Samstag, 18.11.2017

Keine Transfergesellschaft für Air BerlinEin Armutszeugnis

Anders als bei Opel oder der Telekom wird es für Air Berlin keine große Transfergesellschaft geben. Viele der Mitarbeiter würden deswegen mit schlechten Konditionen in die Arbeitslosigkeit wandern. Ein Armutszeugnis für die Politik - aber auch für die Lufthansa, kommentiert Dieter Nürnberger.

Von Dieter Nürnberger

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Flugzeuge der Gesellschaften Air Berlin und Lufthansa in Berlin-Tegel. (imago / Rüdiger Wölk)
Knallende Sektkorken auf der einen Seite, Wut auf der anderen - die Lufthansa ist nicht bereit, sich an einer Auffanggesellschaft für die Air-Berlin-Mitaarbeiter zu beteiligen (imago / Rüdiger Wölk)
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An schwarzen Tagen hat es den Air-Berlin-Mitarbeitern in der Vergangenheit wirklich nicht gemangelt. Jahrelang schrieb Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft rote Zahlen, im Unternehmen wurde gekürzt und gestrichen, doch die Insolvenz ließ sich nicht vermeiden. Heute ist ein weiterer tiefschwarzer Tag für die Belegschaft, denn eine große Transfergesellschaft für etwa 4.000 Beschäftigte wird es nicht geben. Somit steht nun endgültig fest, dass am Wochenende Tausende ihre Kündigung erhalten werden.

"Wut der Gewerkschaften und Beschäftigten ist nachvollziehbar"

Gebraucht wurden rund 50 Millionen Euro. Die sollten vor allem von den Bundesländern kommen, in denen Air Berlin die wichtigsten Standorte hat. Doch lediglich Berlin und im deutlich geringeren Maße Nordrhein-Westfalen sind bereit zu zahlen, Bayern verweigert sich. Auch Air Berlin selbst wird Geld beisteuern. Finanzielle Fehlanzeige jedoch beim Bund, der im Sommer mit einem 150-Millionen-Euro-Überbrückungskredit für Air Berlin den Betrieb aufrechterhalten hat und somit auch die Attraktivität für spätere Käufer. Doch dem ersten Schritt folgt nun kein zweiter.

Auch die Lufthansa will nichts geben für eine Transfergesellschaft. Der Marktführer also, der einen Großteil von Air Berlin übernimmt. Es soll nur noch eine kleine Transfergesellschaft geben - für gut 1.000 Beschäftigte, vor allem des bisherigen Bodenpersonals und der Technik am Standort Berlin.

Die Wut der Gewerkschaften und Beschäftigten ist deshalb nachvollziehbar. "Ausgerechnet die Lufthansa" werden sie rufen. Der Marktführer, der heute einen Rekordgewinn von 1,75 Milliarden Euro vor Steuern und Zinsen für 2016 bekannt gegeben hat, und der auf lange Sicht am meisten vom Air-Berlin-Deal profitieren wird.

"Keine gute Lösung"

Somit wird weitgehend die öffentliche Hand, der Steuerzahler also, allein für die geschrumpfte Transfergesellschaft aufkommen müssen. Keine gute Lösung. Eine solche Auffanggesellschaft soll von Arbeitslosigkeit bedrohten Beschäftigten bessere Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt bieten. Durch Qualifizierung und durch fachliche Weitervermittlung. Das alles wird es jetzt im Fall von Air Berlin nur im Kleinformat geben.

Als woanders Massenentlassungen anstanden, wurden große Transfergesellschaften gegründet. Bei Opel beispielsweise ebenso wie bei der Telekom. Solche Gesellschaften sind gewiss kein arbeitsmarktpolitisches Allheilmittel. Denn natürlich ist eine erfolgreiche Vermittlung in den Arbeitsmarkt auch vom Alter des Betroffenen und der bisherigen Qualifikation abhängig, eine Garantie gibt es nicht. Und doch ist jeder Erfolg wichtig.

Jene, die nicht von Lufthansa oder den anderen Teil-Käufern direkt übernommen werden oder in der kleinen Auffanggesellschaft unterkommen, wandern nun mit schlechten Konditionen in die Arbeitslosigkeit. Ein Armutszeugnis für die sich verweigernden Politiker. Und natürlich für die Lufthansa, deren Aktienkurs aufgrund der guten Geschäftslage heute die Sektkorken an der Börse knallen ließ.

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