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StartseiteKalenderblattEin Leben mit und für Karl Marx 12.02.2014

Jenny von Westphalen Ein Leben mit und für Karl Marx

Die vor 200 Jahren geborene Jenny von Westphalen galt als eine außergewöhnliche Persönlichkeit: gebildet, mutig, großherzig. Trotz aller Schwierigkeiten hielt sie an ihrer Liebe zu Karl Marx fest, teilte seine Überzeugungen und unterstützte seine Arbeit vorbehaltlos.

Von Ruth Jung

Jenny Marx, geborene von Westphalen, auf einem um 1835 entstandenen Gemälde eines unbekannten Malers. Sie war die Ehefrau des deutschen Philosophen und Schriftstellers Karl Marx. (dpa - Bildarchiv)
Jenny Marx, geborene von Westphalen, auf einem um 1835 entstandenen Gemälde eines unbekannten Malers. (dpa - Bildarchiv)
Weiterführende Information

Die Ikone Karl Marx (Deutschlandradio Kultur, Fazit, 17.03.2013)

Der Denker des Marxismus (Deutschlandfunk, Kalenderblatt, 14.03.2008)

"Du kannst sicher sein, und ich bin es auch, dass ein Fürst nicht im Stande wäre, sie Dir abwendig zu machen",

schrieb Heinrich Marx 1837 an seinen Sohn Karl, der in Berlin Philosophie studierte. "Sie", das war Jenny von Westphalen, "das schönste Mädchen von Trier". Geboren am 12. Februar 1814 als Johanna Bertha Julie von Westphalen in Salzwedel, Tochter eines preußischen Beamten. Kennengelernt hatte sie Marx schon als Kind. Beider Väter waren in Trier, wohin Jennys Vater versetzt worden war, angesehene Persönlichkeiten und bekannt für ihre liberale Einstellung. Für Johann Ludwig von Westphalen war es selbstverständlich, dass seine begabte Tochter eine umfassende Bildung erhielt. Jenny wird als außergewöhnlich intelligent, anmutig und humorvoll beschrieben. "Eine Zauberin" nannte Heinrich Marx die Schwiegertochter in spe, und seinem Sohn in Berlin schärfte er ein:

"Du darfst es nie vergessen - , in ihrem Alter bringt sie Dir ein Opfer, wie gewöhnliche Mädchen es gewiß nicht fähig wären ( ... ) Wehe Dir, wenn Du je in Deinem ganzen Leben dies vergessen könntest! Die Gute verdient jede Rücksicht."

Dass sie an der Seite des vier Jahre jüngeren Karl Marx ein hartes Leben führen würde, an wechselnden Orten im Exil und stets geplagt von Geldsorgen, hat Heinrich Marx nicht erlebt, er starb vor der Hochzeit. Nach der von den Eltern auferlegten siebenjährigen Verlobungszeit heiratete Jenny 1843 endlich ihren geliebten "Mohr", so der Spitzname von Karl Marx. Im selben Jahr zog das Paar nach Paris, wo Marx als politischer Journalist arbeiten wollte. Im Jahr darauf, im Mai 1844, wurde die erste Tochter geboren. Jenny und Karl Marx litten darunter, dass sie ihren Kindern, sieben brachte Jenny zur Welt, von denen nur drei Töchter überlebten, kein materiell gesichertes Leben bieten konnten. 1845 wurde Marx aus Frankreich ausgewiesen. Im Brüsseler Exil entstand 1848 das "Manifest der Kommunistischen Partei". Auf der einzigen erhalten gebliebenen Seite des Originals sind die ersten Zeilen in der Handschrift von Jenny Marx geschrieben.

In Brüssel auch lernte sie Friedrich Engels kennen, der sich im Londoner Exil immer wieder als Retter aus der Not erweisen sollte. Dort lebte die Familie ab 1849, in schäbigen Unterkünften, bitterarm. Marx' Publikationen wurden boykottiert oder so schlecht bezahlt, dass es nie reichte. Dennoch hat Jenny Marx niemals versucht, ihren Mann von seiner wissenschaftlichen Arbeit abzubringen. Ratschläge aber hat sie ihm, dem gestrengen Perfektionisten, wohl erteilt:

"Schreib nur nicht zu gallicht und gereizt. Du weißt, wie viel mehr Deine andern Aufsätze gewirkt haben. Schreib entweder sachlich und fein oder humoristisch und leicht. Bitte, lieb Herz, laß die Feder mal übers Papier laufen, und wenn sie auch mal stürzen und stolpern sollte und ein Satz mit ihr – Deine Gedanken stehn ja doch da wie Grenadiere der alten Garde, so ehrenfest und tapfer ( ... ) laß die Partizipien laufen und stell die Wörter wie sie es selber wollen. ( ... ) "

Jenny Marx führte eine umfangreiche Korrespondenz, ihre Briefe sind wahre Kleinode: "Es galt für ein Fest, einen Brief von Frau Marx zu bekommen", schwärmt der Schwiegersohn Paul Lafargue. Sie half Karl Marx, der eine unleserliche Handschrift hatte, bei der Abschrift und bei Verhandlungen mit Verlegern.

"Natürlich hat Marx keine spezifischen Heilmittel ( ... ) parat, keine Pillen, keine Salben, um die klaffenden, blutenden Wunden unserer Gesellschaft zu heilen; aber es scheint mir, dass er, nach der naturhistorischen Entwicklung des Entstehungsprozesses moderner Gesellschaft, die praktischen Resultate und Nutzanwendungen bis zu den kühnsten Konsequenzen gezogen hat ( ... )",

schrieb sie 1867 nach Erscheinen des ersten Bandes des "Kapitals". Erst spät kommt die begeisterte Theatergängerin und Shakespeare-Kennerin dazu, eigene Texte zu veröffentlichen: zwischen 1875 und 1877 erscheinen vielbeachtete Theater-Feuilletons in der renommierten "Frankfurter Zeitung". Als Jenny Marx am 2. Dezember 1881 nach schwerer Krankheit in London starb, prophezeite der Freund Wilhelm Liebknecht:

"Mit ihr starb er. Ihr Tod war sein Tod. Das wußten alle, die ihn kannten."

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