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Seit 11:05 Uhr Gesichter Europas
StartseiteUmwelt und VerbraucherKeine Energiewende ohne neue Leitungen17.07.2012

Keine Energiewende ohne neue Leitungen

Bürgerbeteiligung beim Netzausbau in Niedersachsen

Um Windenergie von der Küste ins Binnenland zu transportieren, müssen Stromleitungen in Richtung der südlichen Ballungszentren gelegt werden. Eine der drei durch Niedersachsen geplanten Leitungen führt über 60 Kilometer von Ganderkesee bei Bremen nach St. Hülfe bei Diepholz. Jetzt wird gestritten, ob die Kabel ober- und unterirdisch verlegt werden.

Von Christina Selzer

Muss der Großteil der Kabel wirklich oberirdisch verlaufen? Diese Frage stellen sich viele Anwohner der geplanten Stromtrassen.  (AP)
Muss der Großteil der Kabel wirklich oberirdisch verlaufen? Diese Frage stellen sich viele Anwohner der geplanten Stromtrassen. (AP)

Rund 100 Interessierte sind zu der Informationsveranstaltung in Ganderkesee gekommen. Es geht darum, wo die geplante neue Stromtrasse zwischen Ganderkesee und St. Hülfe verlaufen soll und wie viele Kilometer als Erdkabel verlegt werden. Diese Höchstspannungsleitung gehört zu den drei längsten in Niedersachsen, deren Planung schon am weitesten fortgeschritten ist. Gleich zu Beginn betonte der niedersächsische Umweltminister Stefan Birkner von der FDP:

"Ohne den Umbau der Stromnetze, kann der Fortschritt bei der Nutzung der erneuerbaren Energien eben nicht zur Erfolgsgeschichte werden."

Ohne Akzeptanz der Bevölkerung, werde die Energiewende nicht gelingen. Vor allem der ländliche Raum werde von den Folgen betroffen sein. Streit gibt es um die Art der Stromtrasse: Konkret geht es um die Zahl der Erdverkabelungsabschnitte: Nach Ansicht der niedersächsischen Umweltbehörde müsste die Leitung an sieben Stellen insgesamt 28 Kilometer unter die Erde. Der Netzbetreiber Tennet will aber nur an zwei Stellen Erdkabel verlegen, insgesamt nur 6,6 Kilometer. Das Ministerium pocht auf das Energieleitungsausbaugesetz, kurz EnLAG. Dieses Gesetz schreibt Erdverkabelungen vor, wenn die Trasse näher als 400 Meter an Wohnhäusern oder Schutzgebieten und näher als 200 Meter an Gewerbegebieten entlangläuft.

Die erste Stufe, das Raumordnungsverfahren, ist schon abgeschlossen. Jetzt müsste Tennet den Antrag auf ein Planfeststellungsverfahren stellen. Umweltminister Birkner will aber, dass Tennet seine Anträge nachbessert.

"Wir erwarten von Tennet, das ist Gegenstand des Streits, dass dort wo nach den Vorgaben des EnLAG Verkabelungen aufgrund von Siedlungsannäherungen notwendig sind, auch entsprechende Erdverkabelungen beantragt werden als Gegenstand des Planfeststellungsverfahrens, das ist bisher nicht erfolgt und darum, dreht sich der Streit."

Tennet will aber nicht nachgeben. Das Unternehmen klagt deshalb vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, damit das Planfeststellungsverfahren beginnen kann. Tennet hält Erdkabel für wirtschaftlich nicht sinnvoll, auf Strecken, an denen wenig Menschen wohnen. Horst-Lutz Schäfer, Projektleiter bei Tennet, erklärt das anhand einer Landkarte, die den Streckenverlauf zeigt.

"Wenn wir uns mal angucken würden, drei Häuser, 50 Millionen in die Hand nehmen, wer kann mir da erklären, dass das technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist. Auf dieser Seite von Ganderkesee: ein Haus, egal ob es 27 oder 30 Millionen sind, aber für ein Haus, technisch wirtschaftlich sinnvoll? Und das sind die Probleme, die uns umtreiben."

Ein weiteres Argument: Die Technik sei noch nicht ausgereift, so dass eine Versorgungssicherheit noch nicht gewährleistet werden könne. Deshalb sei das ganze auch als Projekt angelegt. Für die betroffenen Gemeinden Ganderkesee und Harpstedt bedeutet das jetzt, abwarten, wie der Streit zwischen dem Land Niedersachsen und dem Netzbetreiber Tennet ausgehen wird. Sie kämpfen seit Jahren gemeinsam gegen die Stromtrasse und wollen erreichen, dass Kabel unter die Erde kommen. Die Bürgermeisterin von Ganderkesee Alice Gerken-Klaas fordert

"Eine Erdverkabelung, auf der gesamten Strecke, auf jeden Fall dort, wo eine Nähe zur Nähe zur Wohnbebauung besteht, das ist also unsere Position, und wir hoffen, dass das so umgesetzt wird."

Alice Gerken-Klaas bekennt sich zum Ausbau der Windkraft. Sie sieht sich und die Bürger ihrer Gemeinde auch nicht als Verhinderer der Energiewende.

"Es gibt eben diese Strahlungsbelastungen, die sind erwiesen, auf der anderen Seite müssen wir einfach sehen, es ist das Landschaftsbild, das beeinträchtigt wird. Und aus diesen beiden Gründen - Schutzgut Mensch und Schutzgut Natur - halten wir es für wichtig, dass es in Teilbereichen, hoffentlich sogar in ganzen Bereichen, zu Erdverkabelung kommt."

Den schwarzen Peter sieht sie ganz klar bei Tennet. Der Netzbetreiber blockiere in Wirklichkeit den Bau der Stromleitungen, in dem er nicht einlenke.

Zum Themenportal "Zukunft der Energie"

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