• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
Seit 10:10 Uhr Kontrovers
StartseiteForschung aktuellKampfmaschinen im Kleinstformat20.02.2006

Kampfmaschinen im Kleinstformat

Physiker erforschen Nanotechnik für das US-Militär

<strong>Technik. - Der Nanotechnik wird ein gewaltiges Potenzial attestiert, das sich auch Militärs erschließen wollen. Ein deutscher Physiker veröffentlichte jetzt dazu eine Arbeit, die Möglichkeiten der Nutzung wie auch der Kontrolle derartiger Waffen diskutiert.</strong>

Von Mathias Schulenburg

Nanotechnik könnte völlig neue Probleme der Rüstungskontrolle heraufbeschwören. (Stock.XCHNG / Pat-swan)
Nanotechnik könnte völlig neue Probleme der Rüstungskontrolle heraufbeschwören. (Stock.XCHNG / Pat-swan)

Jürgen Altmanns Buch ist derzeit das einzige weltweit, das sich aus akademischer Sicht mit den militärischen Anwendungen der Nanotechnologie befasst. Und diese Anwendungen müssen keineswegs futuristisch sein: allein wenn der Marsch der Mikroelektronik in den Nanokosmos fortgeschrieben wird, werden Waffensysteme denkbar, die neue Qualitäten aufweisen und unter Umständen zur Bedrohung auch für ihre Entwickler werden. Ein Beispiel: Kleinstflugkörper, die sich auch gegen Flugzeuge einsetzen lassen:

"Schon jetzt hat die Weltgemeinschaft ein großes Problem mit der Verbreitung der so genannten Man-PADs, Man Portable Air Defense Systems - also schultergetragene Flugabwehrraketen wie etwa der US-Typ "Stinger", der damals an die Taliban geliefert wurde, um gegen die sowjetische Militärkraft dort kämpfen zu können. Und die sind also zum Teil immer noch da und man versucht, sie jetzt gerade mit Mühe zurückzukaufen. Bei dem einen Attentat auf ein Zivilflugzeug in Kenia wurde ein solches Ding verwendet, und die haben immer noch 25 bis 40 Kilo und sind eineinhalb Meter lang. Aber mit Nanotechnik, wenn man das alles kombinieren würde, ist es denkbar, dass man so ein 30 Zentimeter Ding aus der Tasche zieht, grob in die Richtung hält, wo das Flugzeug kommt und dann auf den Knopf drückt und das stürzt sich dann zielgenau in das Cockpit und löst dort diese 200-Gramm-Sprengung aus und das Zivilflugzeug stürzt ab. Also da sehe ich ein großes Problem, und das ist jetzt ein Beispiel, wo man sieht, dass man eigentlich so etwas bräuchte wie ein weltweites Verbot von solchen Anwendungen."

Die Verifikation eines solchen Verbotes würde allerdings schwierig werden, räumt Jürgen Altmann ein, sie könnte schon an der Furcht mächtiger Industrieunternehmen scheitern, dass Konkurrenten so Einblick in ihre neuesten Entwicklungen bekommen. Was Verrat angeht, könnte künftig auch "elektronischer Staub" bedeutsam werden. Der Begriff umschreibt Kleinstsensorsysteme, eines Tages vielleicht in Sandkorngröße, die Schall, Licht, Wärme, und andere physikalische Größen erfassen und – vielleicht in einer Funkkette von Korn zu Korn – weiter geben können.

"Kleinstsensorsysteme, die mehr oder weniger autonom wären, die man, weil sie billig sind, in großen Mengen verstreuen könnte und die dann für das Militär ein Bild der Lage geben würden: Wo fährt jetzt welches Fahrzeug rum oder wer robbt da gerade wo. Und wenn man das dann im Militär fertig hat und das billig zur Verfügung steht, würden es sicherlich auch Geheimdienste und dann auch Sicherheitskräfte wie die Polizei auch verwenden und möglicherweise würde es auf dem Umweg über Waffenmärkte und Waffenexporte oder Nachbauten dann auch weltweit gestreut und würde von Unternehmen zur Industriespionage verwendet oder aber von terroristischen Gruppen, um Angriffe vorzubereiten und durchzuführen."

Wenn nanoskalig strukturierte Keramiken ihre Sprödigkeit verlieren, werden sie womöglich auch zu hochfestem Schießgerät verarbeitet werden können:

"Zum Beispiel metallfreie Schusswaffen und Munition, die also auf den herkömmlichen Röntgendurchstrahlungsgeräten und Induktionsspulen, die man etwa bei Flughäfen hat, nicht sichtbar wären. Dann müsste man sich was Neues überlegen, wie man dann kontrollieren will, ob jemand solche Dinge in der Tasche trägt oder im Schuh, irgendwo."

Viele dieser der Nanotechnologie zugeschriebenen Entwicklungen haben alte Wurzeln: die keramische Splittergranate etwa, deren Fragmente sich im Körper eines Verwundeten mit Röntgengerät nicht mehr ausmachen lassen, ist – als Gedanke - mindestens ein Vierteljahrhundert alt. Was zeigt, dass sich neue Techniken keineswegs segensreich entwickeln müssen und ständiger Kritik bedürfen. Jürgen Altmanns Buch ist ein sachkundiger Beitrag dazu.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk