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Seit 06:50 Uhr Interview
StartseiteForschung aktuellKoffein lässt uns nicht mehr richtig ticken17.09.2015

Kaffee am AbendKoffein lässt uns nicht mehr richtig ticken

Kaffee macht wach - doch Koffein hat auch noch einen anderen Effekt: Es bringt unsere biologische Uhr durcheinander. Das fanden jetzt britische Forscher heraus. Das gibt Anlass zur Sorge: Denn Mediziner bringen Störungen der biologischen Uhr mit verschiedenen Krankheiten in Verbindung.

Von Volker Mrasek

Kaffee per Hand gefiltert ist wieder in. (imago)
Koffein bringt unsere biologische Uhr laut Forschern dazu, die Tagesphase hinauszuzögern, wenn wir nachmittags oder abends noch Kaffee oder Espresso trinken. (imago)
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Die wachmachende Wirkung von Koffein - offenbar kannte man sie bisher nur zur Hälfte. Als sicher gilt, dass der Stoff Adenosin aus seinen Bindestellen im Gehirn verdrängt - ein körpereigenes Signalmolekül, das uns müde macht. Doch schläfrig werden wir auch noch durch einen anderen Prozess, und den sabotiert Koffein ebenfalls, wie die neue Studie nahelegt.

Der Zellbiologe John O'Neill vom staatlichen britischen Labor für Molekularbiologie in Cambridge:

"Schlaf ist das Ergebnis zweier Prozesse. Je länger man ihn aufschiebt und je mehr Adenosin sich im Gehirn anhäuft, desto leichter fällt es, einzuschlafen. Das ist aber nur die eine Sache. Das andere ist die biologische Uhr, die in uns tickt, mit ihrem eingebauten Tag-Nacht-Rhythmus. Sie bewirkt, dass die Zirbeldrüse spät abends das Hormon Melatonin ausschüttet. Auch das erhöht die Wahrscheinlichkeit einzuschlafen."

Tagesphase wird hinausgezögert

Dass Koffein auch die biologische Uhr aus dem Takt bringen könnte - dafür gab es bisher nur Hinweise aus Versuchen mit Grünalgen, Fruchtfliegen und Mäusen. O'Neill und acht weitere Forscher aus Großbritannien und den USA testeten das nun auch beim Menschen. In einer mehrwöchigen Studie mit Freiwilligen.

Drei Stunden vor der üblichen Schlafenszeit bekamen einige von ihnen Kapseln mit einer Koffein-Menge wie in zwei Tassen Espresso, andere dagegen nur ein Placebo. Im Folgenden wurde dann der Melatonin-Gehalt im Speichel der Probanden gemessen - um zu sehen, wann die biologische Uhr auf Nacht umschaltet. Kenneth Wright, Direktor des Labors für Schlaf-und Chronobiologie an der Universität von Colorado in den USA, wo die Versuche liefen:

"Heraus kam, dass die biologische Uhr bei den Koffein-Konsumenten langsamer schlug. Wir nennen das 'Phasen-Verzögerung'. Es dauerte etwa 40 Minuten länger, bis die Nachtphase einsetzte. Der Effekt ist also ziemlich groß."

Demnach führt Koffein dazu, dass wir nicht mehr richtig ticken. Es bringt unsere biologische Uhr dazu, die Tagesphase hinauszuzögern, wenn wir nachmittags oder abends noch Kaffee oder Espresso trinken. Jedenfalls gilt das für die meisten Menschen:

"Wenn man das über Tage hinweg macht, könnten es noch mehr als 40 Minuten sein. Aber Studien dazu müsste man erst noch machen."

Hilfreich zur Vermeidung von Jetlag?

Spätestens sechs Stunden vor dem geplanten Zu-Bett-Gehen - danach sollte man am besten keine koffeinhaltigen Getränke mehr zu sich nehmen, rät der Neurowissenschaftler. Damit der Schlaf nicht gestört wird und die biologische Uhr auch am nächsten Tag noch wie gewohnt tickt.

Vielleicht könnte man sich die neuen Erkenntnisse sogar zunutze machen, wie Wright überlegt:

"Ja, beim Jetlag! Stellen Sie sich vor, Sie fliegen von Deutschland in die USA. Dann muss sich Ihre innere Uhr auf eine neue Zeitzone einstellen. Koffein könnte das erleichtern, wenn Sie es zum richtigen Zeitpunkt einnehmen. Aber auch das müsste man noch genauer untersuchen."

Die neue Studie gibt aber auch Anlass zu einer gewissen Besorgnis. Denn Störungen der biologischen Uhr bringen Mediziner mit verschiedenen Krankheiten in Verbindung, zum Beispiel mit Alzheimer und Diabetes. Wenn jetzt klar wird, dass auch Koffein unsere innere Uhr aus dem Takt bringen kann, dann - sagen die Forscher - sollte man diese Wirkung des Wachmachers auf jeden Fall noch genauer unter die Lupe nehmen.

 

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