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StartseiteCampus & KarriereKiel, die Stadt der jungen Forscher10.02.2011

Kiel, die Stadt der jungen Forscher

Wie die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt den Nachwuchs fördert

Wissenschaftler schlagen schon seit vielen Jahren Alarm: In Deutschland könnte es bald zu wenig Nachwuchsforscher geben. Die Stadt Kiel stemmt sich gegen diesen Trend und hat für ihr Engagement dieses Jahr den Titel "Stadt der jungen Forscher" verliehen bekommen. Denn in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt arbeiten Schüler ganz eng mit Profiwissenschaftlern zusammen.

Von Jens Wellhöner

Profimeeresforscher treffen Schüler. (AP)
Profimeeresforscher treffen Schüler. (AP)

Gymnasiasten der des Heinrich-Heine-Schule Heikendorf packen ihre Messgeräte aus, am Strand der Kieler Förde. Die 16-jährige Juliane Lösch ist die mutigste von allen und taucht mit bloßen Händen ein Glas ins eiskalte Wasser:

"2,3 Grad!"

Jetzt gießt die Schülerin Förde-Wasser in einen Glaskolben. Maximilian Müller taucht eine Art Fieberthermometer hinein:

"Wir messen jetzt den ph-Wert des Meerwassers hier jetzt mit so einem Gerät. Das hält man jetzt einfach hier rein. Also haben wir jetzt im Salzwasser einen pH-Wert von 8,3, 8,2 ungefähr. Im grünen Bereich!"

In einer Biologie-AG an ihrer Schule wollen die Schüler der zehnten und elften Klasse herausfinden, warum in der Ostsee in letzter Zeit immer mehr neue Algenarten auftreten. Profimeeresforscher haben die Schüler auf das Thema gebracht. Bei einem Besuch im international bekannten IfM-Geomar-Institut. Den 16-jährigen Marten Rauscher haben die Wissenschaftler schwer beeindruckt:

"Ja, man stellt sich unter Wissenschaftlern ja immer irgendwelche Menschen mit weißen Kitteln, krausem Haar und Brille vor. Aber man hat eigentlich gemerkt: Ganz nett, ganz sympathisch sind die alle. Man merkt, dass die auch was bewegen wollen, auch indem, wie sie arbeiten. Und: Es war echt interessant, das mal zu sehen!"

Die Meeresforscher des IfM-Geomar-Instituts arbeiten schon seit sechs Jahren mit Schülern und Lehrern zusammen. Erklären ihnen, wie man forscht. Und helfen, die Ergebnisse auszuwerten. Das Messprojekt am Strand der Kieler Förde ist dabei keine Beschäftigungstherapie für Schüler, sondern ernst zu nehmende Forschung. Meeresforscher Joachim Dengg:

"Hin und wieder kommen tatsächlich unsere Wissenschaftler und fragen nach den Daten, weil wir hier in der Förde gar nicht mehr solche Messungen machen. Und wenn die was vergleichen wollen, dann ist das nützlich, was in der Hand zu haben!"

Die Schüler werden nicht nur am Ostseestrand arbeiten. Die Meereswissenschaftler haben mit ihnen nämlich etwas Besonderes vor:

"Wir werden also mit einigen Schülern der Heinrich-Heine-Schule auf die Kapverdischen Inseln fahren und dort mit einer Partnerschule anfangen, ähnliche Messungen zu machen. Und hoffen, dass die dann begeistert sind und motiviert sind, das über das nächste Jahr weiterzutragen, sodass das allmählich eine Eigendynamik gewinnt."

Wissenschaftler und Schüler arbeiten Hand in Hand: Deswegen wurde Kiel dieses Jahr der Titel "Stadt der jungen Forscher" verliehen. Drei große private Stiftungen finanzieren dabei 46 Forschungsprojekte an Schulen in Kiel und Umgebung.

Auch am Kieler Hans-Geiger-Gymnasium ist das Forschungsfieber ausgebrochen. Oberstufenschüler prüfen hier, ob Mineralwasser-Plastikflaschen krebserregende Substanzen enthalten.

Die Flaschen geöffnet, Wasser ausgeschüttet und los geht die Analyse. Der Chemielehrer schaut zu. Zuerst verbrennt Sebastian Kunschke die Plastikflaschen:

"Die reagieren unterschiedlich. Bei einem Versuch haben wir sogar festgestellt, dass die Dämpfe von dem verbrannten Plastik verbrennen, also brennbar sind."

Das hat den Schüler besonders fasziniert. Sebastian Kunschke, seine Mitstreiter und Lehrer werden bald Chemiker an der Kieler Uni treffen, ihnen ihre Ergebnisse mitteilen und klären, was als Nächstes zu tun ist. Die Schüler forschen übrigens in ihrer Freizeit. Wie alle Teilnehmer an der Aktion "Kiel-Stadt der jungen Forscher". Warum machen die jungen Leute da mit? Haben sie in ihrer freien Zeit nichts Anderes zu tun?

"Dafür ist das Projekt ganz gut, dass man mal an die Uni kommt und mal dort auch die Abläufe mitbekommt und schaut, was dort passiert. Kontakte herstellt." - "Und wenn man dann später sich überlegt, welchen Beruf man haben will, dass man das auch abschätzen kann, in welche Richtung man da gehen möchte."

Vielleicht werden aus den Schülern ja in wenigen Jahren Profiwissenschaftler. Das ist jedenfalls das große Ziel der Aktion "Stadt der jungen Forscher".

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