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StartseiteCampus & KarriereDeutsch pauken in den Ferien31.07.2017

Jugendliche FlüchtlingeDeutsch pauken in den Ferien

Mehr als 50 geflüchtete Jugendliche pauken im Hölderlin Gymnasium in Köln deutsche Grammatik. Unterrichtet werden sie von angehenden Lehrern, die sich ein Semester in einem Seminar auf darauf vorbereitet haben. Eine Herausforderung und Bereicherung für beide Seiten.

Von Friederike Müllender

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Leeres Klassenzimmer (picture alliance / dpa / Stefan Sauer)
Zwei Wochen lang steht Deutschunterricht für die geflüchteten Jugendlichen auf dem Stundenplan. (picture alliance / dpa / Stefan Sauer)
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Trotz der Sommerferien ist viel los am Hölderlin Gymnasium in Köln. Jeden Morgen pünktlich um zehn pauken dort mehr als 50 geflüchtete Jugendliche deutsche Grammatik. Und das ganz freiwillig. Unterrichtet werden die zwölf bis 16-Jährigen dabei von angehenden Lehrerinnen und Lehrern. Ein ganzes Semester lang haben die sich in ihrem Seminar an der Uni auf diesen besonderen Unterricht vorbereitet. Aufgeteilt sind die Schüler dabei in drei Gruppen, von Analphabeten bis Fortgeschrittenen ist alles dabei. Eine große Herausforderung auch für Lehramtsstudent Oliver Brockschmidt:

"Die kennen unser Schriftbild oft noch gar nicht und sprechen kaum Deutsch, die sind erst seit Kurzem da, das heißt, Kommunikation ist extrem schwierig das geht alles über Hände und Füße, und alles mit zeigen. Man ist immer unter Strom und läuft durch die Klasse und guckt, wie kann ich denen das noch mal anders erklären, das war schwierig aber schön."

Schnell reagieren, umplanen, improvisieren

Oliver Brockschmidt hat, wie auch in den sogenannten Regelklassen, in denen es keine Sprachbarriere mehr gibt, Mühe seine Schüler für starke und schwache Verben zu begeistern.

"Die beim Ball zu halten, alle paar Minuten will jemand wieder aufstehen, hört nicht zu, die immer wieder motivieren, dann wieder die Unterrichtseinheit, die man geplant hat unterbrechen, ganz schnell spontan überlegen, was machen wir jetzt zack, zack."

Da heißt es: Schnell reagieren, umplanen, improvisieren. Zwei Wochen lang steht nur Deutschunterricht auf dem Stundenplan. Neben Vokabeln, einfachen Aufgaben zum Lese- und Hörverständnis steht vor allem die Grammatik im Vordergrund.  Olivers Fazit nach zwei Wochen:

"Ich bin echt K. o. Die zwei Wochen waren sehr anstrengend aber auch sehr gut. Ich glaube eine bessere Vorbereitung können wir gar nicht bekommen auf das, was wir in der Zukunft machen."

Diese Ferienschule ist ein Projekt der Universität Köln und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung. Dabei soll sowohl die Sprache und Integration der geflüchteten Jugendlichen gefördert werden, aber auch die Studentinnen und Studenten sollen in der Praxis testen können, wie es ist vor einer Klasse zu stehen und besonders vor einer Klasse, die nicht die gleiche Sprache spricht.

Lieder singen und Theater spielen

Da trockenes Deklinieren und Konjugieren auf Dauer langweilig wird, haben sich die Studentinnen und Studenten etwas ganz Besonderes überlegt, erzählt Louis Heyer:

"Mit den Schülern haben wir ein originales Lied aus ihrer Heimatsprache genommen und mit denen zusammen ins Deutsche übersetzt und haben dann angefangen das einzuüben und zu singen. Am ersten Tag waren alle noch - oh mein Gott wie geht die Strophe. Am zweiten Tag kommst du an den Schülern vorbei und sie singen das Lied. Das gibt einem viel selber zurück, weil man merkt, dass die Spaß daran haben, was wir mit denen machen."

Der 22-Jährige hat sich ganz bewusst für dieses Seminar an der Kölner Uni entschieden:

"Wenn wir jetzt hier die Kinder, die ankommen positiv empfangen, dann legen wir eine Grundlage, wie die in der Zukunft weiterhin Deutsch lernen und sich willkommen fühlen, ich finde das sehr wichtig."

Auch nachmittags sind die Jugendlichen noch in der Schule, dann allerdings tauschen sie Schulbänke gegen Theaterbühne.

Eigenständig haben sie sich ein Theaterstück ausgedacht. In dem geht es um eine Talentshow, bei der jeder zeigen darf, was er kann, zum Beispiel gut Fußball spielen, erklärt Studentin Lena Breuer:

"Es war ganz interessant auf welche Ideen, die Kinder gekommen sind. Wir haben uns zum Beispiel die Weltmeisterszene von 2014 herausgesucht und die stellen dann das Tor von Mario Götze da."

Wer ganz mutig ist und sich traut, der singt sogar auf der Bühne. So wie Kehri aus dem Irak, er ist seit  gut einem Jahr in Deutschland. Auf Deutsch übersetzen kann es der 12-Jährige auch schon:

"Also ich bin ein guter Junge, ich bin verliebt, verliebt."

Und singen und sich verlieben, das geht ja auch ohne Grammatik. Egal woher man kommt.

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