US-Milliardär Sheldon Adelson finanziert. Der Mann, der mit 100 Millionen Dollar versucht haben soll, die Wiederwahl von Präsident Obama zu verhindern. Neben Talent und Herkunft ist der US-Amerikaner eine der größten Stützen für Benjamin Netanjahu in Israel.

Schließlich tauchen doch Bilder vom Markt auf. Netanjahu geht durch die Gassen, entlang der Stände – dicht umringt von Leibwächtern.

"Ich freue mich, dass wir durch unsere entschiedene Politik Jerusalem die Sicherheit zurückgegeben haben. Dieser Markt wurde wieder zu einem Anziehungspunkt für viele Bürger, die ihn besuchen, so wie wir, mit Liebe und mit Freude."

Likud im Blut der Händler

Dann ruft Netanjahu noch, man solle Likud wählen. Eigentlich ein einfacher Termin. Viele der Händler sagen, Likud fließe in ihren Adern. Sprich, in der Familie habe man schon immer so gewählt. Aber Netanjahu wirkt auf sie entrückt, selbst wenn er Kaffee trinkt:

"Plötzlich sind Bibi und die Abgeordnete Miri Regev hier reingekommen. Er hat Cappuccino bestellt und mit einem 100 Schekel-Schein bezahlt. Da habe ich ganz bewusst 87 Schekel in Münzen rausgegeben. Denn während er jeden Tag über die iranische Bedrohung spricht, müssen wir Selbstständigen mit ein bisschen Kleingeld auskommen."

Wer den Anfängen des Politikers Benjamin Netanjahu nachgehen will, der muss nach Savyon fahren. Ein Vorort, eine halbe Stunde östlich von Tel Aviv gelegen.

Moshe Arens gilt als Netanjahus Entdecker. Der frühere Verteidigungsminister hat das einzige Café in Savyon, an einer kleinen Mall als Treffpunkt ausgesucht.

Netanjahus erste Aufgabe: Anliegen Israels verteidigen

Wie alles begann? Arens berief Netanjahu 1982 überraschend zum stellvertretenden Botschafter in Washington D.C.

"Ich habe ihn zur Nummer zwei in der Botschaft in Washington ernannt. Ich dachte, er ist ein talentierter junger Mann, der die Aufgabe gut erfüllen kann. Und ich habe mich nicht getäuscht. Die Aufgabe eines Botschafters ist es, die Anliegen Israels zu verteidigen. Mit Menschen zu sprechen, sie zu überzeugen. Wenn Du nicht überzeugend bist, dann verschwendest Du Deine Zeit und Du verschwendest die Zeit der anderen."

Aber wie stark überzeugt Netanjahu noch mit der ständigen Rede einer existenziellen Bedrohung für den Staat Israel. Kann er die anderen Sorgen der Bevölkerung damit auf Dauer ausblenden. Die sozialen Themen, die Folgen des Gazakrieges des vergangenen Sommers, die Probleme der religiösen jüdischen Israelis.

Die alles bestimmende Frage bei dieser Wahl ist: Wie hältst Du es mit Netanjahu? Es könnte eng werden für den Regierungschef.

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