Sonntag, 17.12.2017
StartseiteUmwelt und VerbraucherDer Kampf gegen Bilharziose27.12.2016

Kenia Der Kampf gegen Bilharziose

Der Kontakt mit dem Wasser des Victoriasees in Kenia kann lebensgefährlich sein. Dort lauern mikroskopisch kleine Parasiten, die für die Tropenkrankheit Bilharziose verantwortlich sind. An den Folgen der Krankheit sterben weltweit jährlich bis zu 200.000 Menschen.

Von Linda Staude

Kenianische Forscher suchen immer noch nach einem Impfstoff gegen Bilharziose (Deutschlandradio/Linda Staude)
Kenianische Forscher suchen immer noch nach einem Impfstoff gegen Bilharziose. (Deutschlandradio/Linda Staude)
Mehr zum Thema

Schimmelpilzstudie in Kenia Vergiftete Lebenschancen

Studieren in Kenia Bildung mit deutscher Unterstützung

Deutsches Hochschulengagement in Afrika Strukturen aufbauen, Flucht verhindern

Die Wellen des Viktoriasees schwappen träge um die Reifen eines weißen Kleinlasters. Ein Autowäscher füllt einen Eimer im flachen Uferwasser und schäumt die verdreckte Ladefläche ein.

Direkt daneben stehen andere knietief in den schmutzig-braunen Fluten und wienern Limousinen, Geländewagen und ein hellblaues Motorrad. Die Autowäsche im See ist wenig umweltfreundlich – und sie ist hochgefährlich, sagt Simeon Ogalla:

"Nach ungefähr drei Monaten fängt man an, sich schwach zu fühlen. Dir ist ständig schwindelig und Du willst die ganze Zeit nur schlafen."

Im Wasser lauert ein winziger Parasit: Ein Saugwurm, der durch die Haut in den Körper eindringt und sich in lebenswichtigen Organen einnistet, erklärt Maurice Odiere vom Kenianischen Medizinischen Forschungsinstitut KEMRI. Die Folge ist eine in Deutschland wenig bekannte Krankheit namens Bilharziose.

Viele Kenianer waschen ihre Autos im Victoriasee. (Deutschlandradio/Linda Staude)Viele Kenianer waschen ihre Autos im Victoriasee. (Deutschlandradio/Linda Staude)

Harmlose Anfangssymptome können lebensgefährlich werden

"Anders als die großen drei - Malaria, Tuberkulose und HIV - ist das eine chronische Infektion. Man kann sie eine ganze Weile haben, bevor man sich wirklich krank fühlt. Und selbst dann ist sie nicht wie Malaria, die einen ins Bett zwingt. Man fühlt sich lethargisch, bekommt Bauchschmerzen."

Die eher harmlosen Anfangssymptome können ohne Behandlung lebensgefährlich werden: Langfristig drohen Nierenversagen, Leberfibrose, Ödeme in der Lunge, Darmentzündungen oder Blasenkrebs. Bilharziose fordert jedes Jahr weltweit bis zu 200.000 Todesopfer, schätzt die Weltgesundheitsorganisation. 

"Das Schöne an diesen Infektionen ist, dass es eine effektive Behandlung gibt. Das ist Praziquantel, ein sehr sicheres Medikament. Es gibt also ein Heilmittel, aber einen Impfstoff haben wir noch nicht."

Ohne den bedeutet jeder Kontakt mit dem wurmverseuchten Wasser eine Neuinfektion. Und Seewasser wird ständig gebraucht in einer Gegend, in der es kaum Trinkwasserleitungen gibt, sagt die 13-jährige Esther:

"Ich benutze es zum Kleiderwaschen, zum Baden und habe es für unsere Tiere geholt. Aber das habe ich jetzt geändert. Ich kaufe Wasser und gebe es unseren Tieren."

Bessere Aufklärung

Wenn sie es sich leisten kann. Im Rahmen seiner Forschungsarbeit behandelt das KEMRI Schulkinder und besonders gefährdete Seeanwohner nicht nur kostenlos gegen Bilharziose, sondern klärt auch auf. Forscher John Ogusso Kuche:

Wir raten den Leuten normalerweise, Toiletten zu benutzen. Aber nicht jeder tut das. Toiletten sind eine gute Idee, wenn die Leute den See vermeiden und sie benutzen, um den Lebenszyklus des Parasiten zu unterbrechen. 

Denn die Eier des Wurms werden mit Kot oder Urin ausgeschieden und landen wieder im See, wenn der als die oft einzige verfügbare Toilette benutzt wird. Aber die regelmäßige Behandlung von Infizierten hilft, diesen Teufelskreis zu unterbrechen, erklärt Maurice Odiere.

"Sie verhindert keine Neuinfektionen, aber sie kontrolliert die Häufigkeit, mit der die Krankheit auftritt. Mit der Zeit bringt man die Verbreitung so weit herunter, dass nur sehr wenige Menschen krank sind und Eier ausscheiden. Am Ende kann man die Krankheit so eindämmen oder sogar gänzlich ausrotten."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk