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Seit 17:05 Uhr Kulturfragen
StartseiteForschung aktuellJenseits des Paradieses14.12.2007

Jenseits des Paradieses

Klimawandel trifft übervölkerte Regionen besonders hart

<strong>Umwelt. - Nicht nur der Umweltgipfel auf Bali beschäftigt sich mit der globalen Erwärmung, auch die Tagung der Amerikanischen Geophysikalischen Union in San Francisco konzentriert sich auf das Thema. Ein Fokus des Treffens liegt auf den Zusammenhängen zwischen der stetig zunehmenden Überbevölkerung und dem Klimawandel.</strong>

Von Dagmar Röhrlich

Länder wie Indien, Bangladesh und China werden einerseits mit steigenden Überschwemmungen, andererseits mit Trinkwassermangel zu kämpfen haben. (AP)
Länder wie Indien, Bangladesh und China werden einerseits mit steigenden Überschwemmungen, andererseits mit Trinkwassermangel zu kämpfen haben. (AP)

Schon seit etwa 1920 werden die Meere in den Tropengürtel der Erde wärmer: Die Fläche, in der Temperaturen von 28 Grad Celsius überschritten werden, hat sich bereits fast verdoppelt – und sie wächst weiterhin an. Solche Zonen sind aber nicht nur kritisch für Korallen und andere Meeresbewohner, die an die Grenze ihrer Hitzetoleranz geraten. In solchen Zonen verdunstet auch viel Meerwasser. Und das steigert die verfügbaren Regenmengen:

"Wir haben uns bemüht, zu verstehen, wie sich die Temperaturen der tropischen Meere über die vergangenen 60, 70 Jahre hinweg verändert haben und was das für Südasien bedeutet. Denn wenn es mehr regnet, ändert sich die Überflutungsgefahr."

Peter Webster vom Georgia Institute of Technology in Atlanta. Er gehört zu einer Gruppe von Geowissenschaftlern, die sich nicht nur mit Klimasimulationen befassen, sondern auch die Auswirkungen auf die Bevölkerung berechnen wollen. Sein Spezialgebiet dabei sind Indien, Bangladesh und China:

"Uns beunruhigen die Veränderungen in den tropischen Zirkulationssystemen, die wir in den Klimasimulationen sehen, weil sie die Bevölkerung stark treffen können. Um Brahmaputra, Ganges und Jangtse leben rund 40 Prozent der Weltbevölkerung. Deshalb haben wir modelliert, was dort in den kommenden 100 Jahren passieren wird, wenn die Oberflächentemperaturen der Meere weiter steigen wie erwartet."

Mehr Regen in den Einzugsgebieten dieser großen Flüsse bedeutet, dass sie mehr Wasser führen. Die Geologen erwarten eine Steigerung von bis zu einem Drittel:

"Das Schlimmste daran ist, dass dieses Wasser nicht gleichmäßig fließen wird. Vielmehr wird es dort dann nicht mehr alle fünf bis zehn Jahre eine große Überflutung geben, sondern alle zwei Jahre."

Neben dem menschengemachten Treibhauseffekt läuft eine zweite Entwicklung: In 100 Jahren werden in der ohnehin dicht besiedelten Region an Brahmaputra, Ganges und Jangtse voraussichtlich doppelt so viele Menschen leben wie heute – mindestens. Diese Menschen müssen essen und trinken:

"Vergessen wir einmal die Überflutungen für einen Moment und betrachten nur, dass die Flüsse zwischen 25 und 30 Prozent mehr Wasser führen werden. Die Bevölkerung wird sich jedoch mindestens verdoppeln. Das heißt: Pro Kopf wird jedem Menschen dann höchstens noch die Hälfte des Wassers zur Verfügung stehen, das heute pro Kopf da ist."

Klimawandel und Bevölkerungsexplosion zusammengenommen bergen ein gewaltiges Konfliktpotential. Die Frage ist, ob sich der Klimawandel noch aufhalten lässt. Da sieht Peter Webster schwarz:

"Es gibt Wendepunkte, wenn wir die überschreiten, gibt es kein Zurück mehr. Beim Klima ist das unserer Ansicht nach passiert. Selbst wenn wir heute aufhören würden, Treibhausgase zu emittieren, die Erwärmung wird sich fortsetzen. Wir müssen uns für Indien, Bangladesh und China fragen, wie eine Gesellschaft überleben kann, in der große Gebiete des Landes andauernden Flutkatastrophen ausgesetzt sind. Wir haben es also nicht nur beim Klima mit einem Wendepunkt zu tun, sondern vielleicht auch in der Gesellschaft."

Peter Webster hält zum Schluss noch eine tröstliche Nachricht bereit: Wir haben noch etwas Zeit uns auf die Überflutungen an Ganges, Brahmaputra und Jangtse einzurichten. Erst in 20, 30 Jahren soll ihre Zahl deutlich steigen, das jedenfalls zeigen die Modellrechnungen.

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