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StartseiteSport am WochenendeVerpasste Chance29.12.2013

Jahresrückblick: DOSBVerpasste Chance

Der Personalwechsel an der Spitze des Deutschen Olympischen Sportbundes wäre eine gute Gelegenheit für eine offene Bestandsaufnahme des organisierten Sports gewesen - doch die viel auch 2013 aus. Ein Rückblick auf den DOSB im Jahr 2013.

Von Robert Kempe

Das Logo des DOSB ist am 11.10.2013 in Berlin bei der Eröffnung der Bundeskonferenz Sportenwicklung 2013 des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) zu sehen. In der zweitägigen Konferenz soll über Sportvereine und Sportnachwuchs in Deutschland diskutiert werden. (picture alliance / dpa / Florian Schuh)
Der Deutsche Olympische Sportbund hat ein bewegtes Jahr hinter sich. (picture alliance / dpa / Florian Schuh)
Weiterführende Information

Der Marathon-Mann vom DOSB
Der Deutsche Olympische Sportbund hat einen neuen Chef: Alfons Hörmann folgt Thomas Bach, der inzwischen Chef des Internationalen Olympischen Komitees ist.
(DLF, 07.12.2013)

Sieben Jahre nach Gründung des Deutschen Olympischen Sportbunds hat die Organisation erstmals einen neuen Präsidenten. Auf der Mitgliederversammlung wurde Alfons Hörmann Anfang Dezember neuer DOSB-Chef, gewählt für ein Jahr und wie im organisierten Sport nicht unüblich ohne Gegenkandidaten. Hörmann trat damit die Nachfolge des neuen IOC-Präsidenten Thomas Bach an. Bachs Weggang hätte ein Zeitpunkt für eine offene Bestandsaufnahme des organisierten Sports sein müssen, kritisiert der renommierte Sportwissenschaftler Wolfgang Buss. Doch die fiel auch 2013 aus.

"Thomas Bach hat nicht besonders viel kritisches Potenzial gefördert. Ich glaube eher, dass der jetzige DOSB in Bezug auf die Pfründe, die er zu verteilen hat, sehr autoritär und sehr machtbewusst mit umgegangen ist. Diejenigen, die opportun mitgeschwommen sind, sind gefördert worden, die anderen ausgegrenzt worden. Er hat uns da kein besonders transparentes, demokratisches Potenzial hinterlassen.“

Fehlende Debattenkultur und Transparenz

Auch die Wahl Hörmanns war ein Beispiel für die fehlende Debattenkultur im deutschen Sport und den Mangel an Transparenz. Interviews mit kritischen Fragen wurden vor der Wahl abgelehnt. Diskussionen über Positionen und Programme waren nicht zu vernehmen. Auch bei einem anderen Sachverhalt vermied Hörmann eine klare Antwort: 2008 verhängte das Bundeskartellamt ein Bußgeld über 150 Millionen Euro gegen Unternehmen und Einzelpersonen aus der Dachziegelbranche – wegen illegaler Preisabsprachen. Auf die Firma Creaton entfiel die größte Summe. Hörmann war dort Vorstandsvorsitzender. Ob der Bayer, der angibt, an keinen Preisabsprachen beteiligt gewesen zu sein, auch als Einzelperson mit einem Bußgeld belegt worden war, beantworteten Hörmann und der DOSB trotz mehrmaliger Nachfrage vor der Wahl nicht. Der DOSB sei vollumfänglich informiert worden. Vom organisierten Sport wurden die Vorwürfe für unbedenklich erklärt. Dies wird nun von Hörmann und dem DOSB stets betont.

"Der Rechtsausschuss des DSV hat den Fall im Jahr 2008 und erneut in der vergangenen Woche geprüft und auch Herr Thumann als Corporate-Governance-Beauftragter des DOSB hat schriftlich und mündlich alle erforderlichen Unterlagen erhalten. Unter dem Aspekt eines auch für unsere Verbände unabdingbaren Risikomanagements ist für beide Organisationen klar herausgearbeitet und bestätigt worden, dass keinerlei Auswirkungen auf die Ausübung von haupt- oder ehrenamtlichen Spitzenpositionen zu erwarten sind.“

Eine bemerkenswerte Auffassung. Auf der Pressekonferenz kurz vor der Wahl Hörmanns erklärte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper laut der Nachrichtenagentur DPA gar, dass sich die Vorwürfe des Kartellamts nicht gegen Hörmann richten würden. Dieser wird kurz darauf mit großer Mehrheit zum DOSB-Präsidenten gekürt. Über 90 Prozent der Stimmen entfielen auf ihn. Nachfragen von Verbandsvertretern gab es nicht.

Pikant: Nur drei Tage nach der Wahl bestätigte die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf nach eingehender Prüfung den Bescheid des Bundeskartellamts. Demnach wurde Hörmann persönlich 2008 mit einem Bußgeld von 150.000 Euro belegt und hatte dagegen Einspruch eingelegt. Die Verhandlungstermine im neuen Jahr stehen noch aus. Der DOSB teilte daraufhin auf Anfrage der Nachrichtenagentur SID mit, Generaldirektor Michael Vesper, der viele Jahre Minister in Nordrhein-Westfalen war, habe sich bei seiner Aussage zu Hörmann versprochen.

Empfindliche Niederlagen

2013 setzte es für den DOSB teils empfindliche Niederlagen. Die sicherlich bitterste: Der Bürgerentscheid über die Olympischen Spiele in München 2022 geht krachend verloren. Alle vier Abstimmungen in Garmisch-Partenkirchen, den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land sowie in der Stadt München enden negativ. Ein in dieser Deutlichkeit unerwartetes Ergebnis. Daran änderte auch eine riesige Plakataktion nichts. Olympische Winterspiele in Deutschland dürften mit dem Ergebnis für lange Zeit vom Tisch sein. Thomas Bach ließ daraufhin vom IOC-Thron wissen, dass in München die Mutlosen gesiegt hätten. Der neue DOSB-Präsident Alfons Hörmann witterte in einer TV-Sendung gar Verschwörung:

"Es wird Fundamentalopposition gegen den Sport gemacht, dass sich die gleichen Gegner gegen Olympia hier in München warmlaufen gegen die Fußball-Europameisterschaft 2024.“

Eine selbstkritische Aufarbeitung dieser gescheiterten Bewerbung gibt es bis heute nicht. Selbst der bis vor kurzem noch amtierende Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich hatte diese zuletzt gefordert.

"Wir sehen, dass Großveranstaltungen offensichtlich - jedenfalls ist es so kommuniziert worden - negativ besetzt sind und hier liegt die Diskrepanz über die wir reden müssen, mit der wir umgehen müssen. Ich glaube, wir müssen einfach den positiven Charakter des Sports - und Sport ist positiv besetzt in der Bevölkerung - noch stärker und wieder stärker hervorheben. Die im Zuge einer Bewerbung heute geforderten Garantien und Bürgschaften bestätigen die Wahrnehmung der Bevölkerung, dass die Spiele eben wirklich gigantisch sind, dass sie wirklich teuer und mit Risiken verbunden sind."

Zu wenig Geld?

Auch bei der Finanzierung des Spitzensports konnte der DOSB im Jahr 2013 keine Erfolge verbuchen. Rund acht Millionen Euro forderte die Dachorganisation bis 2016 pro Jahr mehr. Geht es nach den Spitzenverbänden, sollen es am liebsten 38 Millionen mehr sein. Das ergab eine interne Abfrage berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Für Mehrforderungen fand die Politik deutliche Worte:

„Es kann nicht sein, dass aus höher, schneller, weiter - höher, schneller, weiter, teurer wird. Und zwar ständig.“

So mahnte Anfang Dezember der damalige Innenminister Hans-Peter Friedrich. Man müsse sich an den vorhandenen Mitteln orientieren, der Sport müsse umdenken - so Friedrich. Doch in der Vergangenheit bewies der DOSB, dass er in die Politik gute Kontakte hat. Anders als vom BMI vorgesehen beschloss etwa der Haushaltsausschuss kurzerhand, dem Spitzensport in diesem Jahr drei Millionen Euro mehr zu geben. Die neuen Haushaltsverhandlungen finden Anfang 2014 statt. Zumindest aus dieser Perspektive ein Grund für den organisierten Sport, sich auf das neue Jahr zu freuen.

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