Dienstag, 23.01.2018
StartseiteKulturfragen"Krisen sind da, um gelöst zu werden"01.01.2018

Jens Förster über Zukunftsangst"Krisen sind da, um gelöst zu werden"

Krisenstimmung zog sich durch 2017. Nicht nur angesichts schlechter Nachrichten von Terror oder Krieg, sondern auch im Hinblick auf eine überforderte Gesellschaft, von der viel in den Feuilletons gesprochen wurde. Sozialpsychologe Jens Förster empfiehlt einen kreativen Umgang mit Krisen, persönlich sowie gesellschaftlich.

Jens Förster im Gespräch mit Karin Fischer

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Sozialpsychologe Jens Förster (Horst Galuschka / imago )
Sozialpsychologe Jens Förster (Horst Galuschka / imago )
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Die Gesellschaft 2017 schien im Krisenmodus, und nicht nur angesichts schlechter Nachrichten von Terror oder Krieg. Globalisierungs- und Zukunftsängste machten sich breit, obwohl es den Deutschen wirtschaftlich doch so gut gehen soll. Woher kommen solche Ängste, die uns womöglich schwärzer ins neue Jahr blicken lassen als nötig? Sozialpsychologe Jens Förster empfiehlt, auch anhand von Beispielen aus seiner Praxis, den kreativen Umgang mit der Krise.

"Krisen sind da, um gelöst zu werden", sagt der Sozialpsychologe im Dlf und rät, Krisen als Herausforderung zu sehen. Seiner Definition nach ist eine Krise "akkumulierter oder intensivierter Stress".

Weihnachten beispielsweise sei für viele nur Horror, was auch mit den hohen Erwartungen an ein Fest voll Harmonie und Glück zu tun habe. "Dabei ist das Gegenteil der Fall: Wir fressen und die ganzen Geschenke befriedigen uns nicht." Weihnachten sei auch die Hochphase des Kapitalismus, und also das Gegenteil von Ruhe und Einkehr.

Schlamassel von Jammern und Angst

Ganz gleich, ob es sich um persönliche oder gesellschaftliche Krisen handelt: Jammern und meckern allein helfe nicht. Ob man die Kluft zwischen Arm und Reich beklage oder den Stillstand in der Politik, es käme darauf an, aktiv zu werden. "Wir fühlen keine Eigenverantwortung mehr und gehen heute nicht mehr wie früher auf die Straße", so Förster. Die Demonstrationen seiner Generation hätten ja schon etwas bewirkt, manches Atomkraftwerk sei damals gar nicht ans Netz gegangen: "Psychologisch gesprochen, kommt man aus dem Schlamassel von Jammern und Angst nur heraus, indem man anfängt, in die Handlung zu gehen, und irgendwas aktiv macht."

Am Beispiel seiner Studierenden macht Jens Förster klar, wo private und gesellschaftliche Krise sich möglicherweise treffen: Die Folge sei zum Beispiel eine wenig mutige Berufswahl. Viele junge Menschen wählten aus Angst immer die "sichere Bank" und weniger den Job, der zur eigenen Selbstverwirklichung beiträgt.

"Jede Marktwirtschaft profitiert von einem Gefühl von Unsicherheit und Angst. Und auch bei jeder konservativen Partei funktioniert das so. Immer wenn wir Angst haben kehren wir in den sicheren Hafen zurück."

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