Samstag, 18.11.2017
StartseiteKommentare und Themen der WocheÖl ins Feuer der Separatisten30.10.2017

KatalonienÖl ins Feuer der Separatisten

Mit seiner Asyleinladung für Carles Puigdemont wolle der flämische Separatist Theo Francken wohl auch die Abspaltungsdiskussion in Belgien befeuern, kommentiert Karin Bensch. Es sei nun höchste Zeit, dass mehr Menschen in Europa klar machten, dass sie zusammen und nicht getrennt leben wollten.

Von Karin Bensch

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Ein Banner mit einem Herzen aus den Flaggen Kataloniens, Spaniens und Europas tragen Menschen bei dem Protest in Barcelona in Katalonien (Spanien) gegen die Pläne der Regionalregierung Katalonien zur Abspaltung von Spanien.  (picture alliance/ dpa/ Nicolas Carvalho Ochoa )
Ein Herz für Europa, Spanien und Katalonien: Demonstranten bei einer Kundgebung in Barcelona, bei der sie sich gegen die Abspaltungspläne aussprachen (picture alliance/ dpa/ Nicolas Carvalho Ochoa )
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Es ist skurril, was da gerade im katalanischen Politthriller passiert. Flämische Separatisten in Belgien unterstützen katalanische Separatisten. Schon am Wochenende hatte der belgische Migrationsminister Theo Francken Vorschub geleistet. Der Rechtspopulist und Separatist hatte ganz deutlich Sympathie für Puigdemont bekundet. Und ließ es die Bombe platzen, in dem er sagte, es wäre nicht unrealistisch, dass der Katalane Asyl in Belgien beantragt. Das war eindeutig als Einladung gemeint. Und auch als Provokation gegen die belgische Regierung, die Franckens Vorstoß scharf kritisiert hat. 

Rechtlich ist es möglich, dass ein EU-Bürger einen Asylantrag in Belgien stellt. Doch im Fall Puigdemont ist es sehr zweifelhaft, ob ein solcher Antrag erfolgreich wäre. Glaubt man belgischen Medien, trifft der abgesetzte katalanische Regierungschef Anwälte und politische Vertreter in Brüssel. Und das genau an dem Tag, an dem die spanische Generalstaatsanwaltschaft Anklage gegen ihn erhoben hat. Klingt nicht nach einem Zufall, sondern eher danach, dass Puigdemont die juristischen Möglichkeiten ausloten und sich möglicherweise einer Verhaftung in seiner Heimat entziehen will. 

Flandern als eigenständiges Land

Skurril ist auch, dass Puigdemont nun in Brüssel ist. An dem Ort, an dem die EU-Kommission sitzt, die sich bislang nicht in den Konflikt zwischen Katalonien und Spanien einmischen wollte, weil sie ihn als eine innere Angelegenheit Spaniens bewertet. 

Der Flame Theo Francken, der die Asyleinladung ins Spiel gebracht hatte, er benutzt den Separatismuskonflikt in Spanien wohl auch, um die Abspaltungsdiskussion in Belgien zu befeuern. Denn seine Partei, die N-VA, will seit langem, dass Flandern unabhängig von Belgien wird. Allerdings nicht Knall auf Fall, wie die katalanischen Separatisten das wollen, sondern in einem schleichenden Prozess, in dem Flandern immer mehr Rechte bekommt und irgendwann ein eigenständiges Land wird.

Es ist kein Zufall, dass Theo Francken Öl ins Separatistenfeuer gegossen hat, während hunderttausende Katalanen gegen die Abspaltung ihrer Region von Spanien demonstrierten. Francken will den Konflikt am Köcheln halten, in einer Zeit, in der viele Menschen deutlich machen, dass sie beides sein können und wollen – Katalanen und Spanier. Und genau das ist der Grundgedanke der Europäischen Union. Einheit in Vielfalt. Das haben die Separatisten in Katalonien nicht verstanden. Und das will auch Theo Francken aus Flandern nicht verstehen. 

Es ist höchste Zeit, dass mehr Menschen in Europa auf die Straße gehen und klar machen, dass sie zusammen leben wollen, nicht getrennt. Und, dass eine Minderheit von Separatisten keine Chance hat, Europa zu zersplittern.

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