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StartseiteKommentare und Themen der WocheEine Eskalation wird in Kauf genommen09.04.2018

Israels Angriffe in Syrien Eine Eskalation wird in Kauf genommen

Syrien und Russland haben Israel vorgeworfen, für den Raketenangriff auf eine syrische Militärbasis mit 14 Toten verantwortlich zu sein. Damit wachse die Gefahr des Eintritts in eine Eskalationsspirale und dass Israel in Syrien zur Konfliktpartei wird, kommentiert Tim Aßmann.

Von Tim Aßmann

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Der israelische Ministerpräsident Netanjahu vor einer Flagge seines Landes während einer Kabinettssitzung in Jerusalem. (dpa / AP Ronen Zvulun / Reuters Pool)
Ministerpräsident Netanjahu riskiert, dass Israel in Syrien zur Konfliktpartei wird. Er fürchtet, Israels Interessen werden keine Rolle spielen, wenn die wichtigsten Akteure in Syrien über eine Nachkriegsordnung verhandeln. (dpa / AP Ronen Zvulun / Reuters Pool)
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Dass sie es tun, ist nicht neu und dass sie es nur selten zugeben, auch nicht. Israel hat schon in den vergangenen Jahren immer wieder Ziele in Syrien angegriffen, dass offiziell allerdings nur äußerst selten eingeräumt, aber auch nicht empört aufgeschrien, wenn man beschuldigt wurde.

Aus Sicht der Regierung in Jerusalem reichte es lange, wenn die Adressaten der Botschaft wussten, von wem sie kam. Im aktuellen Fall aber, sollten auch noch andere aufmerksam werden.

Der jüngste Angriff, der offiziell nicht bestätigt wird, macht eine neue Linie Israels im Umgang mit dem Syrien-Krieg deutlich. In den vergangenen Jahren dienten Luftangriffe in dem Nachbarland vor allem dazu, Waffenlieferungen an die libanesische Hisbollah-Miliz zu unterbinden. Das waren Einsätze, die nicht bekannt werden sollten und es auch vielfach nicht wurden.

Luftschläge haben eine neue Qualität

Der aktuelle Luftschlag und einige andere in den vergangenen Monaten auch, haben eine neue Qualität und sorgen für mehr Aufmerksamkeit, die auch beabsichtigt ist. Angegriffen werden nun keine Lastwagen mit Waffen mehr, sondern militärische Einrichtungen, mal ein Forschungslabor, mal ein mutmaßlicher Kasernenkomplex für schiitische Milizen und nun - nicht zum ersten Mal - ein Luftwaffenstützpunkt.

Israel zieht rote Linien und versucht, diese mit den Angriffen deutlich zu machen. Waffenlieferungen an die Hisbollah sind eine solche Linie, die militärische Präsenz des Iran in Syrien, der Versuch Teherans, sich dauerhaft festzusetzen, ist es auch. Vom Setzen von Nadelstichen ist Israel aber nun mittlerweile zu Angriffen übergegangen, die der Angegriffene nicht ignorieren kann und damit wächst die Gefahr, dass aus dem Ziehen von roten Linien, der Eintritt in eine Eskalationsspirale und Israel in Syrien zur Konfliktpartei wird.

"Wir schauen nicht zu", das ist die Botschaft

Warum riskiert die Regierung Netanjahu das? Angriffe wie der in der vergangenen Nacht sollen auch in Moskau und vor allem in Washington zeigen, wozu Israel bereit ist, wenn es um seine eigene Sicherheit fürchtet. In Jerusalem ist man besorgt, dass diese Interessen keine Rolle spielen werden, wenn die wichtigsten Akteure in Syrien über eine Nachkriegsordnung verhandeln.

Israel fürchtet, dass Russland keine Einwände erhebt, wenn der Iran eine dauerhafte militärische Präsenz zementieren will, geduldet vom Assad-Regime und in unmittelbarer Nähe Israels. Der jüdische Staat sieht, dass die USA sich nicht nur aus Syrien zurückziehen, sondern auch ansonsten kein großes Interesse an dem Land zeigen.

Die israelische Regierung aber möchte, dass Washington seinen Einfluss geltend macht und als Anwalt israelischer Sicherheitsinteressen mitredet, wenn es darum geht, die Zukunft Syriens auszuhandeln. Wir schauen nicht zu, das ist die eigentliche Botschaft hinter den israelischen Luftschlägen in Syrien. Diese Haltung deutlich zu machen, ist Israel so wichtig, dass es eine Eskalation an seiner Nordgrenze in Kauf nimmt.
 

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