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StartseiteVerbrauchertippTarife mit Pferdefuß17.11.2017

Kfz-HaftpflichtTarife mit Pferdefuß

Alle Jahre wieder überbieten sich die Kfz-Haftpflichtversicherer im Kampf um neue Kunden. Denn wer bis Ende November kündigt, kann ab Januar in einen neuen Tarif wechseln und das kann sich lohnen. Doch Autofahrer sollten genau hinschauen, raten Vergleichsportale und Verbraucherschützer.

Von Susanne Lettenbauer

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Wenn der Kunde bei Vertragsabschluss nicht die richtigen Angaben gemacht hat, kann es im Schadensfall teuer werden. (picture alliance / dpa)
Wenn der Kunde bei Vertragsabschluss nicht die richtigen Angaben gemacht hat, kann es im Schadensfall teuer werden. (picture alliance / dpa)
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Eine eigene Immobilie, eine Garage für das Auto, die verschließbar ist, Mitglied in einem Autoclub und möglichst einen Job als Beamter - schon purzeln aufgrund von Statusrabatten die Preise bei der Kfz-Haftpflichtversicherung. Dazu locken auch noch so genannte "Verhaltensrabatte", beispielsweise für jahrelang unfallfreies Fahren und insgesamt nur wenige Kilometer Fahrten im Jahr. Auch wenn nur ein einziger Fahrer das Auto benutzt schrumpft der Tarif. Hier sollten Verbraucher allerdings genau aufpassen. Denn die Rabatte gelten tatsächlich nur, wenn die Angaben alle richtig sind, warnt der Versicherungsexperte Torald Richter vom Vergleichsportal Verivox. Sonst kann es bei einem Unfall teuer werden.

"Das hängt tatsächlich immer von der Schwere des Verschuldens ab. Also ob das jetzt ein anderer Fahrer ist, ob dass die Tatsache ist, dass ich einfach nur weiter gefahren bin. In solchen Fällen wird immer gefragt, wie stark tatsächlich das Verschulden des Kunden zum Schaden beigetragen hat." 

Im günstigsten Fall wird man als Versicherungsnehmer in einen Basistarif ohne Rabatte zurückgestuft. Einige Versicherungen berechnen aber auch eine Vertragsstrafe oder kündigen fristlos den Vertrag. Das kann man umgehen, indem man zum Beispiel einen zusätzlichen Fahrer einfach dazu bucht: "Einige Versicherer bieten heutzutage eine sehr komfortable Lösung für Alleinfahrer an. Bei diesen Anbietern können tageweise oder auch für einige Wochen weitere Fahrer hinzugebucht werden. Dann lässt sich die Police nach Bedarf anpassen und darin sehen wir einen echten Vorteil." 

Punktestand in Flensburg

Liegt die Fahrleistung am Ende des Jahres über den angegebenen zum Beispiel 10.000 Kilometern, sollte man am besten mit der Versicherung reden. Sehr oft berechnet diese dann nur einen Aufpreis ohne gleich eine Vertragsstrafe wegen Falschangaben zu verhängen, erklärt Verivox-Experte Richter. Grundsätzlich hat das Vergleichsportal beobachtet, dass Versicherer für die Gewährung von Rabatten immer mehr Informationen von ihren potentiellen Kunden abfragen. So wollen einzelne Versicherer mittlerweile auch den Punktestand in Flensburg wissen. Den sollten Interessenten auf jeden Fall richtig angeben oder eben eine andere Versicherung wählen. 

Besonders groß ist die Datensammelwut bei den relativ neuen "Telematik"-Tarifen. Dabei wird eine besonders besonnene Fahrweise im darauffolgenden Jahr nachträglich belohnt. Über eine Handy-App oder ein nachrüstbares System im Auto wird dabei zum Beispiel Beschleunigung, Bremsen, Geschwindigkeit protokolliert. Genauso wie Tageszeiten und Fahrumgebung - also Stadtverkehr oder Landstraße. Bei ganz neuen Fahrzeugen übernimmt das mittlerweile das serienmäßige eCall-System, das neben Notruffunktionen auch Daten zur Fahrweise sammeln kann: Immerhin: 

"Wenn der Fahrer eines Telematik-Tarifs seine App zum Beispiel abschaltet, dann drohen in der Regel gar keine Konsequenzen, denn der Fahrer hat ja selbst ein Interesse durch sein vorsichtiges Fahren zu erhöhen und das kann er ja nur, wenn die App angeschaltet ist."

Rabatte gegen Daten

Man zahlt also mit seinen Daten für die Rabatte, sollte man bedenken, so Sascha Straub von der Verbraucherzentrale München. Gerade Fahranfänger und frischgebackene Autobesitzer sind darauf angewiesen:

"Sie können mit einem Telematiktarif zum einen Geld sparen, zum anderen aber auch wird da besonders positives Fahrverhalten belohnt. Das ist so eine Art Fahrerziehung, die man sich selbst auferlegt und man bekommt noch einen Rabatt, muss aber wirklich sehen, ob man die Datenschutzproblematik auch akzeptieren mag."

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