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StartseiteUmwelt und VerbraucherKampf gegen "Fliegenschiss-Naturschutz"28.04.2009

Kampf gegen "Fliegenschiss-Naturschutz"

In Brandenburg übernimmt eine Agentur die Gestaltung natureller Ausgleichsflächen

Wenn Flughäfen erweitert oder Autobahnen neu gebaut werden, dann muss dieser Eingriff in Natur und Landschaft ausgeglichen werden. Die Regeln, die das Bundesnaturschutzgesetz vorgibt, sind streng, werden aber nicht immer entsprechend umgesetzt. Wie man´s besser machen kann, zeigt das Land Brandenburg mit seiner Flächenagentur.

Von Claudia van Laak

Zahlreiche Amphibien kommen auf Autobahnen und durch die darauf fahrenden Fahrzeugen um. (AP)
Zahlreiche Amphibien kommen auf Autobahnen und durch die darauf fahrenden Fahrzeugen um. (AP)

Wer kennt sie nicht, die kleinen Teiche in den Kleeblättern der Autobahnkreuze? Sie sollen die Zerstörung der Natur durch den Autobahnbau ausgleichen. Nach unten mit Folie abgedichtet, oft ohne Bepflanzung, sind sie meist unansehnlich und ökologisch völlig unsinnig, sagt Anne Schöps, Geschäftsführerin der Brandenburger Flächenagentur:

"Die sind fatal für alle Amphibien, die sich dort heimisch fühlen wollen. Weil Amphibien die Eigenart haben, zwischen Überwinterungsplatz und Fortpflanzungsplatz zu wandern, und dann sind sie über die Autobahn gewandert und dann war Ende."

Die Liste der schlechten Beispiele lässt sich beliebig verlängern. Da werden zum Beispiel Bäume oder Hecken gepflanzt, die anschließend nicht gepflegt werden und als tote Zahnstocher in der Landschaft stehen. Das nutzt weder der Natur noch dem Menschen, sagt Anne Schöps. Die Flächenagentur Brandenburg bietet deshalb Investoren eine besondere Dienstleistung an: Gegen die Zahlung einer bestimmten Summe übernimmt sie die Verpflichtung zum Ausgleich der Naturschäden:

"Um endlich diesem Klein-Klein, man sagt auch Fliegenschiss-Naturschutz, um diesem entgegenzutreten, machen wir auf großflächigen Kulissen ökologisch hochwertige Sachen, die lange kontrolliert werden, die gebündelt umgesetzt werden und die vor allem weit vor dem Eingriff eingerichtet werden, um diesen zeitlichen Druck rauszunehmen."

Ein Beispiel: Das Oldenburger Unternehmen mdp plant und entwickelt Windparks, unter anderem im brandenburgischen Nauen, einer stark von der Landwirtschaft geprägten Region. Da die Windkraftanlagen einen Eingriff in die Natur darstellen, ist das Unternehmen verpflichtet, diesen auszugleichen. Dafür müssten wir eigentlich den Landwirten ringsherum Flächen abkaufen, sagt Prokurist Jan Köneke:

"Wenn wir jetzt also flächig Ausgleich schaffen müssen, würden wir dann nochmals in die Landwirtschaft eingreifen. Deshalb ist so ein Flächenpool, in der vorsorglich praktisch sinnvolle, zusammenhängende Ausgleichsmaßnahmen geschaffen werden, für uns eine sehr gute Alternative."

Private Investoren greifen gerne auf die Dienstleistungen der Flächenagentur zu, weil sie selber keine Fachleute im Unternehmen haben, die ein Naturschutzprojekt umsetzen könnten. So zahlt das Unternehmen mdp pro zu errichtender Windkraftanlage etwa 10.000 bis 30.000 Euro an die Flächenagentur und schließt mit ihr einen entsprechenden Vertrag ab. Das Geld fließt in diesem Fall in die Entwicklung eines Gebiets, das zuvor intensiv landwirtschaftlich genutzt worden ist. Die Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg als Muttergesellschaft der Flächenagentur sicherte sich die Flächen. Hecken wurden gepflanzt und Wälle errichtet, um das Wasser in der Landschaft zu halten. Somit ist beiden Seiten gedient - dem Investor und der Natur. Jan Köneke vom Windparkentwickler mdp lobt die Flächenagentur denn auch als investorenfreundlich:

"Gänzlich unkompliziert. Der Flächenpool stellt nämlich genau Flächen zur Verfügung, in dem Umfang, wie sie für eine bestimmte Maßnahme benötigt werden. Der Konsens ist schnell gefunden, das ganze wird vertraglich gesichert, und das war´s auch schon."

Auch das Saarland und Niedersachsen arbeiten mit ähnlichen Flächenpools, um Eingriffe in Natur und Landschaft sinnvoll auszugleichen. Brandenburg sieht sich mit seinem Modell allerdings als Vorreiter. Anne Schöps, Geschäftsführerin der Flächenagentur:

"Wir denken, dass wir mit dem Brandenburger Modell einen Weg beschreiten, der auch in anderen Bundesländern attraktiv sein kann. Das zeigt sich daran, dass andere Bundesländer seit Jahren bei uns um Hilfe und Rat bitten, wir auch mehrere Beratungsverträge haben, sehr erfreulich im Moment mit dem Land Baden-Württemberg, und wir aufgrund unserer Vorreiterrolle einen Bundesverband gegründet haben, wo wir unsere Idee anderen Bundesländern zur Verfügung stellen."

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