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StartseiteDokumente der Woche"Arbeit vom frühen Morgen bis zum späten Abend"20.10.2014

Karl Wilhelm Fricke über das Ende der DDR"Arbeit vom frühen Morgen bis zum späten Abend"

Karl Wilhelm Fricke hat sich seinen Kommentar von vor 25 Jahren noch einmal genau angehört und ist sich ganz sicher: "Mit dem Wissen von damals würde ich ihn genauso wieder schreiben."

Karl Wilhelm Fricke im Gespräch mit Thielko Grieß

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Karl Wilhelm Fricke (privat)
Karl Wilhelm Fricke (privat)
Weiterführende Information

"Der Deutschlandfunk war Rundfunk im Kalten Krieg"
(Deutschlandfunk, Zeitzeugen im Gespräch, 25.12.2013)

Dem SED-Regime ein Dorn im Auge
(Deutschlandradio Kultur, Thema, 03.09.2009)

"Die Wunden sind noch nicht vernarbt"
(Deutschlandfunk, Interview mit dem Journalisten Karl-Wilhelm Fricke, 13.08.2007)

Eckhard Jesse (Hrsg.): Die Revolution und ihre Folgen. 14 Bürgerrechtler ziehen Bilanz.
(Deutschlandfunk, Politische Literatur (Archiv), 18.09.2000)

Das Gespräch bezieht sich auf das Dokument der Woche, 18.10.1989 DLF-Kommentar zum Wechsel von Erich Honecker auf Egon Krenz

Im Oktober 1989 kommentiert er skeptisch, bezweifelt ob Egon Krenz die Kraft zur Erneuerung besitze. Dieser sei, wie schon Honecker vor ihm, umgeben von altgedienten Kadern, deren Bereitschaft zum Dialog und Wandel Fricke für wenig ausgeprägt hält.

Fricke, damals leitender Redakteur des Deutschlandfunks, erinnert sich an die oft langwierige Suche nach Informationen über das Herrschaftssystem der DDR und seine führenden Köpfe. Die Kolleginnen und Kollegen in Köln und Berlin versuchten zu analysieren, was verfügbar war:  Presseausschnitte, alles, was in Funk und Fernsehen gesendet wurde, Biographien. Sobald es die Möglichkeit zur Einreise in die DDR gab, packte Fricke seine Koffer, um sich selbst ein Bild zu verschaffen.

Der Deutschlandfunk in der Zeit des Umbruchs

Die Ereignisse im Herbst 1989, die in schnellem Takt die DDR erschütterten, hielten Fricke oft von morgens bis spät abends im Sender. Viel Arbeit sei es gewesen, aber auch eine Zeit der Genugtuung – wenngleich das seiner Arbeit möglichst nicht anzuhören sein sollte: Der Deutschlandfunk war ein Informationssender. "Er war Sender im Kalten Krieg, er hat niemals Kalten Krieg im Sender gemacht."

Karl Wilhelm Fricke - Journalist und DDR-Opfer

Frickes journalistisches Lebenswerk ist untrennbar mit der DDR verbunden - und er wusste genau, worüber er berichtete. Er gehörte zu den Entführungsopfern, die vom Ostberliner Ministerium für Staatssicherheit 1955 gewaltsam in die DDR gebracht wurden. Er war vier Jahre in Haft, unter anderem in Bautzen. Wieder in Freiheit, setzte er ab den 1960er-Jahren seine Arbeit im Westen fort, im Mittelpunkt standen dabei immer der SED-Staat und seine Repressionsmechanismen.

Im Deutschlandfunk avancierte Fricke zum Leiter der Ost-West-Abteilung und stellvertretenden Chefredakteur. Nach dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung war er auch Sachverständiger zweier Enquetekommissionen des Bundestages und bekam für seine Aufklärungsarbeit über die SED-Diktatur von der Freien Universität Berlin die Ehrendoktorwürde verliehen. 2010 erhielt er den Hohenschönhausen-Preis des Fördervereins Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen.

 

 

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