• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 09:30 Uhr Essay und Diskurs
StartseiteKommentare und Themen der WocheZündelei zu Lasten der Ärmsten10.08.2017

Kenia nach den WahlenZündelei zu Lasten der Ärmsten

Dass die Wahlen bisher nicht in einem blutigen Desaster auf der Straße geendet haben, sei ganz sicher nicht dem Oppositionsführer Raila Odinga zu verdanken, kommentiert Linda Staude im Dlf. Der spiele mit dem Feuer, wenn er sich - entgegen der Wahlergebnisse - zum Wahlsieger erkläre. Darunter würden vor allem die Menschen in den Slums leiden.

Von Linda Staude

Ein Demonstrant steht in Nairobi neben einer brennenden Barrikade und hält ein Schild mit der Aufschrift: "Kein Raila, kein Frieden" (AFP / Tony Karumba)
In einem Slum in Nairobi brennt es - Ergebnis einer "Zündelei" der Kenianischen Opposition? (AFP / Tony Karumba)
Mehr zum Thema

Präsidentschaftswahlen Störungsfreier Wahltag in Kenia

Parlaments- und Präsidentschaftswahl Millionen Kenianer haben gewählt

Wahlen in Kenia Kicken für den Frieden

Es ist absolut unverzeihlich, wie sich die Opposition in Kenia in den vergangenen beiden Tagen nach der Wahl aufgeführt hat. Spitzenkandidat Raila Odinga hat schon lange vor dem Wahltag "Foul" geschrien und der Regierung vorgeworfen, dass sie die Wahlergebnisse manipulieren wird. Und damit hat er auch nach Schließung der Wahllokale weitergemacht.

Falsche Vorwürfe seitens der Opposition

Erst hat sein Team vorausgesagt, das elektronische Wahlsystem würde am Mittag des Wahltages abgeschaltet, die Abstimmung manuell fortgesetzt und gefälscht - hat nicht gestimmt. Dann waren es die Rohdaten aus den Wahllokalen, die ein purer Schwindel gewesen sein sollen - auch nicht richtig.

Ein paar Stunden später hieß es, dass Hacker den Zehn-Punkte-Vorsprung von Amtsinhaber Uhuru Kenyatta in die Wahlcomputer programmiert haben sollen. Und schließlich der Vorwurf, dass die Wahlkommission absichtlich ganz andere Ergebnisse veröffentlicht, als sie in ihren Datenbanken gespeichert hat. Kurz: Egal, was die Wähler sagen, die Wahlkommission oder die internationalen Wahlbeobachter, Odinga hat gewonnen und muss bei seinem vierten Versuch endlich Präsident werden.

Unverantwortliches Spiel mit dem Feuer

In vielen Teilen der Welt wäre das lediglich das beleidigte Verhalten eines schlechten Verlierers. In Kenia ist das viel schlimmer - nämlich ein unverantwortliches Spiel mit dem Feuer.

Jeder weiß, dass die unterschwelligen Spannungen zwischen den Volksgruppen in Wahlzeiten ganz schnell zu blutigen Ausschreitungen führen können. Das war schließlich 2007 bereits der Fall, als mehr als 1.200 Menschen starben.

Diesmal hatten viele in Nairobi so große Angst vor Gewaltausbrüchen, dass sie spätestens nach der Stimmabgabe ihren wertvollsten Besitz eingepackt haben und aufs Land geflüchtet sind. Und kaum hatte die Opposition ihre erste Wahlbetrugspressekonferenz gegeben, sind ihre Anhänger auch schon auf die Straße gegangen - und mit den Sicherheitskräften aneinander geraten.

Freund der Armen?

Raila Odinga ist im Wahlkampf als der große Freund der Armen aufgetreten und hat in den Slums die treuesten Anhänger. Da ist es geradezu zynisch, dass seine Zündelei vor allem zu Lasten der Ärmsten geht: Die können aus Angst vor neuen Unruhen ihre Geschäfte nicht öffnen oder ihrer Arbeit nachgehen und verlieren damit ihr ohnehin winziges Einkommen.

Es mag ja sein, dass die Opposition tatsächlich Grund zu Klage hat und dass es Probleme bei der Wahl gab, die außer ihr niemandem aufgefallen sind. Aber dafür gibt es auch in Kenia legale Beschwerdewege, die alle Parteien im Vorfeld der Wahl mühsam ausgehandelt haben. Aber Petitionen vor Gericht sind natürlich mühsam, müssen mit Beweisen unterfüttert werden und bekommen längst nicht so viele Schlagzeilen wie Pressekonferenzen über ein angebliches Wahldesaster.

Dass die Wahlen bisher nicht in einem blutigen Desaster auf der Straße geendet haben, ist ganz sicher nicht Raila Odinga zu verdanken, sondern den meisten seiner Anhänger in den Slums, die ihre Ruhe bewahrt haben - allen aufpeitschenden Reden zum Trotz.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk