Sonntag, 21.01.2018
StartseiteVerbrauchertippProfitieren vom Schadensfreiheitsrabatt16.11.2017

Kfz-HaftpflichtProfitieren vom Schadensfreiheitsrabatt

Sowohl die Haftpflicht- als auch die Kaskoversicherung fürs Auto sinken im Laufe der Jahre, wenn keine Unfälle gemeldet werden. Um den sogenannten Schadensfreiheitsrabatt zu erhalten, kann es sich lohnen, bei einem kleineren Unfall selbst zu bezahlen.

Von Thomas Wagner

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Ein Abschleppunternehmen im Auftrag des ADAC schleppt am 30.04.2014 in Berlin ein Auto ab. (dpa / Hauke-Christian Dittrich)
Bei kleineren Schäden kann es sich lohnen, selbst in die Tasche zu greifen. (dpa / Hauke-Christian Dittrich)
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Es hat gekracht. Aber Glück im Unglück: Schließlich kommt die Haftpflichtversicherung des Unfall-Verursachers für mögliche Schäden bei der Gegenseite auf. Allerdings:

"Dann muss ich mir genau überlegen, bei einem kleinen Schaden, ob ich den eventuell sogar selbst reguliere", erklärt Edgar Dietenberger, Versicherungsmakler aus Friedrichshafen. Einen Schaden aus eigener Tasche bezahlen, obwohl doch eine Versicherung dafür aufkommt? Das klingt im ersten Moment seltsam – aber dafür kann es gute Gründe geben. Und die hängen mit einer Art Belohnungssystem für unfallfreie Autofahrer zusammen, dem sogenannten Schadensfreiheitsrabatt:

"Das heißt: Ich bekomme einen Bonus, wenn ich schadenfrei fahre und verliere diesen Bonus dann wieder, wenn ich diesen Schaden verursache und dieser dann zu einer Entschädigung führt."

Dieses Bonus-System ist bei fast allen Kfz-Versicherern in 35 sogenannte Schadensfreiheitsklassen untergliedert. Ein Jahr unfallfreies Fahren bedeutet für den Kfz-Halter: Die Einstufung in die nächstbessere Schadensfreiheitsklasse. Dadurch wird die Versicherung um einige Prozentpunkte pro Jahr günstiger. Wer dagegen einen Unfall verursacht, wird im Jahr darauf in eine schlechtere Schadensklasse herabgestuft – die Versicherung wird dann also teurer. Normalerweise jedenfalls, erklärt Marion-Maxi Hartung, Versicherungsexpertin beim ADAC:

"Man kann die Rückstufung vermeiden, wenn man das tatsächlich selber zahlt. Also sprich: Die Versicherung leistet. Und man erstattet der Versicherung dann die Entschädigung zurück."

Nicht direkt am Unfallort entscheiden

Ob es sich lohnt, den Schaden selbst zu begleichen, sollten Versicherungskunden gut überlegen und ausrechnen - und nicht übereilt am Unfallort eine Entscheidung treffen oder gar ein Schuldeingeständnis unterschreiben. Denn grundsätzlich hat ein betroffener Autofahrer ein halbes Jahr Zeit seiner Versicherung die entstandenen Kosten zu erstatten. Dabei gilt: Bei großen Schäden lohnt sich in der Regel die Inanspruchnahme der eigenen Versicherung. Bei mittleren und kleineren Schäden stellt sich allerdings die Frage: Wie hoch ist der Schaden, der auszugleichen ist? Und andererseits, falls man die Verssicherungsleistung in Anspruch nehmen will:

"Wie hoch ist die Rückstufung? Das ist nun sehr unterschiedlich", so Versicherungsmakler Edgar Dietenberger. Wie hoch die Rückstufung ausfällt, hängt unter anderem von der Anzahl der unfallfreien Jahre, vom Fahrzeugtyp und vom Versicherungsvertrag ab. Daher rät Edgar Dietenberger: Keine überhasteten Entscheidungen bei einem Unfall!

Manche Versicherungen bieten "Freischuss"

"Danach sollte man sich dann immer an seinen Betreuer wenden, der die Möglichkeit hat, über einen sogenannten Rückkaufrechner genau zu ermitteln, bis zu welcher Schadenshöhe es für mich wirtschaftlich sein kann, den Schaden selbst zu tragen".

Viele Versicherungen bieten zudem, gegen einen Zuschlag auf die Versicherungsprämie, eine sogenannte Freischussregelung an. Dabei erhöht bleibt der Schadensfreiheitsrabatt zwar beim ersten Unfall unverändert. Allerdings:

"Wenn man sagen will. Man möchte einen Freischuss haben, dann muss man sich tatsächlich extra versichern. Das ist der Rabattretter, Rabattschutz".

Die Meinungen darüber, ob solche kostenpflichtigen Rabattretter Sinn machen oder nicht, sind gespalten. Dass durch eine solche Zusatzversicherung der aktuelle Schadensfreiheitsrabatt nicht gleich beim ersten Unfall verloren geht, ist für Marion-Maxi Hartung vom ADAC allerdings ein gewichtiges Argument dafür:

"So einen Freischuss – den sollte man schon immer dabei haben."

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