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StartseiteSport am Wochenende"Kein Interesse an Dopingkontrollen"07.08.2013

"Kein Interesse an Dopingkontrollen"

Dopingstudie wirft schlechtes Licht auf den Fußball

Der deutsche Fußball-Bund steht im Zwielicht. Er soll die Arbeit der Berliner Forscher zum Doping in der Bundesrepublik massiv behindert haben.

Von Philipp May

Urinproben in Reagenzgläsern (Deutschlandradio - Hendrik Maaßen)
Urinproben in Reagenzgläsern (Deutschlandradio - Hendrik Maaßen)

Das sagt der Historiker Erik Eggers, einer der Autoren der Forschergruppe.

"Das war eine sehr ominöse Angelegenheit, die man als Historiker keinesfalls akzeptieren kann und die ich als Wagenburg-Taktik empfunden habe."

So habe der DFB dem Forscherteam um Eggers den Zugang zu seinen Archiven verweigert. Es sei denn, sie geben eine Ihrer Quellen preis: ein Brief, der belegt, dass bei drei deutschen Nationalspielern während der Fußball-Wm 1966 Spuren des schon damals verbotenen Aufputschmittels Mittels Ephedrin gefunden wurden. Die Forscher lehnten ab, die Fußball Archive blieben für sie verschlossen.

Bewusstes Doping beim deutschen Heiligtum, der Nationalell mit Größen wie Seeler und Beckenbauer? Michael Vesper Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes, glaubt das nicht. Er nimmt die DFB-Elf von einst in Schutz. So sei Ephedrin damals ein gängiges Schnupfenmittel gewesen.

" Daraus zu schließen, dass die gesamte Mannschaft gedopt war, das ist schon zu hinterfragen, ob man eine solche Aussage auf einen einzigen Brief stützen kann."

Doch auch über den Ephedrin-Fall bei der Nationalelf hinaus gebe es reichlich Anhaltspunkte dafür, dass Doping schon lange im Fußball eine große Rolle spielt, sagt Forscher Erik Eggers. So hätten er und seine Kollegen beispielsweise herausgefunden,

"dass zum Beispiel im Berliner Leistungsfußball anabole Steroide benutzt wurden im Fußball schon Mitte der 60er Jahre. Wir wissen von diesen Studien aus Italien, dass dort zwei Drittel der italienischen Profis (19)61 voll wie Eimer waren."

Erkenntnisse, die sich mit den Erfahrungen des ehemailgen Sprinters Manfred Ommer decken. Der Olympiateilnehmer von 1972 hatte in seiner Karriere selbst aktiv gedopt. Später war er Präsident des damaligen Bundesligisten FC Homburg. Er wunderte sich schon damals, dass es bis 1988 im deutschen Fußball überhaupt keine Kontrollen gab.

"Ich weiß, was meine Spieler natürlich konsumiert haben, aber der DFB hat gar kein Interesse an Dopingkontrollen gehabt und niemand hat sie gewollt. Und als sie stattfanden, muss man sagen, die hatten mit dem, was ich aus anderen Sportarten kannte, nicht viel zu tun." "

Der über Jahrzehnte gepflegte laxe Umgang mit dem Thema Doping, er könnte dem Deutschen Fußballbund jetzt auf die Füße fallen. Doch dazu müssten endlich Namen genannt werden, wer sich im Doping-System West die Finger schmutzig gemacht hat. Denn anders als im Osten, deren Staatsdopingsystem nach der Wende akribisch aufgearbeitet wurde, sind die Täter im Westen weitgehend unbekannt. Ines Greipel, ehemalige DDR-Sprinterin und Vorsitzende des Doping-Opfer-Hilfeverein, ärgert das:

"Diese Anonymisierung dieses Vorganges im Westen, das finde ich sehr, sehr seltsam und das ist nicht hinzunehmen, weil bezogen auf die Ost-Geschichte: Ross und Reiter wurden genannt, Leute wurden verurteilt und Entschuldigung, das geht so nicht."

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