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StartseiteEuropa heuteDie Gegner der Royals08.05.2018

Jenseits der Hochzeitsglocken (2/5)Die Gegner der Royals

Zur Zeit steckt Großbritannien mal wieder im königlichen Hochzeitsfieber. Doch eigentlich seien die Royals den meisten Briten egal, behaupten Gegner der Monarchie wie Graham Smith. Ihn stört nicht nur die Dauerpräsenz der Königsfamilie in den Medien. Seine Mission: die Republik.

Von Mareike Aden

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Graham Smith, Leiter der Organisation "Republic", vor einem Werbeplakat für ein Buch mit der Aufschrift "Royal Secrets" - "Königliche Geheimnisse" (Deutschlandradio/ Mareike Aden)
Graham Smith leitet die Organisation "Republic", die aus Großbritannien eine Republik machen möchte (Deutschlandradio/ Mareike Aden)
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Die Bücher und Broschüren, die Graham Smith und seine beiden Helfer auf dem Rollwagen stapeln, haben eindeutige Titel: "Die Kosten der Monarchie berechnen", "Königliche Geheimnisse" und "Weg mit den Royals". Ähnliche Slogans stehen auf Plakaten und Bannern, die danebenliegen.

"Weg mit der Krone" oder "Weg mit den Royals" zu sagen, ist doch normal. Ich denke, es schockiert Leute nicht allzu sehr. Wir wollen auch keinen Eiertanz machen und zu vorsichtig sein. Wir gehen die Royals an wie Politiker, auf die gleiche robuste, herausfordernde Art."

Heute werden sie als Monarchie-Gegner ohnehin unter sich sein: Zu der Versammlung, auf die die Männer sich an diesem Morgen vorbereiten, werden nur Mitglieder ihrer Organisation "Republic" kommen. Das Ziel von "Republic" ist es, die Monarchie abzuschaffen und eine Republik mit einem gewählten Staatsoberhaupt einzuführen – am besten über ein von der Politik angesetztes Referendum. Großbritannien brauche eine ganz neue Verfassung, sagt Graham Smith.

"Unsere Verfassung ergibt keinen Sinn – das heißt, sie macht nur Sinn für jene an der Macht. Wir haben mit der Monarchie eine Institution, die auf Erbfolge basiert und unkontrollierbar ist, alles ist geheim: das Geld, das sie ausgeben, der politische Einfluss, den sie haben. Dabei ist die Queen kein effektvolles Staatsoberhaupt. Sie macht nur das, was ein Premierminister ihr sagt - und das ist ein konstitutionelles Problem."

Die königliche Familie Großbritanniens auf dem Balkon des Buckingham Palace (dpa)Die königliche Familie Großbritanniens auf dem Balkon des Buckingham Palace: "Wir gehen die Royals an wie Politiker", sagt Monarchiegegner Graham Smith (dpa)

"Unsere Verfassung ist einfach eine Katastrophe"

Der Mittvierziger sieht mit seinem dunklen Anzug und leicht schütteren Haar nicht gerade aus wie ein Rebell. Doch als er 2001 nach einigen Jahren im Ausland zurück nach Großbritannien zog, wuchs seine Entschlossenheit, für eine Republik zu kämpfen:

"Es war wie ein umgekehrter Kulturshock als ich nach Hause kam: Die Dauerpräsenz der Königsfamilie in unseren Medien, und dieser unterwürfige, ehrerbietige Ton, mit dem manche über die Queen und die anderen sprechen. Und unsere Verfassung ist einfach eine Katastrophe. Es war ein Weckruf, als ich zurück kam in dieses Irrenhaus."

Mit dem Rollwagen geht es über Bürgersteige zu einem Konferenzraum in der Nähe. Seit 2015 leitet Graham Smith "Republic" – außer ihm gibt es nur einen anderen richtigen Mitarbeiter, alle anderen sind ehrenamtlich tätig. Nach eigenen Angaben hat "Republic" ein paar tausend Mitglieder, die die Organisation mit ihren Spenden am Leben halten. Denn das ist die einzige Einnahmequelle. Aber Graham Smith glaubt an ihre Chance:

"Was nicht stimmt, ist, dass die Briten die Royals lieben. Dafür gibt es keine Belege. Den meisten sind sie egal - und viele derer haben vermutlich einen eher guten Eindruck, weil sie sich wenig Gedanken machen und die Monarchie gute PR macht. Dann denken etwa 20 bis 25 Prozent so wie wir und 30 bis 40 Prozent mögen die Königsfamilie wirklich. Aber die anderen sind offen dafür, überzeugt zu werden – und das geht oft schnell, weil viele noch nie darüber nachgedacht haben." 

Drei Mythen über die Royals

Etwa 150 "Republic"-Mitglieder sind mittlerweile eingetroffen – die Veranstaltung beginnt mit einer Videokonferenz mit einem jungen Monarchiegegner in Dänemark, der vor allem übers Internet Stimmung gegen die dortige Königsfamilie macht. Hier in London sitzen vor allem Männer, die meisten älter als 50. Viele sind Anhänger von Jeremy Corbyn, dem ultralinken Labour-Chef, der selbst Monarchiekritiker ist. Aber "Republic" will sich von Parteien nicht vereinnahmen lassen, will ausdrücklich parteiübergreifend sein - und künftig über soziale Netzwerke mehr junge Menschen ansprechen, um über die Monarchie aufzuklären, wie Graham Smit es nennt:

"Es gibt drei Mythen. Erstens: Sie sind harmlos und haben ohnehin keine Macht. Zweitens: Sie bringen über den Tourismus Geld ins Land. Und drittens, dass sie die Gesellschaft einen. Das ist die Taktik von Monarchie-Anhängern, nach dem Motto 'Jeder mag sie, also halt die Klappe', das ist wirklich Taktik."

Jeremy Corbyn, seit September letzten Jahres ist er Parteivorsitzender der britischen Labour-Party. (dpa/ picture alliance/ WIll Oliver)Jeremy Corbyn, Vorsitzender der Partei Labour in England, ist erklärter Monarchiegegner (dpa/ picture alliance/ WIll Oliver)

Einfluss hinter geschlossenen Türen?

Und Graham Smith sagt, mit dem Ableben von Königin Elisabeth II. könnte dann eines Tages der Moment für die Monarchie-Gegner gekommen sein und sich die Schwäche des Systems offenbaren:

"Prinz Charles hat seine Ansichten nie für sich behalten und mischt sich immer wieder in Regierungspolitik ein. Das ist ein Problem, denn die Bürger können nicht erfahren, was er hinter geschlossenen Türen für Einfluss nimmt. Und er hat den Ruf, dass er sehr harsch mit Leuten aus seinem Umfeld umgeht. Er hat einfach nicht die gleiche liebe, harmlose Präsenz wie die Queen. "

Die "Republic"-Mitglieder lassen den Tag im Pub ausklingen. Graham Smith hat seinen Anzug inzwischen gegen Jeans und Hemd eingetauscht. Von gedrückter Stimmung, die sich gerade jetzt, da alle Welt auf das royale Hochzeitspaar schaut, manchmal bei den Monarchiegegnern breit macht, ist nichts mehr zu merken. Schließlich, so sagt Graham, zeige alle Unsicherheit rund um den Brexit, wie wichtig ihre Mission sei, Großbritannien zu einer Republik zu machen. Und er ist überzeugt: Eines Tages werden sie es schaffen.

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