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Seit 18:40 Uhr Hintergrund
StartseiteHintergrundRohstoff als Fluch und Segen25.01.2015

Kakao aus der ElfenbeinküsteRohstoff als Fluch und Segen

Die Elfenbeinküste produziert fast zwei Millionen Tonnen Kakao im Jahr. Zwar hat das Land eine Konvention unterschrieben, die Kinderarbeit verhindern soll, besonders wirksam ist das aber nicht. Seit wegen der Ebola-Epidemie im benachbarten Liberia keine Erntehelfer mehr kommen dürfen, müssen noch mehr Minderjährige auf die Plantagen.

Von Alexander Göbel

Eine Kakaofarm in der Nähe des Nationalparks Tai in der Elfenbeinküste (imago/epd)
Eine Kakaofarm in der Nähe des Nationalparks Tai in der Elfenbeinküste (imago/epd)
Weiterführende Information

Kakao aus der Elfenbeinküste - Wie Kinder für unsere Schokolade schuften
(Deutschlandradio Kultur, Weltzeit, 18.12.2014)

Kakao aus Bolivien - Wenn Bauern sich fair und bio vereinen
(Deutschlandradio Kultur, Weltzeit, 18.12.2014)

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Mathis wuchtet einen braunen 50-Kilo-Sack mit Kakaobohnen vom Rücken und wirft ihn auf eine riesige schwarze Plastikplane. Er atmet schwer, wischt sich den Schweiß aus dem Gesicht. Hier im Regenwald der Elfenbeinküste ist es feucht und heiß, sicher 30 Grad. Barfuß steht Mathis auf der Plastikplane und öffnet den Sack. Er beugt sich tief und verteilt den Inhalt mit den Händen. Die schwarzbraunen Kakaobohnen kommen gerade von der Plantage und müssen trocknen.

Er sei 19, sagt Mathis schüchtern - und nach kurzem Zögern. Als hätte man ihm eingebläut, er solle dieses Alter angeben, wenn er danach gefragt wird. Sehr schmächtig ist er, trägt löchrige Jeans, ein verschmiertes orangefarbenes Fußball-Trikot der "Elefanten", der ivorischen Nationalmannschaft. Sein verquollenes Kindergesicht verrät: Mathis dürfte höchstens 13 sein.

"Das Geld hat nicht gereicht, dann hat mich mein Vater hierher geschickt, damit ich arbeite. Jetzt bin ich hier und versuche, irgendwie zu überleben."

Statt zur Schule zu gehen, schuftet Mathis in einer Kakao-Kooperative in der Nähe des Tai Nationalparks, an der Grenze zu Liberia. Hier wird Kakao für den großen Schoko-Konzern Cargill geerntet. Die Kooperative ist eigentlich zertifiziert, trägt ein Gütesiegel. Diese kleine Genossenschaft arbeitet also nachhaltig, schützt die Umwelt und lässt keine Kinder arbeiten: Zumindest steht das in großen bunten Buchstaben auf einer Mauer, vor der Mathis und ein paar andere Jungen die Kakaobohnen verteilen. Aber wer will das hier draußen im Busch schon kontrollieren, wo es so gut wie keine Straßen gibt. Außerdem: Seit wegen der Ebola-Epidemie keine Erntehelfer mehr aus dem benachbarten Liberia kommen dürfen, müssen noch mehr Kinder ran als bisher. Löhne können die Bauern ihnen nicht zahlen. Kakao ist mit umgerechnet 1,30 Euro pro Kilo zu billig - alles, was die Bauern verdienen, geht für Spritzmittel drauf. Kakao ist empfindlich, die Kinder dürfen es nicht sein.

"Ich habe oft schlimme Rückenschmerzen, von den schweren Säcken, erzählt Mathis. Wir arbeiten hier immer von sieben Uhr morgens bis sieben Uhr abends. Pausen gibt es keine. Entweder ich schleppe Säcke mit Kakaobohnen, oder ich bin im Wald, dann helfe ich beim Spritzen der Bäume, oder bei der Ernte - dann sammle ich Kakaofrüchte auf und trage sie in Säcken aus dem Wald."

Konvention gegen Kinderarbeit eher wenig wirksam

Die Elfenbeinküste hat die Konvention der Internationalen Arbeitsorganisation ILO unterschrieben, sie soll Minderjährige vor den schlimmsten Formen von Kinderarbeit schützen. Eine Kampagne der First Lady, Präsidentengattin Dominique Ouattara, ermahnt die Bauern, ihre Kleinsten zur Schule zu schicken, und nicht aufs Feld. Doch Kinderarbeit ist in der Landwirtschaft eher die Regel als die Ausnahme, und besonders auf den Kakaoplantagen müssen Kinder mithelfen – laut ILO sind es derzeit rund 800.000 – allein in der Elfenbeinküste. Nachgewiesen sind auch Fälle von Kinderhandel: Kleine Lohnsklaven, zwischen fünf und fünfzehn Jahren alt, werden nach wie vor in Burkina Faso oder in Mali gekauft – und landen auf den Plantagen in der Elfenbeinküste. Westafrikas Kinder leiden am Kakao, sagt Leon Adagra.

Kakao-Anbau an der Elfenbeinküste: Eine Arbeiterin spaltet eine Kakaobohne (Deutschlandradio / Alexander Göbel)Kakao-Anbau an der Elfenbeinküste: Eine Arbeiterin spaltet eine Kakaobohne (Deutschlandradio / Alexander Göbel)

"Manche Kinder bekommen einen Buckel, andere wachsen schlecht, viele erleiden auch einen Leistenbruch von den viel zu schweren Säcken. Oder sie haben mit zehn, zwölf Jahren schon eine Glatze, vom schweren Tragen auf dem Kopf. Auf jeden Fall aber haben viele Kinder Haltungsschäden."

Leon Adagra ist Landwirtschaftsberater. Er reist durch die Kakao-Anbaugebiete der Elfenbeinküste und versucht, die Bauern über die Folgen der Kinderarbeit aufzuklären. Langsam, erzählt er, werde den Menschen klar: Kinder gehörten nicht auf die Plantage. Nur bleibe vielen Bauern nichts anderes übrig, als billige kleine Arbeiter einzusetzen.

"Die Kinder verletzen sich mit den scharfen Macheten bei der Arbeit. Es gibt da immer wieder schlimme Beispiele von Entzündungen und Lähmungen. Ein Junge, zehn Jahre alt, der beste Schüler seiner Klasse, der hatte sich bei der Kakaoernte ins rechte Bein gehackt, dann hat sich die Wunde entzündet. Die Eltern hatten kein Geld für einen Arzt, die Wunde heilte nicht. Im Krankenhaus konnten sie dann nichts mehr tun, und der Junge kann heute nicht mehr laufen. Er rutscht nur noch auf dem Boden herum und sitzt zu Hause. In die Schule geht er nicht mehr ... Ja - und dann die Spritzmittel! Es gibt Kinder, die erblinden oder denen die Haare ausfallen – das kommt alles von der Chemie!"

Seinem Vater macht Mathis keinen Vorwurf, dass er als Erntehelfer arbeiten muss und nicht zur Schule gehen kann. Gott habe das so gewollt, sagt er. Seine Familie sei arm, trotz Kakao, oder gerade deshalb."Die Weißen, die Europäer, die machen Schokolade daraus. Die soll lecker sein, ganz süß. Aber ich habe sie noch nie probiert."

Die Elfenbeinküste, die Côte d'Ivoire, ist Westafrikas Kakaoland Nummer Eins. Die Branche boomt. Mit Kakao lässt sich in der Côte d'Ivoire wieder Geld verdienen, vor allem, seit die Regierung den Kilopreis festgelegt hat und viele Kakao-Kooperativen von internationalen Konzernen umworben werden.

Der Tai-Nationalpark: die grüne Lunge im Westen der Elfenbeinküste, an der Grenze zu Liberia. Ein Biosphärenreservat, mehr als 50.000 Fußballfelder groß. UNESCO-Weltnaturerbe. Das extrem seltene Zwergflusspferd ist hier noch zu Hause. Es gibt Waldelefanten, Schimpansen, und viele andere Tier- und Pflanzenarten. Parkdirektor Abdoulaye Diarrasouba zeigt Luftbilder – doch die haben mit der Idylle nichts zu tun: Der Park ist umzingelt von Plantagen, soweit das Auge reicht. Kautschuk, Palmöl, vor allem aber: Kakao.

"Der Druck auf den Park wird weiter zunehmen, da bin ich ganz sicher. Es kommen immer mehr Migranten aus den Nachbarländern, aus Burkina Faso und Mali. Sie sehen, dass sie hier Geld verdienen können mit dem Kakao – und sie lassen sich hier nieder. Aber weil es immer weniger freie Fläche gibt, versuchen sie, Tropenwald zu roden, weil der Boden dort dann sehr fruchtbar ist. Wir halten dagegen, so gut es geht, auch wenn es immer wieder illegale Camps und Plantagen gibt."

Rund 50 Mitarbeiter bewachen den Park, dazu noch ein paar Freiwillige – mit ihnen verhindert Diarrasouba das Schlimmste. Aber ein Teil der Parkfläche ist akut bedroht. Vom Kakao, der anderswo auf der Welt zu Schokolade verarbeitet wird.

"Wenn wir den Park nicht bewachen würden, gäbe es ihn längst nicht mehr. Ganz klar. Jeder würde hier reingehen, alles abholzen und Landwirtschaft betreiben, es wäre ein Fest für die Kakaobauern und all diejenigen, die es werden wollen!"

Zwei Millionen Tonnen Kakao pro Jahr

Der Parkdirektor ist sicher: Ohne die Hilfe aus Deutschland wäre der Tai-Park tot. Zerstört - wie andere Naturparks in der Elfenbeinküste. Die GIZ, die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, hat den Naturschutz in der Côte d'Ivoire auch während der schweren politischen Krisen der letzten Jahre unterstützt. Doch mit der Rettung des Parks ist es noch nicht getan. Andrea Wilhelmi-Somé, Projektleiterin der GIZ:

"Es gibt ja hier sozusagen Staatswälder, wo Kakao angebaut wird. Da ist es wichtig, dass der Bevölkerung klargemacht wird und auch der Privatwirtschaft, dass dieser Wald unbedingt geschützt wird – denn er ist für das Mikroklima verantwortlich, in dem der Kakao überhaupt erst wachsen kann."

Doch die Branche braucht viel Kakao - die Bauern wollen das schnelle Geld: auf Kosten ihrer eigenen Lebensgrundlage. Die Elfenbeinküste produziert derzeit fast zwei Millionen Tonnen Kakao im Jahr – davon kommt mehr als ein Drittel aus Plantagen, die in eigentlich geschützten Tropenwäldern liegen. Jedes Jahr werden 200.000 Hektar Wald gerodet. Brice Delagneau von der Umwelt-Organisation Amistad:

"Das Problem ist massiv – immer mehr Plantagen werden in diesen sogenannten "forêts classées" gepflanzt. Obwohl die eigentlich nicht angetastet werden dürfen. Das geht, weil alle korrupt sind, vor allem diejenigen, die die Wälder verwalten, die Präfekte, die Beamten. Wenn Du dort eine Plantage aufbauen willst, zahlst Du an die Behörde, keiner stellt Fragen, und Du hast Dein Feld – mit fruchtbarem Boden, mitten im Naturschutzgebiet!"

Ein Friedhof der Tropenbäume

Damit nicht genug. Wenn die Plantagen einmal da sind, stören die Waldriesen - die wertvollen Iroko-Bäume. Um zu verhindern, dass die Forstbehörde kommt, die Giganten fällt und damit die Plantagen beschädigt, vergiften die Bauern die Bäume. Mit einer Cadmium-Lösung. Die gerät ins Grundwasser, tötet die Iroko-Bäume und verwandelt sie in unbrauchbares Holz. Der Südwesten der Elfenbeinküste ist ein Friedhof der Tropenbäume. Wo einmal Regenwald war, stehen heute nur noch nackte, graue Riesenstifte – in einem Meer von Kakaoplantagen.

Ein ivorischer Kakaobauer hält geerntete Kakaobohnen in seinen Händen. (picture alliance / dpa / Gbekide Barnus)Der Westen will immer mehr Kakao - zulasten der Umwelt (picture alliance / dpa / Gbekide Barnus)

Die Welt isst den Regenwald auf: Europa, die USA, immer mehr auch Indien und China: Alle wollen hochwertigen Kakao, und zwar immer schneller und immer mehr: Allein 2014 wurden in der Elfenbeinküste fast zwei Millionen Tonnen Kakaobohnen geerntet. Die Nachfrage steigt. Mensch und Natur zahlen einen hohen Preis für den Boom. Aber der Preis für das Kilo Kakao bleibt niedrig. Zertifikate sollen helfen – Gütesiegel. Dafür unterwerfen sich die Kleinbauern strengen Kriterien – sie müssen nachhaltig und umweltschonend anbauen, Kinderarbeit ist tabu. Große Schoko-Konzerne brauchen hochwertigen, zertifizierten Kakao. Gütesiegel wie Fairtrade, Rainforest Alliance oder UTZ sollen dazu führen, dass die Kakaobauern besser bezahlt werden. Im Idealfall, sagt der Aktivist Brice Delagneau. Denn in weiten Teilen der Elfenbeinküste sehe die Kakao-Realität ganz anders aus.

"Es gibt große Produzenten und kleine. Der kleine verkauft zum Beispiel eine Tonne Kakao an den großen, und der verkauft alles zusammen weiter. Es gibt viele Fälle, bei denen es null Kontrolle gibt, bei denen wir nicht nachvollziehen können, ob das alles fairer Kakao ist, ob er aus zertifiziertem Anbau stammt. Das ist das Problem – dieser in weiten Teilen undurchsichtige Prozess der Produktionskette – vom Kakaobaum bis zum Hafen. Ich will wissen: Wer sind die Bauern, wer sind die Zwischenhändler, was für ein Kakao ist das?"

Zertifikate seien oft nur Augenwischerei, meint Brice Delagneau, auf jeden Fall seien sie kein Wundermittel, mit dem sich die Lebensbedingungen auf den Plantagen verändern ließen. Er selbst kreidet der Kakaobranche immer wieder an, sie hätte gar kein Interesse an fairen Preisen. Landwirtschaftsminister Mamadou Sangafowa dementiert:

"Die Regierung setzt sich derzeit mit Reformen dafür ein, dass der Bauer einen fairen Anteil am Ertrag bekommt. Wir wollen, dass diejenigen, die die Grundlage des Reichtums der Elfenbeinküste schaffen, auch ihr Stück vom Kuchen bekommen!"

Fakt ist aber: Die Bauern sind nach wie vor abhängig von den Käufern. Kakao-Multis kaufen ganze Ernten von Kooperativen ein – und diktieren den Preis. Bauern erhalten für ihre Ernte oft weniger als den vom Staat garantierten Fixpreis von derzeit umgerechnet 1,30 Euro. Deshalb können viele Kleinbauern noch immer nicht vom Kakao leben. Sie müssen Kakaobohnen über die Grenze nach Ghana schmuggeln oder nebenbei Gemüse anbauen, um ihre Familien zu ernähren. Fakt ist auch: In den meisten Dörfern der Elfenbeinküste, in denen Kakao für die ganze Welt geerntet wird, gibt es keinen Strom, kein fließendes Wasser, keine Straßen, keine Schulen.

San Pedro – die Handelsstadt mitten im Herzen des Kakaoanbaugebiets im Westen der Elfenbeinküste. Vom Reichtum durch Kakao ist auch hier nichts zu sehen. San Pedro hat die größte Armensiedlung Westafrikas, Straßen gibt es keine, dafür aber viel Korruption. Das Geld, das der Staat mit dem Kakao verdient, versickert hier buchstäblich in riesigen Schlaglöchern, in denen die schweren Lkw steckenbleiben.

Ein ganz anderes Bild bietet der Rohstoffhafen in der Lagune von San Pedro. Schwere Krananlagen made in Germany, gut asphaltierte Straßen, Arbeiter in Sicherheitskleidung. San Pedro ist das Tor zur Welt. Von hier aus wird der größte Teil der Reichtümer der Elfenbeinküste rund um den Globus verschifft: Holz, Kautschuk, Palmöl, Baumwolle, Kaffee – und sehr viel Kakao. Mehr als 700.000 Tonnen Kakaobohnen und vorveredelte Kakaomasse werden hier pro Jahr auf riesige Containerschiffe geladen – Tendenz immer weiter steigend. San Pedro ist schon jetzt der wichtigste Kakao-Hafen der Welt.

Marcel Bwazo ist der Mann, der den Kakao der Elfenbeinküste auf die Reise schickt – mit seiner Unterschrift gibt er die Containerladungen frei. Bwazo arbeitet für die staatliche Kakao-und Kaffeebehörde. In einem weißen Kittel steht er vor einer schier endlosen Wand von braunen Säcken. Immer wieder sticht er mit einer scharfkantigen Schaufel in die Säcke hinein - und prüft die Kakaobohnen.

"Bevor der Kakao verladen wird, muss ich schauen, ob die Normen erfüllt sind. Die Bohnen dürfen nicht mehr als acht Prozent Restfeuchtigkeit haben. Sonst verschimmeln sie. Die Bohnen müssen rein sein, es darf keine Verunreinigungen geben. Erst dann darf der Kakao aufs Schiff. Wir sind stolz auf unseren Kakao. Und wir wissen, dass die Kunden in aller Welt ein gutes Produkt erwarten. Deswegen sind wir sehr streng, wenn wir die Qualität überwachen!"

In den Lagern von San Pedro stapeln sich Hunderte, Tausende Säcke mit Kakaobohnen. Der Wert des braunen Goldes lässt sich kaum schätzen. Auf jeden Fall: ein Milliardengeschäft. Nicht für die Kakaobauern der Elfenbeinküste – aber für die Exporteure, die Schoko-Industrie. Frank Bremer, früher Landesdirektor der GIZ, heute Hotelbesitzer am Strand von San Pedro:

"Profitiert haben hier vor allem die Oberschicht und die internationalen Schokoladenhersteller. Weil der Preis so günstig war. Und da wird sich sicher in Zukunft was ändern müssen, und die Bauern artikulieren das ja auch immer stärker, dass sie faire Preise bekommen – damit sie mit dem Geld, das sie haben, nicht nur überleben, sondern auch ihren Betrieb entwickeln können."

Der Kakao der Elfenbeinküste geht als Rohstoff in alle Welt – industriell wird Schokolade anderswo daraus gemacht. Wie Schokolade schmeckt, wissen die Menschen an der Elfenbeinküste nicht - abgesehen von den Reichen. Sie können sich die teuer aus Europa importierten Pralinen leisten. Oder: Sie kaufen die Schokoladenkunst von Suzanne Kabbani. Sie ist die Chefin des "Maison du Chocolat Ivoirien" – der ersten, ausschließlich von Frauen geführten Schokoladenmanufaktur der Elfenbeinküste.

"Hier haben Sie eine Milchschokolade mit 53 Prozent Kakaoanteil, eine Praline mit 70 Prozent Kakao, hier haben wir Kokos, auf dem Feuerholz gegrillt, mit Kakao überzogen, hier frischen Ingwer – ebenfalls mit ivorischem Kakao, und das hier ist eine flüssige Kakaobohne mit Karamell überzogen."

"Wir sollten stolz sein auf unser Produkt"

Suzanne Kabbani stammt aus einer alteingesessenen libanesischen Familie, ist in der Elfenbeinküste aufgewachsen. Sie ist "Maître Chocolatier" - die erste und bislang einzige Schokoladenmeisterin in ganz Westafrika. Gelernt hat Suzanne Kabbani ihr Handwerk in Frankreich und Belgien, aber widmet es ganz ihrer Heimat – der Elfenbeinküste. Irgendwann will sie so viel Schokolade herstellen, dass sie sie exportieren kann: zertifiziert, fair gehandelt. Nach Europa, nach Russland, in andere afrikanische Länder. Suzanne Kabbani schwärmt von den "Grand Crûs" der Schokolade – den besten Sorten aus allen Anbaugebieten des Landes ... und sie will sich nicht entmutigen lassen. Weder von der undurchsichtigen Preispolitik, noch von den großen Konzernen.

"Kakao ist das wichtigste Produkt der Elfenbeinküste. Und mir geht es darum, den Menschen hier klarzumachen, dass sie nicht nur den Rohstoff exportieren müssen, sondern ein fertiges Produkt: Schokolade, hier hergestellt, angemessen bezahlt! Wir müssen daran glauben, Vertrauen haben in das, was wir haben. Wir sollten stolz sein auf unser Produkt. Made in Côte d'Ivoire!"

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