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Seit 19:05 Uhr Kommentar
StartseiteDLF-MagazinKann es Hannes?04.10.2012

Kann es Hannes?

Hannes Rockenbauch kandidiert für den Stuttgarter OB-Posten

Am Sonntag wählen die Stuttgarter einen neuen Oberbürgermeister. Einer der Kandidaten: Hannes Rockenbauch, Sprecher des Aktionsbündnisses Stuttgart 21 und seit acht Jahren im Stadtrat. Es dürfte nur ein Achtungserfolg werden - doch Rockenbauchs Ideen finden Gehör.

Von Michael Brandt

Hannes Rockenbauch kandidiert für den OB-Posten in Stuttgart (picture alliance / dpa - Rainer Jensen)
Hannes Rockenbauch kandidiert für den OB-Posten in Stuttgart (picture alliance / dpa - Rainer Jensen)

Der junge Mann, der eben das Foyer der Stuttgarter Handwerkskammer betritt, sieht aus wie ein Student. Ausgebeulte Jeans, ein dunkles Samtsakko, Umhängetasche, die roten Haare mühsam zu einem Scheitel gebändigt und am Revers ein Button mit der Aufschrift "Hannes Kannes":

"Ich weiß gar nicht, von wem das wirklich stammt. Das war ein Spruch, der irgendwie im Facebook diskutiert wurde und wir fanden das ganz witzig und richtig, hier mit so einem selbstbewussten Statement reinzugehen."

Mit Hannes ist der junge Mann selbst gemeint, denn er ist Hannes Rockenbauch, seit acht Jahren Stadtrat in Stuttgart, Sprecher des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21, seit einigen Monaten Oberbürgermeisterkandidat und in Stuttgart bekannt wie ein bunter Hund.

"Super, ich muss sagen, ich find ihn seit Stuttgart 21 mit dem Stresstest und der Schlichtungsrunde da, fand ich eigentlich schon, er ist halt jung und ungestüm, aber das ist ok."

"Also ich finde ihn wirklich sehr erfrischend und ich finde auch die Ideen toll, die er hat. Das ist keine Frage."

An diesem Abend nimmt er an einer der letzten Podiumsdiskussionen vor der OB-Wahl teil. Von insgesamt 14 Bewerbern haben die Veranstalter die Vier mit den meisten Chancen eingeladen und Rockenbauch ist einer von ihnen. Veranstalter dieser Runde ist das Stadtplanungsform Stuttgart, ein lockerer Zusammenschluss von Architekten und Stadtplanern, denen Stuttgart am Herzen liegt. Ein älterer Herr mit Fliege am Hals und einem spitzbübischen Grinsen im Gesicht kommt auf Rockenbauch zu, gibt ihm die Hand und klopft mit dem Finger auf den Hannes-Kannes-Button. "Gefällt mir" sagt er und leitet den 32-Jährigen zu seinem Platz auf das Podium. Es ist Hans Werner Kastner, der Vorsitzende des Stadtplanungsforums. Wenig später wird er ihn so vorstellen:

"Hannes Rockenbauch, Stadtrat, anfangender Berufskollege mit allen guten Wünschen für den Berufsweg."

Rockenbauch ist tatsächlich Architekt, im vorigen Jahr hat er sein Studium abgeschlossen und arbeitet jetzt als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni. Bei der Diskussion zwischen den Kandidaten geht es um Stadtplanung und Verkehr. Um das Problem, dass der Platz im Stuttgarter Talkessel begrenzt ist. Um die Frage, wie man damit am besten umgeht.
Rockenbauch sieht das so:

"Jetzt müssen natürlich mit dieser knallharten Vorgabe, dass es naturräumliche Grenzen gibt, und die gibt's gerade in Stuttgart, trotzdem hinkriegen, dass sich diese Stadt, so vielfältig und bunt sie ist, toll weiterentwickeln kann. Und ich glaube, das ist gar kein Problem."

Damit drückt er sich zwar genaugenommen um eine eigene Antwort, bemerkenswert sind seine Beiträge dennoch. Denn Rockenbauch führt diesen Wahlkampf weitgehend ohne das Thema, das ihn bekannt gemacht hat: Stuttgart 21. Hier zum Beispiel, wenn es um die Frage geht, wie die Energiewende in Stuttgart finanziert werden soll:

"Und dann haben wir, auch, wenn wir hier auf Stuttgart 21 verzichten, das notwendige Geld für die Investitionsprogramme, die ich vorgeschlagen habe. Wir müssen das ja auch irgendwie finanzieren, wenn man die Energiewende hinkriegen will und da bin ich gespannt auf die Vorschläge meiner Kollegen."

Nach den derzeitigen Umfragen kann Rockenbauch bei der Wahl am Sonntag mindestens mit einem Achtungserfolg, einem zweistelligen Ergebnis rechnen. Auch bei der Podiumsdiskussion kommt es gut an, dass er geschickt und leidenschaftlich argumentiert und nie der Eindruck entsteht, als bete er nur seine Wahlkampfsprüche runter. Das schätzen die Zuhörer, auch die politischen Gegner:

"Mir hat er gut gefallen, sehr frisch, er hat eine wichtige Rolle in Stuttgart gespielt und die spielt er immer noch."

"Er ist ein kundiger Gemeinderat, der natürlich sehr profiliert auftritt."

In den Umfragen allerdings haben Fritz Kuhn von den Grünen und der parteilose Sebastian Turner, der CDU, FDP und Freie Wähler hinter sich hat, die Nase vorn. Rockenbauch und die SPD-Kandidatin Bettina Wilhelm werden aber voraussichtlich dafür sorgen, dass es einen zweiten Wahlgang gibt - Rockenbauch:

"Das Schöne, was die Umfrage jetzt schon zeigt: Es gibt auf jeden Fall einen zweiten Wahlgang. Keiner muss taktisch wählen oder das kleinere Übel wählen. Sondern wir können wirklich aus Überzeugung wählen, was wir eigentlich wollen und ein politisches Zeichen setzen. So müssen wir uns keinen Hirnschmalz zerbrechen, was wir eigentlich strategisch wollen. Das können wir dann immer noch im zweiten Wahlgang machen."

Dann wird es spannend. Im zweiten Wahlgang bei OB-Wahlen in Baden-Württemberg ist keine absolute Mehrheit nötig – es gewinnt der Kandidat mit den meisten Stimmen. Die Frage wird also sein, ob Rockenbauch seine Kandidatur aufrechterhält oder ob er sie zurückzieht, und möglicherweise eine Wahlempfehlung für den Grünen Fritz Kuhn abgibt, die am Ende die Entscheidung bringen könnte. Diese Frage wird ab Sonntagabend im Mittelpunkt des Interesses stehen. Nicht nur in Stuttgart. Denn dass diese OB-Wahl auch außerhalb der Schwaben-Metropole sehr aufmerksam beobachtet wird, beweist schon die Tatsache, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel vor der zweiten Runde einen Wahlkampfauftritt für Sebastian Turner eingeplant hat.

Auch im Foyer der Handwerkskammer in Stuttgart geht es nach dem offiziellen Teil bei Sekt und Trollinger um diese Frage. Und was die Position Rockenbauchs angeht, ist die Meinung hier ziemlich eindeutig. Eine politische Begabung, gut, dass er kandidiert, aber als OB wollen ihn die Stuttgarter nicht. Noch nicht.

"Glaub ich nicht."

"Auf keinen Fall OB, also nicht ernst zu nehmen."

"Wenn er sieht, er hat keine Chance, finde ich, sollte er aufgeben."

"Wenn er einigermaßen schlau ist, und das ist er auf jede Fall, denk ich nicht, dass er auf jeden Fall dranbleibt, denn er hat im Endeffekt keine Chance."

"Ich finde, wenn er ein bisschen älter ist, wird er gut."

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