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StartseiteKommentare und Themen der WocheAufschwung mit Risiken 18.04.2017

IWF-PrognosenAufschwung mit Risiken

Der Internationale Währungsfonds hat seine Prognose für weltweites Wachstum angehoben. Doch wie nachhaltig und stabil dieser Aufschwung sei, müsse sich erst noch zeigen, kommentiert Eva Bahner. Trotz der hellen Momente fänden sich doch sehr viel Schatten im Bericht der IWF-Ökonomen.

Von Eva Bahner

Ein Containerschiff (hinten) und eine Fähre sind am Samstag (11.10.2008) auf der Elbe im Hamburger Hafen zu sehen. Trotz der weltweiten Finanzkrise halten die großen Marktteilnehmer an Geschäften mit Schiffsbeteiligungen und -finanzierungen fest. Die Schiffsfinanzierung gehört zu den Glanzlichtern der deutschen Finanzbranche; speziell in Hamburg sind weltweit führende Institute wie die HSH Nordbank, die Deutsche Bank und die UniCredit-Gruppe mit ihren entsprechenden Fachabteilungen angesiedelt. Foto: Marcus Brandt dpa/lno (zu dpa-Korr.: "Die See wird rauer - Schiffsfinanzierer durch Finanzkrise alarmiert") +++(c) dpa - Report+++ | Verwendung weltweit (Marcus Brandt dpa)
Die Zeichen stehen auf Wachstum, und zwar rund um den Globus. (Marcus Brandt dpa)
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Soviel Zuversicht war lange nicht mehr. Das erste Mal seit zwei Jahren korrigiert der Internationale Währungsfonds seine Prognosen für die globale Wirtschaft nach oben – und zwar auf breiter Front. 

Die Zeichen stehen auf Wachstum, und zwar rund um den Globus, in den reicheren Industrie- ebenso wie in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Befeuert wird das Wachstum von niedrigen Inflationsraten und Energiepreisen, die die Verbraucher bei Laune halten, und vom billigen Geld der Zentralbanken, die die Verschuldung von Unternehmen und Staaten auf Rekordhöhe treiben und Investitionen sprudeln lassen. 

Eine Momentaufnahme, die hoffen lässt. Mehr aber auch nicht. Denn wie nachhaltig und stabil dieser Aufschwung ist, muss sich erst noch zeigen. Trotz der hellen Momente findet sich doch sehr viel Schatten im Bericht, den die IWF-Ökonomen, heute veröffentlicht haben - zwei Tage, bevor die Finanzminister und Notenbank-Chefs aus aller Welt zur Frühjahrstagung nach Washington anreisen. Von der Gefahr eines Handelskriegs ist da die Rede und nationalen Egoismen, die an den Grundfesten der Weltwirtschaft rütteln. Und diese ungewohnt deutliche Rhetorik ist berechtigt. 

Denn auch wenn die verbalen Störmanöver aus dem Weißen Haus bislang ökonomisch noch keine Wirkung entfalten konnten, der neue US-Präsident, Donald Trump Strafzölle bislang nur angedroht und noch nicht erhoben hat, das Risiko konjunktureller Rückschläge durch eine derart aggressive Abschottungspolitik ist hoch.

Erhalt der internationalen Handelsbeziehungen ist notwendig

Eine einseitige Aufkündigung des freien Handels würde die Weltwirtschaft in eine Sackgasse führen, Wachstum und Wohlstand kosten, und das zu einem Zeitpunkt, in dem sich die westlichen Volkswirtschaften gerade von der Finanzkrise vor sieben Jahren erholt haben. Ohne ein ausreichendes Wachstum würde die Kluft zwischen Arm und Reich weiter zunehmen und den Nährboden für Rechtspopulisten und Euroskeptiker noch größer werden lassen. Ein Teufelskreis, den es zu durchbrechen gilt.

In diesem Zusammenhang wird auch Finanzminister Wolfgang Schäuble wieder einmal unter Beschuss geraten für den satten Handelsüberschuss, den die Exportnation Deutschland erwirtschaftet. Auch derartige Ungleichgewichte schaffen Unfrieden. Richtig.

Doch im Kern sollte es, wenn die G20-Finanzminister am Rande der Tagung zusammen kommen, um viel mehr gehen, nämlich um den Erhalt der internationalen Handelsbeziehungen, die jahrzehntelang unseren Wohlstand gesichert haben. Noch ist Zeit, Missverständnisse auszuräumen, Überzeugungsarbeit zu leisten, die USA mit ins Boot zu holen für ein klares Bekenntnis der G20-Gemeinschaft zum freien Welthandel. Denn sollte dieses ausbleiben und der Streit eskalieren auf dem Gipfel Anfang Juli in Hamburg, dann wären die Prognosen des IWF sehr schnell Makulatur.  

Eva Bahner (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Eva Bahner (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Eva Bahner wurde 1973 in Baden-Württemberg geboren. Sie studierte Volkswirtschaft in Tübingen und Boston, danach Volontariat in der n-tv-Wirtschaftsredaktion und an der Georg-von-Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. Heute arbeitet sie in der Deutschlandfunk-Wirtschaftsredaktion.

  

 

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