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StartseiteCampus & KarriereFast wie in Tokio28.05.2018

Japanologie studierenFast wie in Tokio

Mit mehr als 7.500 Japanern hat Düsseldorf hinter London und Paris europaweit die größte japanische Community. Deshalb ist die Stadt ein Anziehungspunkt für Menschen, die sich für die japanische Kultur interessieren. Auch für angehende Japanologen haben die engen Verbindungen große Vorteile.

Von Meriem Benslim

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Japanischer Garten des EKO-Hauses in Düsseldorf (einem japanischen Kulturverein) (Deutschlandradio/Christian Bongers)
Japanischer Garten in Düsseldorf (Deutschlandradio/Christian Bongers) (Deutschlandradio/Christian Bongers)
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Mitten im Düsseldorfer Zentrum liegt "Klein-Tokio". Japanische Supermärkte, Restaurants, Banken, Ärzte und Versicherungen säumen hier die stark befahrenen Straßen. Das japanische Viertel lockt viele junge Menschen nach Düsseldorf, die die japanische Sprache und Kultur studieren möchten, erklärt Pia-Tomoko Meid, sie ist Geschäftsführerin der Deutsch-Japanischen Gesellschaft in Düsseldorf.

"Sie haben die Infrastruktur, um ihre erworbenen Sprachkenntnisse direkt in der Praxis auszutesten und zu üben. Sie können japanisch-sprachige Bücher kaufen, wie auch japanisch-sprachig Essen gehen, mit der Bedienung sich unterhalten und haben es auch leicht, Tandem-Partner zu finden."

Pia-Tomoko Meid kennt die japanische Gemeinde in Düsseldorf gut. Die Japaner fühlen sich inzwischen hier zu Hause. Ihre Dankbarkeit zeigen sie jedes Jahr am Japantag.

"Es ist ja grundsätzlich ein Fest, wo es darum geht, dass die Japaner in Düsseldorf sich bei den Düsseldorfern bedanken, dafür, dass sie so nett aufgenommen werden und das ist ein Dankeschön-Fest."

Kontakte zur japanischen Gemeinde knüpfen

Die enge Verbindung zwischen zur japanischen Gemeinde zeigt sich auch an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Sie bietet den Studiengang "Modernes Japan" an. Das Institut gehört mit vier Professuren und rund 800 Studierenden zu den größten Japanologien in ganz Deutschland, erklärt Elisabeth Scherer, sie unterrichtet hier japanische Kultur.

"Für die Studierenden ist es attraktiv, auch um Japanerinnen und Japaner frühzeitig kennenzulernen. Dadurch können sie Japanisch sprechen, also das, was sie im Unterricht gelernt haben, schnell anwenden lernen und können vielleicht Kontakte knüpfen für eine spätere Berufstätigkeit."

Tatsächlich haben sich in Düsseldorf inzwischen mehr als 600 japanische Unternehmen angesiedelt - damit zählt die Stadt zu den stärksten Japan-Standorten in Europa. Diese große japanische Gemeinde wird an der Universität auch in die Lehre einbezogen.

"Das heißt, wir machen auch Seminare, in denen es um die Erforschung der japanischen Gemeinde hier in Düsseldorf geht. Also zum Beispiel, welche religiösen Aktivitäten haben Menschen aus Japan in Düsseldorf, wie sieht’s mit japanischer Küche in Düsseldorf aus."

Auch Hasan Azur studiert Modernes Japan in Düsseldorf. Er findet es praktisch, direkt vor der Haustür ein japanisches Viertel zu haben - besonders für den Spracherwerb.

"Die Schriftzeichen sind halt kompliziert zu erkennen und zu lesen. Wenn man die öfter mal sieht, dann prägt man sich die irgendwann ein und wenn man hier in Düsseldorf rumläuft, sieht man öfter mal Schriftzeichen. Und irgendwann, oh guck mal, das kann ich ja lesen! Das ist schon ein cooles Gefühl."

Japanisch essen und shoppen

Er und seine Kommilitonen gehen regelmäßig ins japanische Quartier, rund um die Immermann- und Klosterstraße. Besonders die Supermärkte, Sushi-Bars und Nudelhäuser sind beliebt, mit ihrem frischen Fisch und ihren dampfenden Suppen. Auch Studentin Laura Ziewald ist hier regelmäßig unterwegs.

"Wenn man die Liebe zur japanischen Küche hat, dann ist das optimal. Und davon profitiere ich, glaube ich, am meisten. Und das war auch so ein Grund für mich, hierher zu ziehen, weil ich beim Japantag durch die Immermann gelaufen bin und dachte, wie geil, ich kann hier einfach alles total frisch kaufen."

Neben den vielen kulinarischen Möglichkeiten, nutzen die Studierenden auch den direkten Kontakt zu den Japanern. Einmal im Monat treffen sie sich zu einem Stammtisch in einer Kneipe, sagt Lauras Kommilitone Arne Voss.

"Zu diesem Stammtisch kommen auch Japaner. Sowohl von der Uni als auch so. Und dort kann man sich dann mit Händen und Füßen versuchen, zu unterhalten."

Sogar in den japanischen Buddhismus können die Studierenden in Düsseldorf eintauchen. Abseits des lebhaften Japanviertels, gibt es auf der anderen Rheinseite einen Ort der Ruhe. Hier steht seit 1993 das EKŌ-Haus. Es hat einen buddhistischen Tempel und einen japanischen Garten. Für Student Arne Voss eine kleine Oase.

"Natürlich ein wunderschöner Ort. Das ist wirklich fast Klischee-Japan. So ein kleiner Flecken. Man nutzt es durchaus, um sich dort hinzusetzen in den Garten, ein paar Vokabel-Karten zu lesen, dafür wird es dann schon ganz gerne genutzt."

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