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StartseitePISAplusKeine Bildung ohne Medien26.03.2011

Keine Bildung ohne Medien

Medienpädagogischer Kongress in Berlin

Wie keine andere Generation sind die Jugendlichen heute mit Medien ausgestattet. Und trotzdem sagen Forscher und Pädagogen: es gibt immer noch Defizite hinsichtlich der Medienkompetenz. In Berlin wurde darüber auf dem "Medienpädagogische Kongress" diskutiert.

Von Sarah Tschernigow

Medienkompetenz bedeutet nicht nur technisch mit dem Rechner fit zu sein. (Stock.XCHNG / Norbert Machinek)
Medienkompetenz bedeutet nicht nur technisch mit dem Rechner fit zu sein. (Stock.XCHNG / Norbert Machinek)

Horst Niesyto, Chef des Medienkongresses und der Initiative "Keine Bildung ohne Medien" hat genaue Vorstellungen davon, wie Medienkompetenzförderung auszusehen hat:

"Ich denke, was die Schule direkt betrifft, ein wichtiger Schritt wäre, wenn Mindeststandards von Medienbildung für verschiedene Altersstufen definiert würden. Auch auf Bundesebene! Dass endlich mal diese bildungspolitische Kleinstaaterei aufhört ... Und diese sind in den einzelnen Fächern zu verankern!"

Natürlich bemüht sich die Politik, sagt er. Aber heraus kämen immer nur kurzweilige Projekte. Nur mal drei Wochen übers Internet zu reden und dann nicht mehr, reiche nicht. Er fordert daher eine Umstrukturierung in der pädagogischen Ausbildung.

"Langfristig fände ich es besser, wenn alle Studierenden in pädagogischen Studiengängen eine medienpädagogische Grundausbildung bekommen, dafür sensibilisiert werden. Dass sie sich auch spezialisieren können und später andere Kollegen mit einbeziehen und motivieren können."

Und darin sind sich alle Kongressteilnehmer, überwiegend Pädagogen, einig. Aus der Medienforschung ist bekannt, dass Kinder und Jugendliche zwar rein technisch unglaublich gut mit Handy und Internet umgehen können. Aber es mangelt ihnen daran, die Inhalte solcher Medien kritisch filtern. Das sagt auch Gabriele Lonz, ehemalige Lehrerin und Koordinatorin des Referats Medienkompetenz im Pädagogischen Landesinstitut Rheinland Pfalz.

"Sei es ein falsche Klick auf einer Spieleseite, wo sie plötzlich ein Abo haben, sei es, dass sie im Chat nicht drauf achten feinfühlig zu sein, ob die Person, mit der sie chatten wirklich dahinter steckt. Die virtuelle Welt ist für sie real. Deshalb müssen wir sie medienkompetent machen, damit sie kritisch, reflektiert, selbstbewusst in dieser Welt agieren können."

Ein zentrales Thema auf dem Kongress war das sogenannte "Cyber Mobbing". Eine aktuelle Umfrage der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft fand heraus, dass knapp jeder dritte zwischen elf und 20 Jahren schon einmal Opfer von Lästereien im Internet geworden ist. Lehrerin Gabriele Lonz sagt aus eigener Erfahrung ganz klar: soziale Plattformen, wie Facebook und StudiVZ, müssen mit den Schülern besprochen werden.

"Wenn die in so einer Community sind, sind die je nach Alter der Meinung: Das ist in meiner Community, das kann ja die ganze Welt gar nicht sehen! Und da muss man daran arbeiten, dass sie bewusster damit umgehen, was sie da hochladen, wen sie da zeigen und welche Konsequenzen das haben kann."

Keinem Kongressteilnehmer ging es darum, Kinder und Jugendliche stärker zu kontrollieren oder ihnen den Zugang zu bestimmten Plattformen zu erschweren. Stattdessen sollen sie fit gemacht werden für die virtuelle Lebenswelt. Denn Medienkompetenz, auch darin war man sich einig, wehre nicht nur Gefahren ab, sondern eröffne auch den Horizont für Chancen:

"Das Wissen der Welt steht ihnen zur Verfügung, sie können sich vernetzen! Und dieses Wissen zu nutzen, wenn man diese Kompetenz nicht hat, dann haben sie ein Problem."

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