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StartseiteCampus & KarriereKann denn Deutsch sexy sein?26.04.2011

Kann denn Deutsch sexy sein?

Die niederländische Jugend hält nicht viel von unserer Sprache

Uncool, langweilig und hässlich - das fällt niederländischen Schülern zur deutschen Sprache ein. Früher stand Deutsch fest auf dem Stundenplan, heute können sie nach zwei Jahren das Fach abwählen. Und das machen sie auch.

Von Vanessa Kern

Was würde Johann Wolfgang von Goethe vom heutigen Deutsch denken?  (AP Archiv)
Was würde Johann Wolfgang von Goethe vom heutigen Deutsch denken? (AP Archiv)

"Ja, da haben wir uns schon dran gewöhnt. Wenn wir Urlaub in Holland, Holland, dann machen wir uns nur wenig Sorgen darüber, mit der Sprache nicht klar zu kommen. Denn unsere Nachbarn sprechen doch meist deutsch – so kennen wir das zumindest. Doch das kann sich schnell ändern, denn die jungen Niederländer finden Deutschlernen überhaupt nicht mehr spannend."

Uncool, langweilig und hässlich - das fällt niederländischen Schülern zur deutschen Sprache ein. Während früher Deutsch fest auf dem Stundenplan stand, können die Niederländer heute nach zwei Jahren das Fach abwählen. Und das machen sie auch, stellt Professor Ton Nijhuis vom Duitsland Instituut Amsterdam fest. Eine aktuelle Studie zeigt: Über 70 Prozent der Schüler und Schülerinnen verbinden heutzutage rein gar nichts mehr mit Deutschland.

"Das Problem ist, dass Deutsch ein Image hat von einer Handelssprache. Es ist nicht sexy im gewissen Sinn und hat nicht die Idee von Spanisch oder Französisch, die etwas Exotisches haben."

Das hat Folgen. Auf den Fachhochschulen und Universitäten ist Deutsch als Wissenschaftssprache nicht mehr sehr populär. Da müssen auf einmal Kant, Nietzsche und Freud als Neuauflagen in Niederländisch erscheinen. Deutschstudenten, wie Anthoinette van Winkoop und Daan Groot gelten mittlerweile als Exoten.

Weniger als hundert Studenten pro Jahr schreiben sich an den niederländischen Hochschulen für Deutsch als Haupt- oder Nebenfach ein. Die Vrije Universiteit Amsterdam wird die Germanistik zum Ende des Jahres 2011 komplett schließen, an der anderen Universität in Amsterdam ist das Angebot auch dürftig: Neben Dozentin Nicole Colin gibt es noch eine weitere Lehrkraft für Germanistik.

"Also wir haben keinen Professor mehr für Germanistik. Und dadurch, dass wir so wenig Studenten haben, ist die Frage, ob uns die Universität noch mal einen Professor geben wird, fraglich. Und wir haben einen sehr sehr großen Deutschlehrermangel."

Ein Kreislauf, denn ohne gut ausgebildete Deutschlehrer wird es an den Schulen auch keinen guten Deutschunterricht geben.
Auch die Wirtschaft schlägt Alarm. Niels Koekoek von der DNHK, die Deutsch-Niederländische Handelskammer in Den Haag, ist besorgt. Deutschland ist der größte Handelspartner für die Niederlande.

"In Deutschland gibt's viele mittelständische Unternehmen, wo Englisch vielleicht nicht so verbreitet ist. Wenn ein niederländisches Unternehmen mit einem deutschen Unternehmen im Wettbewerb steht um einen Auftrag in Deutschland, hat das deutsche Unternehmen klar Vorteile, wenn das niederländische Unternehmen keine Mitarbeiter hat, die Deutsch sprechen."

Dass die deutsche Sprache wirtschaftlichen Erfolg bringen und auch ein Karrieresprung für Niederländer bedeuten kann, zeigt sich bei Michiel de Graaf. Als die Utrechter Käserei Wijngaard Kaas sich vor einigen Jahren überlegte, ihren Markt Richtung Deutschland zu erweitern, war das die Chance für den 31-jährigen Mitarbeiter, denn er spricht gut deutsch. Mittlerweile gehen über 20 Prozent der Käseproduktion nach Deutschland.

"Ich hab festgestellt, dass es sehr wichtig ist, die deutsche Sprache gut zu reden, weil man dann mit den Leuten auch die Produkte und was ich gerne verkaufen will, rüberbringen kann. Natürlich ist es auch wichtig, dass unsere Verkäufer gut deutsch sprechen, aber auch im Büro ist es wichtig, da natürlich auch deutsche Kunden anrufen."

Mit einer Aktionsgruppe, der sogenannten Actiegroep Duits wollen jetzt die Handelskammer und das Duitsland Instituut gemeinsam mit der deutschen Botschaft und andern deutschen Einrichtungen das Problem angehen. Und zwar an der Wurzel: an den Schulen. Der Unterricht soll attraktiver gestaltet und das Lernmaterial moderner werden. Als Anreiz für die Schulen gebe es ab sofort einen 'Tag der deutschen Sprache', erklärt Niels Koekoek. Hier werden besondere Projekte rund um das Fach Deutsch ausgezeichnet:

"Das kann ein Filmprojekt sein oder ein Literaturprojekt oder ein Austausch mit einer deutschen Schule, um Aufmerksamkeit für die deutsche Sprache zu bekommen."

Der erste 'Tag der deutschen Sprache' ist für Anfang nächsten Jahres geplant. Bis dahin sollen möglichst auch im Unterricht, der bisher meist auf Niederländisch läuft, Lehrer und Schüler überwiegend Deutsch reden. Und um zu zeigen, was man mit Deutsch alles machen kann, wird schon bald ein sogenanntes Deutschmobil unterwegs sein. Es fährt zu den Schulen, informiert über Berufschancen, aber auch über Deutschland selbst und vielleicht zeigt sich hier dann doch, dass auch Deutsch ein bisschen sexy sein kann.

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