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Jungunternehmer treffen Investoren

Startups nutzen Pitch-Marathon in Berlin als Kontaktbörse

Von Michael Castritius

Hilfe bei der Parkplatzsuche - eine von vielen Geschäftsideen, die beim Pitch-Marathon vorgestellt wurden.
Hilfe bei der Parkplatzsuche - eine von vielen Geschäftsideen, die beim Pitch-Marathon vorgestellt wurden. (Stock.XCHNG / Jeff Prieb)

46 Startups waren beim Pitch-Marathon in Berlin dabei. Jeweils nur vier Minuten hatten sie Zeit, ihre Idee, ihr Produkt, die Marktanalyse und die Gewinnerwartungen vorzustellen. Dabei waren nicht nur innovative Geschäftsmodelle, sondern auch Entertainerqualitäten gefragt.

"Lebendig, innovativ und dynamisch" sei die deutsche Startup-Szene, hatte Bundeswirtschaftsminister Rösler zur Eröffnung des Startup-Camps 2013 gelobt.

Quod erat demonstrandum – und am ehesten musste sich das beim Pitch-Marathon beweisen.

"Wir sind aus einem dreckigen Geschäft, wir putzen vor allem schmutzige Wohnungen in Berlin","

wirft sich etwa Sergej Soft von cleanberlin.org ins Zeug. Eine Putzfrau umwedelt ihn während der Präsentation seiner Geschäftsidee, 800 Frauen habe er schon unter Vertrag. Geschäftszahlen und Gewinn-Prognosen beamt er an die Wand.

Mit Slapstick-Einlagen versucht Adi Rajca von ampido.com Aufmerksamkeit zu erhaschen: Einen verzweifelten Autofahrer auf Parkplatzsuche stellt er komödiantisch dar, der an jeder freien Stelle von dem verhassten Schild "Einfahrt: Parken verboten" frustriert wird.

Problem erkannt – Lösung ausgearbeitet. Hier: den Platz vor der Einfahrt per Internet vom Hausbesitzer mieten.

Aber, wie alle 46 Pitch-Teilnehmer, braucht auch Ampido noch Investoren, um aus der Idee ein Geschäft machen zu können. Da sind - bei der Konkurrenz - Entertainer-Qualitäten gefragt, bestätigt Adi Rajca:
""Ich glaube, es ist hilfreich, wenn man die Idee ein bisschen witzig verpackt, dann können die Leute die sich auch besser merken. Die Startup-Szene zeichnet sich durch die individuellen Leute aus, jeder bringt da was Persönliches, was Kreatives mit und das macht die Sache auch so spannend: dass es nicht nur vom Fließband kommt, sondern jeder sein witziges eigenes Ding präsentiert."

Ja, dieser Pitch-Marathon, laut Veranstalter der größte Europas, hat tatsächlich etwas Fließbandmäßiges, es ist ein neun-stündiges Speed-Dating: Jungunternehmer treffen Investoren. Die 46 Teilnehmer bekommen jeweils nur vier Minuten Zeit, ihre Idee, das Produkt, die Marktanalyse und die Gewinnerwartungen vorzustellen.

Gnadenlos bremst das Stopp-Signal der Veranstalter die Vortragenden aus, wenn die vier Minuten abgelaufen sind.

Nach zwölf Präsentationen kommt die alles entscheidende Pause: dann werden die potenziellen Investoren im Publikum auf zwei Wegen aktiv: spielerisch verteilen sie cash-cards, so etwas wie Monopoly-Geld, an die Startups, die sie überzeugt haben. Wer das meiste Spielgeld bekommt, gewinnt am Ende den Wettbewerb und damit 25.000 Euro, hauptsächlich in Form von Gutscheinen der Sponsoren.

Ernsthafter werden aber auch Kontakte geknüpft. Für Felix Daub von dem Startup-Unternehmen klickfilm, am Ende Wettbewerbs-Dritter, sind das die entscheidenden Momente:

"Wir müssen lernen, mit Investoren zu sprechen, auch mit Kunden und potentiellen Partner. Es gibt auch viele Leute, die einfach sagen: hier ich kenne jemanden, vielleicht solltet ihr euch mit dem unterhalten, der kann uns vielleicht auch einfach eine gute Tür öffnen, und dann treffen wir den, der genau für unser Thema der richtige Ansprechpartner ist."

Der Pitch-Marathon als Kontakt-Börse. Die ist auch für bereits arbeitende Startups extrem wichtig, ergänzt Alexander Pevzner, der mit seiner Plattform Kaufnavigator.de, auf der Warenkataloge verschiedenster Anbieter zugänglich sind, schon online ist.

"Wenn ich eine Applikation veröffentlicht habe, muss ich die populär machen, muss ich den Leuten irgendwie sagen: die ist da. Und das kostet Geld, das man grob gesagt auch verbrennen kann. In Deutschland ist es wirklich so, dass das Business hier sehr skeptisch ist. Also es braucht sehr viel Zeit, um die Leute davon zu überzeugen, dass das System funktioniert, dass man es zumindest mal ausprobiert. In den USA ist das genau andersrum: wenn etwas Neues auf dem Markt ist, dann kämpft man darum, es auszuprobieren. Und hier muss man wirklich in der Denke des Business an sich etwas verändern."

Denn die Startup-Szene hat sich auf dem Pitch-Marathon tatsächlich "lebendig, innovativ und dynamisch" präsentiert. Jetzt sind die alteingesessenen Investoren dran, darauf ebenso zu reagieren.



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