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StartseiteCampus & KarriereFrauen im Recht15.12.2017

JurastudiumFrauen im Recht

Übungsfälle im Jurastudium vermitteln ein eindimensionales Frauenbild. Das haben Juristinnen der Uni Hamburg herausgefunden. Wenn Frauen in den Fällen auftauchen, dann werden ihnen Handtaschen oder Schuhe gestohlen. Nur selten verdienen sie selber ihr Geld, und auch dann meist in einfachen Berufen wie Verkäuferin.

Von Axel Schröder

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Ein Dieb steckt seine Hand in die Handtasche einer Frau (dpa / picture alliance / Lehtikuva Mikko Stig)
87 Beispielfälle für angehende Juristinnen und Juristen haben die Hamburger Juristinnen ausgewertet (dpa / picture alliance / Lehtikuva Mikko Stig)
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Dana Valentiner wurde gleich zu Beginn ihres Jura-Studiums hellhörig. In einem der Fälle, die es zu lösen galt, waren die Stereotype, mit denen Männer- und Frauenrollen behandelt wurden, allzu offensichtlich:

"Zum Beispiel im zweiten oder dritten Semester, da haben wir das gesamte Schuldrecht in dem Semester am Beispiel einer Frau behandelt, die ein rosa Kofferset kauft. Und dann ging immer irgendwas schief mit diesem rosa Kofferset und sie brauchte noch eine Erweiterung und es musste noch alles Mögliche gemacht werden mit diesen rosa Koffern. Das ist ein Beispiel, das mir in Erinnerung geblieben ist. Dass da schon ein sehr eindimensionales Frauenbild vermittelt wird."

Und ihre Studie, die sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Jura-Lehrstuhl der Helmut-Schmidt-Universität erarbeitet hat, belegt ihren frühen Verdacht. 87 Beispielfälle für angehende Juristinnen und Juristen hat Dana Valentiner zusammen mit drei Kommilitoninnen ausgewertet. Vor ihr auf dem Tisch liegt das Resultat, aufbereitet in einer von der Uni Hamburg finanzierten Broschüre, die sich an das Lehrpersonal richtet.

"Schauen wir mal rein. - Das sind hier erstmal die strukturelleren Auswertungen, die wir getätigt haben. Wir haben uns zum Beispiel angeschaut, wie viele Männer und Frauen kommen insgesamt überhaupt in den Fällen vor. Und haben eben festgestellt, dass die Akteurinnen und Akteure zu 80 Prozent männlich gewesen sind in diesen Fällen, also Frauen doch deutlich unterrepräsentiert."

Frauen kommen auffällig selten überhaupt vor

Natürlich gebe es Delikte, die vor allem von Männern begangen werden, räumt Dana Valentiner ein. Zum Beispiel Totschlag oder Körperverletzung. Trotzdem sei auffällig, dass in den wenigen Fällen, in denen Frauen überhaupt in der Realität der juristischen Fallbeispiele auftauchen, sie meist einfache Berufe ausüben, ihr Geld als Bäckereifachverkäuferinnen oder Sekretärinnen verdienen. Wenn Frauen doch mit einer leitenden Position in den Fallbeispielen vorkommen, dann am ehesten als Inhaberin eines Schönheitssalons:

"Ich finde auch sehr interessant, dass auch die Diversität so unterschiedlich dargestellt wird. Es sind viele Frauen, die im Verkauf dargestellt werden, als Verkäuferin geschildert. Wenn aber Männer im Verkauf tätig sind, dann haben sie eine Führungsposition. Es wird sehr viel ausführlicher berichtet, was sie genau verkaufen. Es ist dann einfach sehr viel expliziter und deutlicher beschrieben, was sie da eigentlich tun. Das fand ich sehr interessant."

Bezug nimmt Dana Valentiner auch auf die einzige andere Studie zu dem Thema - aus den 70er-Jahren. Einige Befunde hätten sich nach wie vor nicht geändert. Allerdings seien die damals festgestellten offen rassistischen oder sexistischen Fallkonstellationen heute aus dem Repertoire der Lehrenden verschwunden. Heute, so Dana Valentiner, falle das schräge Geschlechterbild nur bei der Gesamtschau der Fälle ins Auge und weniger in den einzelnen Beispielen. Dass sie ganz richtig liegt mit ihrer Analyse, bestätigen auch die Studierenden auf dem Uni-Campus:

"Ganz oft werden die Frauen als ganz schön dumm dargestellt. Und die Männer sind immer irgendwelche Geschäftsleute, Anwälte. Und Frauen sind immer irgendwelche Dummchen, die Taschen kaufen und sich dabei vertun."

Traditionelle Rollenbilder

Allerdings würden die Lehrenden mittlerweile in den Vorlesungen und Übungsklausuren auf eine ausgewogenere Sprache und modernere Fallkonstellation achten, berichten die Studierenden. Und einige finden es halb so wild, dass die üblichen Mann-Frau-Stereotype dort immer noch auftauchen:

"Mir ist es egal. Hauptsache, ich komme durchs Examen. Mich hat es nie richtig gestört, außer, es hat jemand mit Zwang versucht, möglichst viele gleichgeschlechtliche Paare in einem Fall unterzubringen."

Darum geht es Dana Valentiner auch nicht. Sie freut sich, dass ihre Studie nun auf den Schreibtischen von Professorinnen und Professoren liegt. Als Anstoß zum Nachdenken über allzu traditionelle Rollenmuster.

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