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StartseiteCampus & KarriereBildung als Weg aus dem Gefängnis27.12.2017

KeniaBildung als Weg aus dem Gefängnis

Peter Ouko saß in der Todeszelle, als er begann, Jura zu studieren. Noch im Gefängnis schaffte er das Examen der Universität London. Inzwischen ist er frei und hat eine Mission: Als Botschafter für das "African Prisons Project" setzt Ouko sich dafür ein, dass Häftlinge unterrichtet werden.

Von Antje Dieckhans

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Mehrere Gefängnisinsassen sitzen in einem Schulzimmer in ihre Prüfungsblätter vertieft. Aufgenommen in einem Gefängis im kenianischen Naivasha am 4. November 2014. (imago / Xinhua Afrika)
Kenianische Gefängnisinsassen legen ihr Examen für das Kenya Certificate of Primary Education (KCPE) ab. (imago / Xinhua Afrika)
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Etwas schwerfällig schwingt das Gefängnistor auf. Peter Ouko tritt hindurch. Hinter ihm wird gleich wieder abgeschlossen.

Eine Routine, die seit langem zu seinem Leben gehört. 18 Jahre lang saß er im Gefängnis. Einen Großteil davon in der Todeszelle. Doch inzwischen kommt Peter nur noch als Besucher. Und wird wie ein Star begrüßt.

Der große - eigentlich fast schon riesige - Mann ist in Kenia tatsächlich eine Berühmtheit. Denn als erster Häftling machte er sein Juraexamen an der Universität von London. Noch während er im Gefängnis saß. Peter war als Mörder verurteilt worden.

"Es war einfach Folter"

"Meine Frau wurde tot vor einer Polizeistation gefunden. Als ich dorthin ging, um herauszufinden, was geschehen war, sagten einige Leute, dass ich eingesperrt werden sollte."

Obwohl es kaum Beweise gab, bekam Peter - damals 28 Jahre alt - die Todesstrafe. Er landete im Hochsicherheitsgefängnis. Viele Jahre sollte er kaum noch das Tageslicht sehen.

"Es war einfach Folter. In den ersten fünf Jahren war ich 23,5 Stunden am Tag eingesperrt. Wegen eines Verbrechens, das ich gar nicht begangen hatte. Aber ich wusste immer, dass es eines Tages vorbei sein würde."

Die Todesstrafe wurde in eine Haftstrafe umgewandelt. Schließlich wurde Peter begnadigt. In einem neuen Prozess will er seinen Namen endgültig rein waschen. Das ist seine Mission. Die zweite ist, Gerechtigkeit für andere zu schaffen.

"Viele unschuldige Menschen im Gefängnis"

Deshalb ist er heute in Langata, dem Frauengefängnis in Nairobi. Etwa 600 Frauen sitzen hier ein. Ihre Zellen sind eher einfach gemauerte Häuser. Dicht an dicht stehen darin zwei Dutzend Etagenbetten. Die Matratzen hängen durch, der Putz blättert von den Wänden. Aber es ist alles sehr sauber und ordentlich, meint Insassin Lyn Ogonda.

Sie ist einer von Peters Schützlingen. Denn er ist inzwischen Botschafter des "African Prisons Project". Der Organisation, die auch ihm damals half, als er im Gefängnis Jura studierte.

"Im kenianischen Rechtssystem gibt es so viele unschuldige Menschen, die im Gefängnis dahin siechen. Wenn jemand kein Verbrechen begangen hat, sollte er dafür auch nicht büßen müssen - nur weil das Rechtssystem nicht gerecht ist."

Ausbildung zu Rechtsanwaltsgehilfinnen

Noch mal extra gesichert steht auf dem Gefängnisgelände ein strahlend neues Gebäude. Darin die Unterrichtsräume des "African Prisons Project".

"Das hier ist sozusagen unsere Kommandozentrale. Wir versuchen, alles so nutzerfreundlich und bequem wie möglich einzurichten. Wie jede Kanzlei, die man außerhalb findet."

Lyn gehört zu den 20 Insassinnen, die als Rechtsanwaltsgehilfinnen ausgebildet werden. Von Peter und anderen Dozenten. Auch einige Wärterinnen nehmen an den Kursen teil. Sie beraten dann die anderen Häftlinge, wenn sie vor Gericht ihre Strafe anfechten wollen.

"Dieses Jahr habe ich schon sieben Erfolgsgeschichten", erzählt Lyn. Die Frauen konnten nach Hause gehen. "Wir sind sehr glücklich".

"Viele Kenianer kennen ihre Rechte nicht"

Das nächste Projekt ist ein eigenes College für angehende Juristen. Außerdem soll eine Rechtsanwaltskanzlei außerhalb der Gefängnisse aufgebaut werden - geführt von ehemaligen Häftlingen.

Peter hat seine Berufung gefunden. Verhindern, dass andere - so wie er - ein Opfer des Justizsystems werden.

"Das ist meine Leidenschaft. Ich arbeite mit Häftlingen und mit Leuten außerhalb der Gefängnisse. Viele Kenianer kennen ihre Rechte nicht."

Das will Peter ändern. Mit der gleichen Kraft und Beharrlichkeit, die ihn in der Todeszelle zum Jurastudenten machte.

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