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"Keine Distanz zur Hitler-Zeit"

Hamburger Künstler kritisieren Exponate

Von Werner Nording

Peter Tamm zeigt auf den zukünftigen Standort des Hamburger Schifffahrtsmuseums. Die Ausstellung seiner privaten Exponate aus NS-Zeiten ist umstritten.
Peter Tamm zeigt auf den zukünftigen Standort des Hamburger Schifffahrtsmuseums. Die Ausstellung seiner privaten Exponate aus NS-Zeiten ist umstritten. (AP)

Das "Internationale Schifffahrtsmuseum" in Hamburg soll 2007 eröffnet werden. Die Exponate sorgen für Unruhe. Sie stammen aus der privaten Sammlung von Peter Tamm, einem ehemaligen Vorstand des Axel-Springer-Konzerns, und umfassen auch NS-Orden und Kriegswaffen. Ohne richtige Einordnung hinterlassen sie einen äußerst unangenehmen Eindruck. Jetzt hat sich eine Künstlerinitiative gegründet, die auf die Risiken des öffentlich geförderten Museumsprojekts hinweist.

Eine Führung durch das "Wissenschaftliche Institut für Schifffahrts- und Marinegeschichte" an der feinen Hamburger Elbchaussee. Der frühere Verleger des Axel Springer Verlags, Peter Tamm, hat in dem ehemaligen Nobelhotel in kleinen Vitrinen zigtausende von Exponaten aus der Seefahrt ausstellen lassen.

In vielen Sälen werden Waffen, Uniformen, Kriegsschiffmodelle aber auch NS-Devotionalien zur Schau gestellt. Lühr Henken, Vorstandsmitglied des Hamburger Forums für Völkerverständigung und weltweite Abrüstung war nach einem Besuch vor allem schockiert von der Anhäufung nationalsozialistischer Herrschaftszeichen.

"Ich glaub es ist größte Hakenkreuz-Sammlung, die es in Hamburg gibt, viele Dienststempel aus der Nazi-Zeit, was besonders auffällt sind große Admiralsstäbe der Hitler-Zeit von den Großadmirälen Reeder und Dönitz, hakenkreuzübersät, alles in einer Vitrine weihevoll dargestellt, überhaupt keine Distanz zu der Hitler-Zeit, das ist das, was den Besucher schockieren muss."

Der Informationskreis Rüstungsgeschäfte im Hamburger Abrüstungsforum hat ein kleines Büchlein mit dem Titel "Tam Tam" herausgegeben, um über die Sammlung zu informieren. Hintergrund sind die Pläne der Stadt Hamburg, die Tamm-Sammlung künftig in einem Internationalen Schifffahrtsmuseum zu präsentieren.

Im Juni wurde der Grundstein gelegt, ein alter Kaispeicher wird für das neue Museum komplett umgebaut. 30 Millionen Euro hat die Stadt Hamburg beigesteuert, außerdem die mietfreie Überlassung des Speichers für 99 Jahre. Hamburg hofft mit der Sammlung weltweit zu glänzen. Zudem soll das Museum zum Besuchermagneten für den neuen Stadtteil in der Hafencity werden.

Obwohl die Hamburger Bürgerschaft die enorme Förderung des neuen Tamm-Museums mit Steuergeldern bereits gebilligt hat, sind Kulturschaffende nach der Veröffentlichung des kritischen Begleitbüchleins aufmerksam geworden und haben eine Künstlerinitiative gegründet.

"Künstler informieren Politiker" hat die Initiative ihre Aktion leicht ironisch bezeichnet. Jedes Mitglied der Künstlerinitiative wendet sich in diesen Wochen persönlich an einen Abgeordneten der Bürgerschaft, um sie oder ihn über die Inhalte des Tamm-Museums aufzuklären.

Vielleicht waren die Abgeordneten zu dem Zeitpunkt, wo sie dem Tamm-Museum zugestimmt haben, nicht optimal über dessen Inhalte informiert, gibt die Internetkünstlerin Cornelia Sollfrank zu bedenken, die die Künstlerinitiative auf die Beine gestellt hat. Das künftige Tamm-Museum drohe die deutsche Kriegs- und Rüstungsgeschichte zu beschönigen, meinen die Hamburger Kulturschaffenden. Frau Sollfrank sagt, was sie befürchten:

"Eine eindeutig tendenziöse Darstellung von Geschichte die vom Großmachtsbegriff von Deutschland ausgeht, die unreflektiert kriegs- und gewaltverherrlichend ist, plus dass es einfach ein Geschichtsbild transportiert auch an ganz normale Leute, an Kinder und Schulklassen, was man sich wirklich nicht wünschen kann, das ist wirklich nicht notwendig, dass das passiert."

Beobachter weisen zudem darauf hin, dass Peter Tamm Herausgeber des Hamburger Verlags Koehler-Mittler sei, in dem bekannte Rechtsradikale ihr Gedankengut veröffentlichen könnten. Wenn Tamm das alleinige Recht habe, das wissenschaftliche Konzept seines neuen Museums umzusetzen, sei zu befürchten, dass das Museum zu einer Wallfahrtsstätte für Ewig-Gestrige wird.

Peter Tamm weist das zurück. Der 77-Jährige hat sich mit dem Museum einen Lebenstraum erfüllt. Er will sich nicht in Konzeption des Hauses hineinreden lassen.

"Entweder zeige ich Geschichte ganz oder ich lasse es nach, ich könnte genauso gut aus Sowjetschiffen den Sowjetstern herausnehmen, ich kann ja nicht Geschichte danach zeigen ob sie mir gefällt oder nicht, sondern die Wahrheit ist entscheidend, die Fakten, ich meine wenn ich anfange, über Napoleon kann man sich auch streiten, war auch ein Verbrecher, dann kann ich Geschichte nachlassen, dann ist es besser ich schreib' Romane."

Der Hamburger CDU-Bürgermeister Ole von Beust findet die Befürchtungen der Künstlerinitiative übertrieben. Es sei sicher, dass das neue Tamm-Museum keinen Anlass für ein öffentliches Ärgernis gebe.

"Ich denke, man wird sicherstellen müssen, dass ein Überblick kommt über maritime Geschichte, dazu mögen auch Symbole gehören, die einem selber furchtbar finden, die aber zu einer Geschichte gehören genauso wie Schiffe, die Hammer und Sichel dranhaben, das ist ja keine Identifizierung mit dem Symbol, sondern Teil der Geschichte, die man nicht verleugnen kann, das muss museumspädagogisch vernünftig dargestellt werden, dass es kein Wallfahrtsort wird für Ewig-Gestrige oder solche Leute, mit denen man nichts zu tun haben will, das muss sichergestellt werden."

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