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StartseiteVerbrauchertippKundenrechte bei Verkaufspartys 13.03.2018

Kauf und WiderrufKundenrechte bei Verkaufspartys

Haushaltswaren, Kosmetik oder Dessous - trotz Onlinehandels ist der Vertriebsweg der Verkaufsparty für viele Produkte geblieben. Doch gelten hier auch die gleichen Regeln, beispielsweise beim Widerruf? Die Stiftung Warentest hat verdeckt an Verkaufspartys teilgenommen.

Von Dieter Nürnberger

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Ein Mann präsentiert drei jungen Frauen Plastikgeschirr der US-Marke Tupperware in einer privaten Küche. (AFP /  Jean-Philippe Ksiazek)
Eine "Tupper-Party" im privaten Kreis (AFP / Jean-Philippe Ksiazek)
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Die Idee kam aus den USA. Dort bot das Unternehmen "Tupper" Ende der 40er Jahre erstmals auf einer Verkaufsparty eine luft- und wasserdichte Vorratsdose an. Eine Verkaufsstrategie, die auch hierzulande populär wurde. Und trotz eines längst boomenden Onlinehandels ist der Vertriebsweg einer Verkaufsparty bis heute geblieben.

Meist wird man von Bekannten oder Freunden angesprochen - und recht schnell ist so etwas wie eine verkaufsfördernde Stimmung hergestellt, sagt Michael Sittig. Er ist Redakteur bei der Stiftung Warentest, für die er verdeckt an den Verkaufspartys teilnahm.

"Ich glaube, man würde sich so ein bisschen schämen gegenüber dem einladenden Gastgeber, wenn man einfach nur konsumieren würde. Den Sekt, die Brezeln - und dann nach Hause gehen würde. Insofern: Ich habe es beim "Thermomix" erlebt - wir haben ja tatsächlich gekocht. Man hat bei der Anwendung auch gleich gesehen, dass das Ding funktioniert und es die Arbeit erleichtert. Das ist das Schöne: Bei Verkaufspartys hat man wirklich das Erlebnis mit dem Gerät."

14-tägige Frist für den Widerruf

Doch nach dem Kauf wurden der "Thermomix" und die anderen Produkte aus den Testkäufen wieder zurückgeschickt - unabhängig von der Qualität der Ware. Dabei zeigten sich Verfahrensfehler, beispielsweise bei den gesetzlich vorgeschriebenen Widerrufsbelehrungen. Sie waren teilweise versteckt und kaum lesbar. Adressat einer Rücksendung ist in der Regel nicht der Verkäufer auf der Party, sondern der Hersteller oder das Vertriebsunternehmen. Generell gilt - wie auch beim Online-Shopping - eine 14-tägige Frist für den Widerruf.

"Wichtig zu wissen ist, dass die Widerrufsfrist, diese zwei Wochen also, erst dann beginnen, wenn ich die Ware bekomme. Denn nachdem, was ich erlebt habe, wird die Ware eigentlich nie an dem Abend selbst ausgeliefert, sondern ich kriege sie zugeschickt. Und bei begehrten Geräten kann dies schon mal eine Weile dauern - ein oder zwei Wochen. Und dann beginnen diese 14 Tage tatsächlich erst, wenn ich das Gerät habe.

Anbieter muss Geld zurück erstatten 

Einige Anbieter haben nach dem Widerruf versucht, die Kunden mit einem Gutschein abzuspeisen. Doch das ist nach Gesetzeslage nicht zulässig. Ebenso Regeln, wonach das Produkt nur unbenutzt und oder in Originalverpackung zurückzuschicken sei.

Warentester Michael Sittig: "Die Vertreterin von 'Tupperware' hat mir zunächst gesagt, ich könnte nur widerrufen, wenn ich im Originalkarton zurückschicke und die Ware müsse noch verpackt sein. Das ist alles Unfug, mit Verlaub. Ich darf die Ware natürlich ausprobieren, das alles schließt den Widerruf nicht aus."

Probleme kann es aber bei der Zurücksendung von Erotik- und Hygieneartikeln geben. In der Untersuchung verschickte Anbieter "Amorelie" bestimmte Produkte wie einen Vibrator oder einen Massagestein nur mit einer Versiegelung. Wird diese aufgebrochen oder entfernt, ist eine Erstattung nach derzeitigem Recht ausgeschlossen.

Unterschiedliche Handhabung bei der Rücksendung

Bleibt noch das Porto. Hier können die Händler selbst regeln, ob Kunden von Verkaufspartys die Kosten für die Rücksendung übernehmen müssen.

"Bei 'Amorelie' heißt es auf der Internetseite und bei 'Vorwerk' in den Widerrufsbelehrungen, dass der Kunde bei einem Widerruf das Rücksendeporto zu bezahlen hätte. Zu meiner Überraschung habe ich aber trotz dieser Regelung kostenlose Retourscheine zur Verfügung gestellt bekommen. Insofern eine positive Überraschung, aber zunächst sah es aus, als sei es kundenunfreundlich gelöst."

Fazit der Stiftung Warentest: Auch wenn es bei einzelnen Aspekten des Widerrufrechts Schwierigkeiten gab, gilt der Grundsatz: Wer auf einer Verkaufsparty etwas erworben hat, kann zu Hause in Ruhe noch einmal überlegen, ob er das Produkt auch wirklich möchte.

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